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antriebstechnik 6/2026

antriebstechnik 6/2026

KOMPONENTEN UND SOFTWARE

KOMPONENTEN UND SOFTWARE MOTOR ALS SENSOR CONDITION MONITORING NEU GEDACHT Claude Jaquemet, Business Development Manager Digital Business, Maxon Gruppe Predictive Maintenance beginnt im Antriebssystem: Mit Maxon Mind (motion insights and diagnostics) hat der Schweizer Antriebsspezialist Maxon eine Lösung entwickelt, die den Motor zum intelligenten Sensor macht. Durch maschinelles Lernen, physikalisches Know-how und eine offene Systemarchitektur ermöglicht Maxon Mind eine präzise Zustandsüberwachung - transparent, nachvollziehbar und bereit für den industriellen Einsatz. In der industriellen Antriebstechnik ist der Motor längst mehr als nur ein Aktuator. Er liefert wertvolle Informationen über den Zustand des gesamten Systems - vorausgesetzt, man weiß, wie man diese Daten richtig interpretiert. Genau hier setzt Maxon mit seiner neuen Lösung Maxon Mind (motion insights and diagnostics) an. Das System nutzt die Signale des Motors, um Rückschlüsse auf den Zustand des Antriebssystems und dessen Umgebung zu ziehen. Den Ansatz bringt das zuständige Entwicklungs-Team bei Maxon so auf den Punkt: „Der Motor ist der beste Sensor in der Maschine.“ Maxon Mind wurde entwickelt, um Condition Monitoring und Predictive Maintenance auf ein neues Niveau zu heben. Die Lösung analysiert Daten, die während des Maschinenbetriebs aus dem Controller ausgelesen werden, und erkennt daraus Muster, die auf Verschleiß oder Fehlfunktionen hinweisen. Dabei geht es nicht nur um die Überwachung des Motors selbst, sondern um das gesamte Antriebssystem und die damit verbundenen Mechanik. So lassen sich Abweichungen frühzeitig erkennen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Maxon Mind ist besonders gefragt in Anwendungen, bei denen unerwartete Ausfälle frühzeitig erkannt werden müssen - etwa zur Erhöhung der Personensicherheit oder zur Minimierung von Downtime. Dabei erkennt die Lösung auch Probleme, die in klassischen Tests verborgen bleiben. Auch in Produktionslinien mit mehreren Maschinen in Reihe kann Maxon Mind helfen, kleinste Abweichungen zu identifizieren, bevor sie sich auf nachgelagerte Prozesse auswirken. Darüber hinaus bietet das System einen Mehrwert im Serviceeinsatz bei Anwendungen, in denen der tatsächliche Gerätezustand für die Wartungsplanung entscheidend ist. ERKLÄRBARE, OPTIMIERTE KI: WENIG DATEN, HOHE NACHVOLLZIEHBARKEIT Technologisch basiert Maxon Mind auf erklärbarer künstlicher Intelligenz. Damit ist sichergestellt, dass sämtliche Diagnosen und Vorhersagen nachvollziehbar sind. Das ist insbesondere in sicherheitskritischen und stark regulierten Anwendungen essenziell. Das von Maxon entwickelte Machine-Learning-Modell kommt zudem mit wenig Daten aus und kann auf einfacher Hardware betrieben werden. Der Vorteil: minimalinvasive Integration in die Anwendung und geringer (Zeit-)Aufwand für das Modelltraining. Zudem benötigt das Modell keine GPU-Infrastruktur, was insbesondere ein Kostenvorteil für Neuentwicklungen ist. Auch Retrofits in Bestandsanwendungen sind möglich. Die Datenverarbeitung folgt einem klar strukturierten Ablauf. Zuerst werden die Rohdaten während des Maschinenbetriebs erfasst. Diese werden vorverarbeitet, bevor sie in das Machine- Learning-Modell gelangen. Dort prüft das Modell die Daten und analysiert jede Abweichung von einem gesunden Betriebszustand genau. Das Ergebnis steht dem Kunden via API zur Verfü- 01 Maxon Mind liefert eine Zustandsanzeige für das gesamte Antriebssystem und die angetriebene Mechanik 02 Dieses Demo-System wird auf Messen gezeigt 01 02 30 antriebstechnik 2026/06 www.antriebstechnik.de

KOMPONENTEN UND SOFTWARE gung. Glassbox statt Blackbox: Jeder Verarbeitungsschritt ist rückverfolgbar. SYSTEM LERNT AUS DER REALEN ANWENDUNG Ein wesentliches Merkmal von Maxon Mind ist die Integration von domänenspezifischem Know-how in das Modell. Die physikalischen Zusammenhänge eines mechatronischen Systems fließen direkt in die Modellierung ein. Dadurch erreicht das Modell eine hohe Prognosequalität bei gleichzeitig geringem Datenbedarf. Das System lernt zudem aus der realen Anwendung: Bei der Inbetriebnahme der Maschine wird ein sogenannter Initialzustand erfasst, der den Motor im Kontext seiner Umgebung beschreibt. Im laufenden Betrieb speist das System dann regelmäßig neue Daten ein und gleicht sie mit dem Modell ab. Je nach Anwendung geschieht dies stündlich, täglich oder nach Bedarf. Die Qualität der Daten spielt dabei eine zentrale Rolle. Um valide Ergebnisse zu erzielen, müssen die aufgenommenen Signale den Betriebszustand der Maschine ausreichend repräsentativ abbilden. Deshalb arbeitet Maxon eng mit den Kunden zusammen, um geeignete Messzyklen zu definieren. Diese können beispielsweise standardisierte Bewegungsabläufe umfassen, die typische Belastungssituationen abbilden. Auf diese Weise entsteht ein auf die Kundenanwendung abgestimmtes und robustes Modell, das auch unter variierenden Bedingungen zuverlässige Aussagen trifft. EINE OFFENE PLATTFORM Eine wichtige Rolle bei Maxon Mind spielt auch der Umgang mit Daten. Standardmäßig erfolgt die Datenverarbeitung in der Cloud. Kunden können ihre Daten einsehen und herunterladen. Es werden keine personenbezogenen Informationen benötigt; alle Daten können vom Kunden anonymisiert werden, bis auf Artikel- und Seriennummer des Antriebs. Die Plattform ist offen konzipiert. Kunden können auf ihre Daten zugreifen und diese über eine API in ihre Systemumgebung integrieren. Die Lösung ist minimalinvasiv: Bestehende Motoren, Elektronik und Steuerungen bleiben unverändert. Einzige Voraussetzung ist die Installation eines Softwarepakets auf dem Mastercontroller, das die Daten zum Beispiel via MQTT-Protokoll überträgt. Ist die Maschine bereits ans Internet angebunden und verfügt der Controller über die Fähigkeit zur Datenakquise, kann das System innerhalb weniger Tage in Betrieb genommen werden. Alle nötigen Spezifikationen sind bereits definiert. VORAUSSETZUNGEN UND KOMPATIBILITÄT Ein Vorteil von Maxon Mind liegt in seiner hohen Kompatibilität mit bestehenden Systemen. Die Lösung ist so konzipiert, dass sie sich nahtlos in unterschiedliche Antriebskonfigurationen integrieren lässt - unabhängig von Branche oder Anwendung. Bestehende Hardware wie Motoren, Steuerungen und Elektronik muss nicht ersetzt werden. Auch ist Maxon Mind grundsätzlich im gesamten Maxon-Antriebsportfolio einsetzbar, sofern der Motor mit einer Steuerung ausgestattet ist. Das System positioniert sich als hochspezialisierte Lösung für anspruchsvolle Anwendungen. Maxon verfolgt einen fokussierten Ansatz, der die physikalischen Eigenschaften des Antriebssystems in der Tiefe analysiert. Diese Kombination aus technischem Fokus, industrieller Robustheit und offener Architektur macht Maxon Mind zu einer Lösung, die nicht nur Daten sammelt, sondern echten Erkenntnisgewinn liefert. Mit Maxon Mind bringt Maxon eine durchdachte, technisch fundierte Lösung auf den Markt, die den Motor zum intelligenten Sensor macht. Die Kombination aus maschinellem Lernen, physikalischem Know-how und offener Systemarchitektur macht das System zu einem zukunftsfähigen Werkzeug für industrielle Anwendungen. Der Motor wird damit nicht nur zum Antrieb, sondern zum zentralen Element der Zustandsüberwachung - und zum Schlüssel für mehr Effizienz, Sicherheit und Verfügbarkeit in der Industrie 4.0. Bilder: maxon Group www.maxongroup.com DIE IDEE „Maxon Mind (motion insights and diagnostics) nutzt die Signale aus dem Motor für Condition Monitoring und Predictive Maintenance im gesamten Antriebssystem. Das System basiert auf erklärbarer KI, die mit wenig Daten und ohne GPU- Infrastruktur auskommt, physikalisches Domänenwissen einbezieht und sich dank offener, minimalinvasiver Architektur ohne Austausch bestehender Hardware integrieren lässt. So werden Verschleiß und Fehlfunktionen frühzeitig erkannt.“ Claude Jaquemet, Business Development Manager Digital Business, Maxon Gruppe www.antriebstechnik.de antriebstechnik 2026/06 31