ELEKTROMOTOREN Zwei weitere Anwendungsfälle stammen aus der LNG-Industrie: Für ein LNG-Terminal wurden Pumpenantriebe hergestellt; konkret handelt es sich dabei um luft-wasser-gekühlte Elektromotoren mit einer Leistung von 1,5 bis 3 MW. Für ein anderes LNG-Terminal wurde ein Hauptantriebssystem mittels Shaft Generator produziert. Dieser ist als PTI und als PTO nutzbar. „Der Shaft Generator unterstützt den konventionellen Antrieb, wenn punktuell besonders viel Leistung notwendig ist. Bei ruhigem Wellengang wird die Energie in das Bordnetz eingespeist, somit reduzieren sich die Emissionen des Dieselaggregats“, erklärt Passath. 03 Das integrierte Wasserkühlsystem der MKH-Asynchronmotor- Baureihe führt Wärme direkt und effizient ab, hält die Betriebstemperatur konstant niedrig und verlängert die Lebensdauer von Wicklung und Lager den herkömmlichen Hauptantrieb bei Bedarf abzuschalten und beispielsweise vollelektrisch und ohne Kohlendioxidausstoß in Häfen einzufahren. Auf hoher See kann ein elektrischer Antrieb als Wellengenerator (Shaft Generator) eingesetzt werden und das Bordnetz versorgen. „Langfristig sollen Schiffe rein elektrisch fahren, aber da kommen derzeit noch gewisse Herausforderungen hinzu“, weiß der Experte für Antriebstechnik. Mit steigender Reichweite erhöht sich durch den Energiespeicher das Gesamtgewicht des Systems. DIE ENTWICKLUNGEN BEI DER ELEKTRIFIZIERUNG DER SCHIFFFAHRT SCHREITEN KONTINUIERLICH VORAN Zudem sind die Verfügbarkeit und Ausgestaltung der Ladeinfrastruktur zentrale Faktoren. „Aber diese Entwicklungen schreiten kontinuierlich voran und beginnen Früchte zu tragen“, meint Passath und spielt damit auch auf die Elektrifizierung des Voith- Schneider-Propellers an: Hier wurde die alte Mechanik herausgezogen und ein Elektromotor über einen Permanentmagneten als Antriebskonzept integriert. So ließ sich die Effizienz des Propellers steigern und zugleich die Baugröße verringern. VOM HALBTAUCHER BIS ZUM LNG-TERMINAL Anhand einiger Beispiele aus der Praxis lässt sich erkennen, wie vielfältig elektrische Antriebe bereits im maritimen Umfeld angewendet werden. So beschreibt Passath ein Revitalisierungsprojekt, bei dem der alte Dieselgenerator eines Halbtauchers - Länge 160 m, Gesamtquerschnitt für die Ladung 3.500 m² - gegen einen Elektroantrieb ausgetauscht wurde. Der neue Antrieb hat eine Gesamtleistung von 7,6 MW und setzt sich aus einem rechtsdrehenden und einem linksdrehenden Elektromotor (jeweils mit 3,8 MW) zusammen. Diese laufen vollständig autark und verfügen über eine eigene Ölversorgung. Mit dieser Lösung fährt der Halbtaucher rein elektrisch; der Antrieb wird zudem für das Heben und Senken eingesetzt. Geliefert wurde der Antrieb als fertige Plug-and-Play-Lösung. FAZIT Die maritime Antriebstechnik steht durch die Klimaziele der IMO vor einem tiefgreifenden Wandel: Elektrische und hybride Antriebslösungen entwickeln sich zum zentralen Hebel für eine emissionsärmere, effizientere und leisere Schifffahrt. Der wachsende Markt zeigt, dass individualisierte Elektromotor- und Energiesysteme bereits heute praxistauglich sind. Trotz be stehender Herausforderungen bei Gewicht, Bauraum und Energiespeichern ist klar: Maßgeschneiderte elektrische Antriebe bilden die technologische Grundlage für die klimaneutrale Schifffahrt von morgen. Bilder: Aufmacher Vladimir - stock.adobe.com, sonstige Elin Motoren www.elinmotoren.com DIE IDEE „Um die Klimaziele der IMO zu erreichen, sind elektrische und hybride Schiffsantriebe der entscheidende Hebel. Sie sind effizienter, leiser und emissionsärmer als Verbrenner. Die rauen maritimen Bedingungen erfordern jedoch individuell ausgelegte Motoren statt Standardlösungen. Praxisbeispiele zeigen, dass maßgeschneiderte Elektround Hybridsysteme trotz aller Herausforderungen bereits heute praxistauglich sind.“ Bernd Passath, Sales Manager Elin Motoren, Preding, Österreich 26 antriebstechnik 2026/06 www.antriebstechnik.de
STEUERN UND AUTOMATISIEREN REINRAUMANWENDUNGEN HOHE DYNAMIK TRIFFT NANOMETERPRÄZISION Ein Antriebstechnik-Spezialist hat ein Pickand-Place-System für Reinraumanwendungen entwickelt, das hohe Dynamik mit Nanometerpräzision kombiniert. Die Kombination aus Carbonkonstruktion, Luftlagern und einer partikelarmen Energieführung in flexibel zusammenfügbaren Singlepods ermöglicht kurze Taktzeiten, verschleißfreien Betrieb und stabile Prozesse. Das kürzlich mit dem silbernen Igus Vector Award ausgezeichnete Pick-and-Place-System Fast 4PnP der Jenaer Antriebstechnik bietet eine Lösung für Reinraumanwendungen, die höchste Dynamik mit Nanometerpräzision verbindet. Das System wurde speziell für hochpräzise Anwendungen in Reinräumen entwickelt - etwa für die Halbleiterfertigung, insbesondere für direkt belichtende Verfahren (Step & Scribe), die Bestückung von Leiterplatten, das Handling empfindlicher Chips oder laserbasierte Bearbeitungsprozesse. Bei der Energieführung hat sich JAT für die ISO-zertifizierte E-skin flat mit Chainflex-Leitungen von Igus entschieden und wurde für die innovative Systemarchitektur vor Kurzem mit dem silbernen Vector Award prämiert. Der Preis zeichnet alle zwei Jahre die spannendsten Projekte mit Energiekettensystemen aus. Im Zentrum des Fast 4PnP steht die Kombination aus extrem leichter Carbonkonstruktion und reibungsfreien Luftlagern. Dadurch erreicht das System Beschleunigungen von bis zu 100 m/s² bei gleichzeitig außergewöhnlicher Präzision. Die Wiederholgenauigkeit liegt bei unter 100 nm. PRODUKTIVITÄT DURCH GESCHWINDIGKEIT Die Luftlager arbeiten vollständig kontaktfrei und damit verschleißfrei. Gleichzeitig vermeiden sie mechanische Reibung und ermöglichen eine besonders ruhige, hochgenaue Bewegung - ein klarer Vorteil für anspruchsvolle Positionieraufgaben in der Mikroelektronik und Photonik. „Der Markt verlangt zunehmend Systeme, die hohe Genauigkeit und hohe Dynamik gleichzeitig beherrschen“, erklärt Volker Hille von der Jenaer Antriebs- technik. „Genau diese Kombination entscheidet letztlich über Produktivität, Qualität und Wirtschaftlichkeit.“ Die hohe Dynamik des Systems ermöglicht extrem schnelle Punkt-zu-Punkt-Bewegungen. Dadurch lassen sich Taktzeiten reduzieren und Produktionsprozesse beschleunigen - ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor insbesondere in der automatisierten Serienfertigung. Gleichzeitig eröffnet die hohe Systemeffizienz neue Möglichkeiten beim Energieverbrauch: Wenn maximale Geschwindigkeit nicht erforderlich ist, können kleinere Motoren eingesetzt und Energie eingespart werden. Das schafft zusätzliche Flexibilität bei der Auslegung von Produktionsanlagen. REINRAUMGERECHTE PARTIKELEMISSION Ein besonderer Fokus lag auf der Reinraumtauglichkeit des Systems. Die integrierte Energieführung verzichtet auf klassische gliederbasierte Kabelführungssysteme. Stattdessen wurde eine partikelarme Lösung entwickelt, die ohne reibende Gelenke auskommt. Die E-skin flat führt die Leitungen in flexibel zusammenfügbaren Singlepods.Da keine mechanische Reibung entsteht, werden kaum Partikel freigesetzt - ein entscheidender Vorteil für Anwendungen in hohen Reinraumklassen, wie sie in der Halbleiter-, Laser- und Medizintechnik gefordert sind. Seine Stärken spielt das Fast 4PnP insbesondere in laserbasierten Anwendungen aus, etwa beim präzisen Ausschneiden kleinster Geometrien oder beim Dicing von Halbleiterchips. Dank der hohen Beschleunigung kann das System selbst in engen Kurvenradien mit konstanter Geschwindigkeit verfahren. So bleibt die Laserleistung stabil; ein Herunterregeln oder Triggern des Lasers wird vermieden. Das reduziert thermische Belastungen und verhindert Materialschäden oder verbrannte Kantenbereiche. Mit dem Fast 4PnP adressiert die Jenaer Antriebstechnik einen Markt, in dem die Anforderungen an Präzision und Dynamik kontinuierlich steigen. Immer kleinere Chips und empfindlichere Bauteile verlangen nach Positioniersystemen, die höchste Genauigkeit, Reinraumfähigkeit und hohe Prozessgeschwindigkeit miteinander verbinden. Das ausgezeichnete System zeigt, wie moderne Antriebstechnik Produktivität, Energieeffizienz und Präzisionsfertigung in einer Plattform vereinen kann. Bild: JAT Julian Hoerndlein www.jat-gmbh.de www.antriebstechnik.de antriebstechnik 2026/06 27
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