TRENDBAROMETER TRENDS STANDPUNKTE In jeder Branche bilden sich Trends und Strömungen. Nicht immer ist dann die Interpretation eindeutig, nicht immer ist klar, wohin der Zug fahren wird. Dafür haben wir in der antriebstechnik die Rubrik „STANDPUNKT“. Darin erklären Experten bisweilen Grundsätzliches, bisweilen werden häufig übersehene Details aktueller Entwicklungen hervorgehoben. Auf dieser Seite haben wir zentrale Aussagen dieser Standpunkte zusammengetragen. MARKUS GRAF Chief Sales Officer bei Stöber INTERNATIONALE DIVERSIFIZIERUNG Globale Handelsbeziehungen werden zunehmend von geopolitischen Interessen überlagert. Als exportorientiertes Unternehmen treibt Stöber Antriebstechnik vor diesem Hintergrund gezielt die internationale Diversifizierung seines Geschäfts voran. Wirtschaftliche Entscheidungen folgen heute immer öfter politischen Motiven. Deshalb reicht technologische Stärke allein nicht mehr aus. Wir bei Stöber richten uns strategisch auf die drei großen Wirtschaftsräume: USA, Europa und Ostasien. Im Fokus stehen regionale Nähe, schnelle Reaktion auf Marktanforderungen und ein Verständnis für kulturelle Unterschiede. Wir wollen nicht in Blöcken denken, sondern in Beziehungen. Unsere Produkte und Lösungen funktionieren über Grenzen hinweg - genau wie unsere Werte. Wir haben den Anspruch, auch in einem volatilen globalen Umfeld verlässlich zu bleiben - für Kunden, Partner und Mitarbeitende weltweit. WIR WOLLEN NICHT IN BLÖCKEN DENKEN, SON- DERN IN BEZIEHUNGEN - UNSERE PRODUKTE UND LÖSUNGEN FUNKTIONIEREN ÜBER GRENZEN HINWEG DR. DONATUS WEBER REVENUE-DRIVEN-PRODUKT- ENTWICKLUNG REDUZIERT DEN RAUM FÜR INNOVATIONEN - GERADE BEI DIGITALEN LÖSUNGEN BRAUCHT ES DEN MUT, RISIKEN EINZUGEHEN Geschäftsführer Jagenberg Digital Solutions, Vorstandsmitglied VDMA Fachverband Software und Digitalisierung ERFOLGSFAKTOREN DIGITALER LÖSUNGEN Um digitale Services zu Vermarkten und die Digitalisierung in unserem Unternehmen generell voranzutreiben, halten wir uns an bewährte Business-Prinzipien und gehen kundenzentriert sowie strukturiert vor. Ein zentraler Bestandteil unseres Ansatzes ist der Einsatz von Werkzeugen wie dem klassischen Business Model Canvas und dem Monetarisierung-Canvas des VDMA. Diese helfen uns, unsere Ideen auf Herz und Nieren zu prüfen und die Erfolgsaussichten realistisch einzuschätzen. Unsere Lösungen entstehen in engem Austausch mit unseren Kunden und durch die konsequente Anwendung eines strukturierten und interdisziplinären Entwicklungsprozesses. Um damit erfolgreich zu sein, nehmen wir uns die Zeit, auf oberster Führungsebene Business Cases ausführlich zu analysieren. Mithilfe des Business Model Canvas und des Monetarisierungs-Canvas schaffen wir Transparenz und treffen auf dieser Basis fundierte Entscheidungen. Dabei werden alle relevanten Abteilungen einbezogen. Nur 25 Prozent unserer Ideen bestehen den Canvas, aber genau diese schaffen es schließlich zur Marktreife. Die Geschäftsleitung ist hier also der entscheidende Treiber für Impulse und Innovation. Ein reines Fokussieren auf ‚revenue-driven‘ Produktentwicklung reduziert den Raum für Innovationen. Gerade bei digitalen Lösungen braucht es den Mut, Risiken einzugehen - aber eben kalkulierte Risiken. Digitalisierung ist kein Hexenwerk, aber sie erfordert, dass man sich den Herausforderungen stellt und die Bedürfnisse seiner Kunden ernst nimmt. 6 antriebstechnik Marktübersicht 2026 www.antriebstechnik.de
TRENDBAROMETER VOLKER DESCH Vertriebsleitung der Business Unit Linear Motion Technology bei Bosch Rexroth FÜR KOMPLETTANBIETER Die angespannte wirtschaftliche Lage im Werkzeugmaschinenbau fordert Hersteller heraus, sich mit neuen Lösungsansätzen vom Wettbewerb zu differenzieren und diese möglichst schnell und wirtschaftlich umzusetzen. Innovative Lineartechnik kann hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Als Entwicklungs- und Lösungsanbieter sehen wir aktuell ein großes Potenzial im Bereich der Prozessautomatisierung in und an der Werkzeugmaschine. Denn hier können sich die Hersteller mit kosteneffizienten Handhabungslösungen als Komplettanbieter positionieren - inklusive automatischer Werkstück- oder Werkzeugbestückung. Eine Schlüsselrolle spielen dabei mechatronische Handling-Roboter aus einzelnen oder mehreren Linearachsen. Für eine schnelle Montage und Inbetriebnahme werden die Subsysteme vormontiert geliefert - inklusive Antrieb, Verkabelung und Steuerung. Mit einem smarten Mechatronik-Baukasten lassen sich vielfältige Aufgaben modular lösen, so zum Beispiel die platzsparende Bestückung einer Maschinenreihe von oben durch einen Roboter, der über eine Schwerlastachse verfahren wird. Auch für das Umsetzen von Blechen, den flexiblen Werkstücktransport zu verschiedenen Montagestationen oder ein hochdynamisches Pick-and-Place-System für den Verpackungsbereich können Linearroboter eingesetzt werden. Die gesamte Branche kann so Effizienzpotenziale konsequent nutzen und die Produktionsprozesse auf die Anforderungen von morgen auszurichten. FÜR HERSTELLER, DIE SICH ALS KOMPLETT- ANBIETER POSITIONIEREN WOLLEN, SPIELEN MECHATRONISCHE HANDLING-ROBOTER MIT LINEARTECHNIK EINE SCHLÜSSELROLLE DAS CRADLE-TO- CRADLE-KONZEPT RECHNET SICH WIRTSCHAFTLICH - IM SCHNITT SIND SOLCHE LÖSUNGEN 20 % GÜNSTIGER MATTHIAS FEHRENBACH Geschäftsführer Eutect KREISLAUFWIRTSCHAFT LÄUFT BEREITS Der Begriff Cradle-to-Cradle geht weit über das bekannte Cradle-to-grave (von der Wiege zur Bahre) hinaus. Im Zentrum der Cradle-to-Cradle-Philosophie steht die Idee, Maschinen am Ende ihrer Nutzungsdauer als wertvolle Ressource zu betrachten. Wir verfolgen diesen Ansatz bereits seit fünf Jahren. Für Kunden bedeutet das ein deutliches Plus an Flexibilität und Wirtschaftlichkeit. Maschinen müssen nicht zwangsläufig gekauft werden, Miet- oder Leasingmodelle sind möglich. Dies reduziert Investitionsrisiken und verkürzt Lieferzeiten. So rechnet sich das Konzept auch wirtschaftlich. Tatsächlich sind Cradle-to-Cradle-Lösungen im Schnitt rund 20 Prozent günstiger. Ich bin überzeugt, dass Cradle-to-Cradle eine zentrale Rolle im Maschinenbau der Zukunft spielen wird.
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