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antriebstechnik 5/2026

antriebstechnik 5/2026

SPECIAL: PRÜFSTÄNDE

SPECIAL: PRÜFSTÄNDE BAUREIHE FÜR HOHE DREHZAHLEN GEHÄUSEFREILÄUFE IN HIGH-SPEED-ANWENDUNGEN Mit der neuen Baureihe FHHS erweitert Ringspann seine Palette an Gehäusefreiläufen um eine weitere Lösung zur Umsetzung von Überholfunktionen in stationären Mehrmotorenantrieben und Turbinen. Technologische Voraussetzung für die Realisierung der High-Speed-Baureihe waren die Entwicklung und Inbetriebnahme eines bis dato einmaligen Freilauf-Prüfstands im Bad Homburger Stammwerk von Ringspann. Sie kommen ohne Schalteinrichtung aus, übertragen Nenndrehmomente von 1.356 Nm bis 24.405 Nm, arbeiten verschleißfrei und übernehmen im Hochgeschwindigkeitsbetrieb das bedarfsgerechte Ein- und Auskuppeln verschiedener Motoren desselben Antriebsstranges: Mit den Gehäusefreiläufen seiner neuen Baureihe FHHS bietet Ringspann Konstrukteuren von Antriebssystemen für Anlagen der Raffinerietechnik, der chemischen Verfahrenstechnik oder der Erdgasund Erdöl-Industrie eine innovative Kupplungslösung zur Reali- sierung flexibel schaltbarer und energieeffizienter Mehrmotorenantriebe. Es handelt sich hier um vollständig gekapselte Überholfreiläufe mit An- und Abtriebswelle, die zum stationären Einbau vorgesehen sind und mit bis zu 12.000 U/min gefahren werden können. Dabei dürfen die Drehzahlen im Leerlauf- und Mitnahmebetrieb auf gleichem oder ähnlichem Niveau liegen. HIGH-SPEED-KOMPETENZ MIT HYDRODYNAMIK Konstruktiver Schlüsselfaktor für die High-Speed-Kompetenz der neuen FHHS-Gehäusefreiläufe ist der Einsatz der hydrodynamischen Klemmrollenabhebung. Hierbei wird die Abhebekraft durch einen im Lager des Freilaufs geführten Ölstrahl erzeugt, was sowohl hohe Drehzahlen als auch einen verschleißfreien Leerlaufbetrieb erlaubt. Thomas Heubach, Leiter der Freilauf- Sparte von Ringspann, erläutert hierzu: „Entscheidend für die Wirkung der hydrodynamischen Abhebung der Klemmrollen ist die relative Drehzahl zwischen Innen- und Außenring. Verringert sie sich, reduziert sich auch die Abhebekraft. Schon vor Erreichen des Synchronlaufs legen sich die in einem Käfig geführten Klemmrollen über die zentrale Anfederung an der Außenringlaufbahn des Freilaufs an und sind sperrbereit. Das stellt die sofortige Lastübernahme bei Erreichen der Synchrondrehzahl sicher.“ Gehäusefreiläufe mit hydrodynamischer Klemmrollenabhebung sind immer dann eine Ideallösung, wenn ein Aggregat wahlweise von zwei oder mehreren Motoren oder Turbinen mit gleicher oder ähnlich hoher Drehzahl angetrieben wird. Der An- Michael Stöcker, freier Fachjounalist, Darmstadt 38 antriebstechnik 2026/05 www.antriebstechnik.de

SPECIAL: PRÜFSTÄNDE lagenbetreiber profitiert dadurch gleich dreifach: Erstens kann er ohne aufwändige Steuerungstechnik einzelne Aggregate des Antriebsstranges bedarfsorientiert ein- oder auskuppeln. Zweitens ermöglicht es ihm selbst bei Ausfall einer Energiequelle oder eines Antriebsaggregats eine unterbrechungsfreie Prozessführung. Und drittens erschließt er sich dadurch - insbesondere im Teillastbetrieb - signifikante Energieeinsparungen. DER WELTWEIT ERSTE Um den sicheren Nachweis dafür erbringen zu können, dass die neuen FHHS-Gehäusefreiläufe sich als Überholfreiläufe für hohe Drehzahlen eignen, entwickelte Ringspann eigens dafür einen neuen Prüf- und Teststand. Er wurde vor wenigen Wochen im Bad Homburger Stammwerk des Unternehmens in Betrieb genommen und dürfte der modernste Prüfstand für Gehäusefreiläufe sein, der aktuell auf dem Weltmarkt zu finden ist. „Erstmals können wir hier Drehzahlen von bis zu 12.000 U/min erzeugen und die Leistungsfähigkeit unserer Gehäusefreiläufe validieren sowie dokumentieren. Derzeit ist das in diesem Segment einzigartig“, berichtet Thomas Heubach. Für die Anlagenbauer und die Konstrukteure der Antriebssysteme bedeutet das auch, dass sie die Mess- und Prüfergebnisse von Ringspann in ihre eigene Qualitätssicherung miteinfließen lassen können. Feststellbremse Abtriebswelle Kontaktlose Dichtung Betätigung der Feststellbremse Käfig 01 Hydrodynamische Lager 02 Antriebswelle KOMPLETTIERUNG UND ANBINDUNG Mit der neuen Baureihe FHHS unterstreicht Ringspann einmal mehr seine Markt- und Technologieführerschaft auf dem Gebiet der Freilauftechnik. Das Unternehmen bietet nun über die Standard-Gehäusefreiläufe der FH-Serie und die mechanisch trennbaren Gehäusefreiläufe der Baureihe FHD - sie verfügen über eine OSHA-konforme Lockout- Tagout-Sicherheitsfunktion - eine dritte Alternative für High- Speed-Anwendungen mit kundenseitiger Ölversorgung. Mit der Inbetriebnahme des neuen Prüfstands erfährt das gesamte Gehäusefreilauf-Programm von Ringspann zudem einen deutlichen Innovationsschub, denn hier kann die Leistungsfähigkeit der Modelle aller Baureihen unter Praxisbedingungen nachgewiesen und verifiziert werden. Die Entwicklungsingenieure von Ringspann dürften hieraus wichtige Impulse für ihre Arbeit beziehen. Im Rahmen seines One-Stop-Shop-Angebots stellt Ringspann seinen Kunden eine große Auswahl an verschiedenen Wellenverbindungen zur Verfügung, die abgestimmt sind auf die konstruktive Anbindung der An- und Abtriebswellen der Gehäusefreiläufe. Darunter beispielsweise die neuesten Klauen-, Lamellen- oder Bolzenkupplungen des Unternehmens. Der Konstrukteur eines Mehrmotorenantriebs erhält also die Wellenverbindungen aus der gleichen Quelle wie die Gehäusefreiläufe und kann sicher sein, dass alle Komponenten exakt zueinander passen. Eine kabelgebundene Sensorüberwachung der Lagertemperaturen bringt der FHHS bereits serienmäßig mit. Optional lassen sich auch die neuen Gehäusefreiläufe mit den Sensor- und Telematik-Modulen des Condition-Monitoring- Systems von Ringspann ausstatten. Diese Lösung beinhaltet die Datenanalyse, die Fernwartung sowie die Integration in übergeordnete Leitsysteme. Auf diese Weise können die Betreiber und Instandhalter komplexer Antriebssysteme alle relevanten Leistungs- und MRO-Parameter der verbauten Freiläufe in Echtzeit überwachen. Bilder: Ringspann www.ringspann.com Hydrodynamische Lager Kontaktlose Dichtung 01 In Pumpenanlagen ermöglicht der FHHS-Gehäusefreilauf das bedarfsgerechte Ein- und Auskuppeln von Startermotoren DIE IDEE 02 Schlüsselfaktor der FHHS-Gehäusefreiläufe ist die hydrodynamische Klemmrollenabhebung „Auf unserem neuen Prüfstand können wir erstmals Drehzahlen von bis zu 12.000 U/min erzeugen und auch die Leistungsfähigkeit unserer neuen FHHS-Gehäusefreiläufe validieren und dokumentieren. Derzeit ist das vermutlich einzigartig.“ Thomas Heubach, Leiter Freilaufsparte bei Ringspann, Bad Homburg www.antriebstechnik.de antriebstechnik 2026/05 39