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antriebstechnik 6/2026

antriebstechnik 6/2026

ELEKTROMOTOREN HYBRIDE

ELEKTROMOTOREN HYBRIDE UND VOLLELEKTRISCHE SCHIFFSANTRIEBE KURS AUF KLIMANEUTRALE MEERE Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation fordert eine klimaneutrale Schifffahrt bis 2050. Elektrische und hybride Antriebssysteme sind entscheidend für diesen Wandel. Maritime Einsatzbedingungen stellen jedoch besondere Anforderungen an Korrosionsschutz, Kühlung und Dauerfestigkeit. Gefragt sind individuell ausgelegte Motoren, die Effizienz, Robustheit und geringe Vibrationen vereinen. Julia Kowal, Redakteurin für Wordfinder 24 antriebstechnik 2026/05 www.antriebstechnik.de

ELEKTROMOTOREN Die Ziele, die die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) gesetzt hat, sind ambitioniert: Bis 2050 soll der Seeverkehr klimaneutral sein, bereits bis 2030 sollen die gesamten jährlichen Treibhausgasemissionen um mindestens 20 Prozent im Vergleich zu 2008 sinken (bit.ly/3Q9AcnV). Daten des gemeinnützigen Netzwerks „Maritime Battery Forum“ zufolge liegt die Zahl der voll- und teilelektrisch betriebenen Schiffe bereits bei über 1.800 Stück (bit.ly/4cHQvRz). Damit ist der Technologiewandel angestoßen, obschon die Herausforderungen für Motoren und Generatoren im maritimen Einsatz hoch und vielfältig sind: Der Bauraum ist begrenzt, die Belastung groß, die Atmosphäre salzhaltig, das Terrain und der Wellengang anspruchsvoll. „Elektrische Maschinen müssen daher gut integrierbar, belastbar, langlebig und korrosionsgeschützt sein“, erklärt Bernd Passath, Sales Manager bei Elin Motoren und Experte für maritime Antriebstechnik. Das österreichische Unternehmen blickt auf eine 130-jährige Geschichte zurück und ist im maritimen Umfeld inzwischen als Spezialist für anspruchsvolle Kleinserien und elektrische Antriebe positioniert. Benötigt werden deshalb elektrische Antriebe, deren Fokus auf Effizienz, Robustheit und datenspezifischen Auslegungen liegt. „Im maritimen Umfeld ist jede Anfrage gesondert zu betrachten, weil sich die Anforderungen je nach Einsatzzweck und Einsatzort unterscheiden“, weiß Passath. „Deshalb braucht es individuelles Engineering.“ Standardlösungen greifen also zu kurz. Ohne Sonderlösungen, bei denen bereits im Entwicklungsprozess die individuellen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden, lässt sich der Wandel nicht vollziehen. SALZLUFT, VIBRATION, DAUERLAST: HOHE ANFORDERUNGEN AN DEN ANTRIEB Eine besondere Anforderung an elektrische maritime Antriebstechnik ist der Korrosionsschutz: Zwar werden die meisten Motoren unter Deck eingesetzt und sind der Außenwelt daher nicht direkt ausgesetzt, doch vor salzhaltiger Luft müssen sie dennoch mithilfe einer hochwertigen Lackierung geschützt werden. Zusätzlich sollen die Vibrationen des Antriebs möglichst gering, die Dauerlast aber hoch sein. Denn ein Schiffsmotor muss über Jahrzehnte hinweg zuverlässig laufen und soll dabei möglichst wenig Schall ins Wasser abstrahlen - auch hier generieren elektrische Antriebe einen Mehrwert, weil sie deutlich geräuschärmer als Verbrenner sind. Erforderlich ist diese Eigenschaft einerseits aus Naturschutzgründen oder zu Forschungszwecken, andererseits auch angesichts der immer unruhiger werdenden geopolitischen Lage. Vibrationsanalysen und Dauerlastprüfungen gehören zum Entwicklungsprozess daher dazu. Passath: „So können wir ein Maximum an Zuverlässigkeit für maritime Anwendungen garantieren.“ Ein weiterer wichtiger Punkt bei elektrischen Marine-Motoren ist das Thema Kühlung. Erforderlich sind sichere Kühlsysteme, die ein Überhitzen und somit Ausfallen der Antriebstechnik verhindern - schließlich sollte ein Schiff nicht auf offener See liegenbleiben. Für offene Maschinen eignen sich luftgekühlte Systeme, nach Bedarf auch mit einseitiger oder beidseitiger Belüftung. Für geschlossene Maschinen ist eine Luft- oder Wassermantelkühlung zu empfehlen. „Auch die erforderlichen Kühlsysteme müssen im Entwicklungsprozess individuell abgestimmt werden“, betont Passath. ELEKTRIFIZIERUNG VON DER ANTRIEBSWELLE BIS ZUM BORDNETZ Maßgeschneiderte elektrische Antriebslösungen sind sowohl für Haupt- als auch für Hilfsanwendungen verfügbar, darunter beispielsweise Thruster, PTO/PTI-Systeme, Pumpen, Kompressoren und weitere Nebenaggregate. 02 01 01 Als Hauptantriebe kommen überwiegend Asynchronmotoren sowie Synchronmaschinen in Nieder- und Mittelspannungsausführung zum Einsatz 02 Der eVSP-Permanentmagnet-Synchronmotor ist ein wesentlicher Schritt zur Elektrifizierung in der Schifffahrt Als Hauptantriebe kommen überwiegend Asynchronmotoren sowie Synchronmaschinen in Nieder- und Mittelspannungsausführung zum Einsatz. Diese finden insbesondere Anwendung in diesel-elektrischen und vollelektrischen Fähren, Offshore-Service- Schiffen, LNG-/LPG-Schiffen sowie Forschungsschiffen. Speziell für die maritime Industrieumgebung eignet sich ein wassermantelgekühlter Motor, der mit IE4/5 die höchste Effizienzklasse und Leistungsabgaben bis ca. 2.500 kW erreicht. „Diese Motoren stehen im Einklang mit den Zielen der IMO und sind zugleich äußerst effizient“, so der Sales Manager. Grundsätzlich geht der Trend bei elektrischen Antrieben derzeit in Richtung Hybridisierung. Power-Take-Off- (PTO) und Power-Take-In-Systeme (PTI) können hier als Motor und als Generator genutzt werden; sie unterstützen den Hauptantrieb, können aber auch Nebenaggregate mit Energie versorgen. „So wird die Energieverteilung auf dem Schiff optimiert, und die Emissionen werden gesenkt“, erklärt Passath. Möglich ist auch, www.antriebstechnik.de antriebstechnik 2026/06 25