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antriebstechnik 6/2026

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LINEARTECHNIK TITEL 02

LINEARTECHNIK TITEL 02 01 01 Auf einem solchen Prüfstand werden die Drylin-C-Rollenlager auf Herz und Nieren getestet 02 Die EHEDG-zertifizierte Drylin-W-Linearführung unter Belastung - die Lücke in der Führungsschiene ist der Clou: Sie vermeidet hygienekritische Schweißnähte Warum ist eine Rollenführung für bestimmte Anwendungen überhaupt die bessere Wahl als das klassische Gleitlager? HORNUNG: Es gibt Bewegungsprofile, bei denen ein Gleitlager an seine Grenzen kommt. Wenn zum Beispiel ein hohes Gewicht per Hand verschoben werden soll - etwa bei Maschinenhauben. Auch bei Bahntüren spielen Rollenlager ihre Vorteile aus, wie etwa das geringere Losbrechmoment gegenüber Gleitlagern. Rollen statt gleitender Flächen reduzieren die Reibverluste, besonders bei niedrigen Drehzahlen und beim Starten. Dadurch haben Rollenlager auch einen etwas höheren Wirkungsgrad. Wie lange dauerte die Entwicklung der Rollenlager? NIERMANN: Wir haben rund zwei Jahre für die Entwicklung gebraucht, was für Igus eine vergleichsweise lange Zeit ist. Aber wir mussten die Expertise in Sachen Rollenlager erst einmal aufbauen. Wir haben zum Beispiel die Form der Rollen in unzähligen Experimenten optimiert, um Kosten und Haltbarkeit bestmöglich zu kombinieren. Der Winkel, in dem sich die Rolle abstützt, ist also unter großen Mühen entstanden. Auch der Schlitten ist sehr raffiniert aufgebaut und nutzt eine patentierte Technik, um die Rollen in die richtige Position zu bringen. HORNUNG: Was hier eine große Rolle spielt, ist letztlich auch die grundsätzliche Einstellung der Unternehmen: Wollen wir etwas Neues wagen oder bleiben wir beim Alten? Hier punktet Igus mit seinen ausgiebigen Tests. In unserem Testlabor haben wir viele Kilometer zurückgelegt und können jetzt 1.000 Kilometer Strecke garantieren. Das klingt zunächst nach nicht viel, aber übersetzt in Hübe sind das schnell hohe sechsstellige Zahlen. Denn Maschinenhauben bewegen sich zwar oft, aber nicht weit. Das gibt Anwendern Vertrauen in unsere Entwicklung. Für welche Anwendungen ist die Lösung besonders geeignet und wo liegen die Grenzen? HORNUNG: Besonders geeignet ist die Führung überall dort, wo gebogene Verschiebewege gefragt sind. Ganze Marktsegmente verlangen gebogene Führungen, und wir bieten hier alles ab einem Radius von 500 Millimetern an. Bei den Grenzen geht es vor allem ums Gewicht. Die angegebenen 20 Kilogramm gelten LINEARTECHNIK FÜR HYGIENEBEREICHE In hygienekritischen Anwendungen sind Linearführungen gefragt, die hygienegerecht konstruiert sind und sich schnell reinigen lassen. Eine solche Lösung ist eine Linearführung der Serie Drylin W von Igus, die als weltweit erstes Linearsystem eine Zertifizierung der European Hygienic Engineering and Design Group (EHEDG) erhalten hat. Die Führung besteht aus zwei Edelstahlwellen und einem Gleitschlitten aus Hochleistungskunststoff. Der schmierfreie Schlitten lässt sich werkzeuglos von der Schiene abziehen und separat reinigen. Die Reinigung der Schiene erfolgt im eingebauten Zustand ohne Demontage. Die elektropolierten Rundwellen haben eine Oberflächenrauheit von unter 0,8 Mikrometern. Der Schlitten besteht aus dem PTFE-freien und PFAS-geprüften Hochleistungskunststoff Iglidur A160. 12 antriebstechnik 2026/06 www.antriebstechnik.de

TITEL LINEARTECHNIK 03 04 03 Stefan Niermann zeigt Chefredakteur Miles Meier, wie einfach der Schlitten der Rollenführungen justiert wird 04 Michael Hornung: „Berechenbarkeit ist eine gefragte Eigenschaft“ für stehende Lasten und haben auf jeden Fall eine Sicherheitsmarge. Bei bewegten Lasten könnte man durchaus höher gehen, aber das Abplatten der Rollen ist eine Gefahr, die man im Blick behalten muss. Wichtig ist: Die Lastangabe gilt für den statischen Zustand, und zwar in jeder Lage - ob kopfüber, mit den Rollen nach unten oder, was eigentlich als optimal gilt, mit den Rollen seitlich. Deshalb haben wir teils recht große Sicherheitsreserven eingeplant. Gibt es noch andere Vorteile in anschaulichen Anwendungen? NIERMANN: Ein sehr schönes Praxisbeispiel kommt aus dem Bereich Rechenzentren. Dort entsteht gerade eine echte Nachfrage nach Lineartechnik und Rollenlagern. Ein Kunde hat die spezielle Anforderung, dass die Stacks mit den Rechnereinheiten eigentlich immer an derselben Stelle stehen und nur im Notfall, etwa bei einem Brand, bewegt werden müssen. Das bedeutet: sehr lange Stillstandszeiten, aber im entscheidenden Moment muss die Technik absolut zuverlässig funktionieren. Genau dafür sind unsere Rollenlager hervorragend geeignet, denn sie verzichten auf Schmierung, die ihre Eigenschaften durch Stillstand und Alterung verliert. Dieses Anforderungsprofil begegnet uns mittlerweile in vielen Bereichen: Komponenten werden über Jahre kaum bewegt, müssen dann aber auf Anhieb zuverlässig funktionieren. Hinzu kommt: Unsere Kunden kennen uns und die Vorteile unserer Produkte. Die Anfragen aus dem Markt sind zahlreich, teilweise werden wir seit Jahren nach Rollenlagern gefragt. Das macht übrigens auch die Arbeit für den Außendienst leicht. Der kommt zum Kunden und sagt einfach: „Jetzt haben wir es!“ Wie geht es mit der Rollenführung weiter? Gibt es Pläne? HORNUNG: Für die Zukunft denken wir natürlich über größere Varianten bei den Rollenlagern nach. Auch Antriebe sind bereits im Gespräch. Wichtig ist uns dabei, dass die Berechenbarkeit erhalten bleibt: Im Online-Konfigurator laufen die Rollenlager einfach unter Lineartechnik, obwohl im Hintergrund ein komplett neu programmierter Konfigurator arbeitet. So kann man die Eigenschaften von Gleit- und Rollenlagern direkt vergleichen und erhält auch bei den Rollenlagern die gewohnt genauen Angaben zu Lebensdauer und Co. Das ist eben unser Anspruch: Berechenbarkeit und Variantenvielfalt, auch bei den Rollen. Sie haben die erste Linearführung mit EHEDG-Zertifikat vorgestellt. Welche Anforderungen stellen Hygienestandards an die Lineartechnik, und was bedeutet die Zertifizierung für Anwender? NIERMANN: Bei den Hygieneprodukten haben uns die Gesetze und Regularien sehr stark beeinflusst - die Normen sind da ziemlich genau und penibel. Wir haben rund ein Jahr getüftelt, bis wir auf den abnehmbaren Schlitten kamen. Das bringt in der Praxis enorm viel: In einer Fischfabrik zum Beispiel hat man dann eine Art Magazin mit frischen Schlitten. Die können in kürzester Zeit getauscht werden. Die benutzten Schlitten werden gereinigt und stehen dann wieder zur Verfügung. Ein weiteres Problem war die Verbindung der Edelstahlwellen. Schweißnähte oder Stoßstellen sind immer ein Nest für Mikroben. Unsere Lösung war denkbar einfach: Wir haben schlicht eine Lücke gelassen, das ist für gleitende Lager kein Problem. Sie sprachen vorhin über die Integration von Antrieben in die Rollenlager. Warum ist die Integration von Motoren in Linearsysteme heute so wichtig? NIERMANN: Antriebe werden in der Lineartechnik generell immer bedeutsamer, und darauf reagiert Igus natürlich. Zum Beispiel sind die Zugangstüren an den Selbstzahlerkassen im Supermarkt ein Wachstumsmarkt für angetriebene Linearachsen. Überall dort, wo Komfort und Barrierefreiheit gefragt sind, steckt am Ende oft eine angetriebene Linearachse. Herr Niermann, Herr Hornung, wir bedanken uns für das informative Gespräch. Bilder: igus, vfv www.igus.de www.antriebstechnik.de antriebstechnik 2026/06 13