Aufrufe
vor 3 Monaten

antriebstechnik 5/2026

antriebstechnik 5/2026

STANDPUNKT KOOPERATION

STANDPUNKT KOOPERATION DER WEG ZUM OPEN CHAMPION Der deutsche Mittelstand definiert sich seit Jahrzehnten über technische Exzellenz, hohe Fertigungstiefe und den Anspruch, möglichst alles selbst zu entwickeln. Doch im globalen Wettbewerb reicht Produktperfektion allein nicht mehr aus. Kooperationen werden wichtiger, meint Andreas Schiemann, CEO der Marantec Group. Viele Unternehmen arbeiten heute noch nach dem Prinzip: Jede Komponente, jede Plattform und jede Softwarelösung muss aus dem eigenen Haus kommen. Genau darin liegt jedoch ein wachsendes Problem. Wenn mehrere Mittelständler parallel nahezu identische Gehäuse, Steuerungen oder Standardkomponenten entwickeln, entstehen enorme Doppelstrukturen - bei Engineering, Werkzeugkosten, Einkauf und Produktion. Wertvolle Ressourcen fließen in Bereiche, die kaum noch echte Differenzierung schaffen. „Wer Stärken teilt, wird stärker.“ Dieser Gedanke markiert einen grundlegenden Perspektivwechsel. Entscheidend ist heute nicht mehr, wer jede Schraube selbst konstruiert, sondern wer Innovationen schneller zur Marktreife bringt, Ressourcen intelligent nutzt und Kunden neuen Mehrwert bietet. Der Wettbewerb findet längst nicht mehr allein auf Ebene der Standardkomponenten statt. Er entscheidet sich bei Geschwindigkeit, Service, Software, Daten und Anwendungskompetenz. Deshalb braucht der Mittelstand ein neues Denken: den Schritt vom Hidden Champion zum Open Champion. Gemeint ist damit keine naive Offenheit und auch kein Ausverkauf von Knowhow. Es geht vielmehr um die strategische Entscheidung, Standards dort gemeinsam zu nutzen, wo sie keinen individuellen Wettbewerbsvorteil schaffen. Warum sollten mehrere Unternehmen identische Hardware-Basen, Netzteile oder IoT- Infrastrukturen parallel entwickeln, wenn genau diese Ressourcen an anderer Stelle dringend gebraucht werden? Wer Commodity-Komponenten intelligent teilt, schafft Skaleneffekte, die bislang fast ausschließlich Großkonzernen vorbehalten waren. Einkaufsvolumina steigen, Entwicklungszeiten sinken und Produktionskapazitäten werden effizienter genutzt. Gleichzeitig gewinnen Unternehmen Freiräume, um sich auf ihre eigentlichen Stärken zu konzentrieren: kundenspezifische Lösungen, Algorithmen, Servicekonzepte oder digitale Geschäftsmodelle. Gerade im Maschinen- und Anlagenbau wird dieser Wandel immer wichtiger. Kunden erwarten heute nicht mehr nur ein zuverlässiges Produkt, sondern flexible Gesamtlösungen, schnelle Verfügbarkeit und digitale Services. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Resilienz und Lieferfähigkeit. Ein verfügbarer und verlässlicher Antrieb aus Europa kann inzwischen wichtiger sein als der letzte Prozentpunkt Kostenoptimierung. Kooperation ist dabei kein Kuschelkurs. Sie bedeutet harte operative Arbeit. Unternehmen müssen klar definieren, welche Bereiche standardisiert werden können und wo die eigene Identität und Innovationskraft liegen. Commodity und geistiges Eigentum müssen sauber voneinander getrennt werden. Genau darin liegt die eigentliche Managementaufgabe der kommenden Jahre. Wer jedoch weiterhin versucht, jede WER HEUTE NOCH ALLES SELBST ENTWICKELT, VERLIERT WERT- VOLLE ZEIT Andreas Schiemann, CEO Marantec Group Basistechnologie allein zu entwickeln, wird im internationalen Wettbewerb zunehmend an Geschwindigkeit verlieren. Am längeren Hebel sitzt nicht mehr, wer alles selbst macht, sondern wer die richtigen Partnerschaften aufbaut und vorhandene Kompetenzen intelligent vernetzt. Deutschland und Europa verfügen über enormes industrielles Know-how, starke Mittelständler und hochspezialisierte Technologien. Doch diese Stärke entfaltet ihr volles Potenzial erst dann, wenn Unternehmen lernen, ausgewählte Ressourcen, Plattformen und Standards gemeinsam zu nutzen. Nicht Abschottung wird über die Zukunft des Industriestandorts entscheiden, sondern intelligente Kooperation. Der Hidden Champion war das Erfolgsmodell der vergangenen Jahrzehnte. Die Zukunft gehört dem Open Champion. www.marantec.com 6 antriebstechnik 2026/05 www.antriebstechnik.de

SOFTSTARTER NEUER CEO ELECTRICAL PRODUCTS BEI SIEMENS Siemens hat Markus Grabmeier mit Wirkung zum 1. Juni 2026 zum neuen Chief Executive Officer (CEO) der Business Unit Electrical Products (EP) bei Smart Infrastructure ernannt. Er tritt die Nachfolge von Andreas Matthé an, der bis zu seinem Ruhestand Ende September 2026 in beratender Funktion zur Verfügung stehen wird. Markus Grabmeier blickt auf eine langjährige Karriere in der Elektrotechnikindustrie zurück. Zuletzt war er Mitglied des Executive Management Committee von Alfanar mit Sitz in Riad, Saudi-Arabien. Zuvor war er nahezu 14 Jahre lang in einer Reihe von Positionen bei Siemens tätig. Seine Laufbahn dort begann im Management Consulting. Danach übernahm er Aufgaben mit zunehmender Verantwortung in den Geschäftsbereichen Low Voltage und Electrical Products. Von 2020 bis 2023 war Grabmeier als Executive Vice President bei Siemens Electrical Products in Shanghai verantwortlich für China und Ostasien. Mit rund 26.000 Mitarbeitenden und 25 Produktionsstandorten weltweit ist der Geschäftsbereich EP ein globaler Anbieter von Niederspannungsprodukten und Softwaretools für die intelligente, sichere und effiziente elektrische Energieverteilung sowie zum Schalten, Schützen, Messen und Überwachen von Niederspannungsstromversorgungssystemen. www.siemens.com LENORD+BAUER GRÜNDET TOCHTER- GESELLSCHAFT IN SPANIEN Lenord+Bauer ist nun auch in Spanien mit einer eigenen Tochtergesellschaft vertreten und baut damit seine internationale Präsenz weiter aus. Nach dem Aufbau von Standorten in China, Italien, Indien und den USA stärkt der Spezialist für Einbausensorik und integrierte Antriebstechnik den direkten Kontakt zu Kunden auf der iberischen Halbinsel. David Vaquero, der die Rolle des Country Managers übernimmt, bringt nicht nur Erfahrung in der Schienenfahrzeugtechnik mit, sondern verfügt auch über umfangreiche Kenntnisse aus unterschiedlichen Branchen wie der Energieversorgung und dem Anlagenbau. Zuvor war er unter anderem für die Unternehmen Schaltbau und Telergon tätig. Seinen künftigen Aufgabenschwerpunkt sieht er in der technischen Betreuung der Kunden sowie im Aufbau eines Vertriebsnetzwerks zur Neukundengewinnung: „Ich freue mich sehr darauf, die innovativen Lösungen von Lenord+Bauer im aufstrebenden spanischen und portugiesischen Markt noch bekannter zu machen und gleichzeitig eine enge lokale Kundenbetreuung sicherzustellen.“ www.lenord.de BDG ÜBERNIMMT EP EHRLER VON ABB Die BDG Testing & Automation GmbH (BDG) aus Künzelsau- Amrichshausen, eine hundertprozentige Tochter der Bürkert-Gruppe, Ingelfingen, übernimmt die EP Ehrler Prüftechnik Engineering GmbH aus Niederstetten von ABB. Mit der Übernahme erweitert BDG ihr Leistungsportfolio gezielt um Kompetenzen in der Prüf-, Mess- und Kalibriertechnik. Gleichzeitig stärkt die Transaktion die technologische Aufstellung der Bürkert-Gruppe als Ganzes und schafft die Basis, Kunden künftig noch umfassender mit integrierten Lösungen und Services zu unterstützen. „Mit der Übernahme von EP Ehrler erweitern wir gezielt unser Leistungsportfolio. Für unsere Kunden bedeutet das mehr messtechnische Tiefe, eine noch engere Verzahnung von Prüf- und Automatisierungskompetenz und ein erweitertes Serviceangebot aus einer Hand“, sagt Jürgen Lorenz, CEO der BDG Testing & Automation GmbH. „Wir führen komplementäre Stärken zusammen und schaffen damit Mehrwert - von der Entwicklung über die Produktion bis in den Betrieb.“ www.burkert.com Neue Funktion: Kennfelder Wirkungsgradkennfelder. Last- und Parametervariation. Leistungsoptimierung. Erfahren Sie mehr © Gleason Corporation. All rights reserved. www.antriebstechnik.de antriebstechnik 2026/05 7