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antriebstechnik 5/2020

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antriebstechnik 5/2020

SPECIAL:

SPECIAL: ANTRIEBSKOMPONENTEN FÜR VERPACKUNGSMASCHINEN LINEAREINHEITEN GEMÜSE VERPACKEN OHNE KUNSTSTOFF Die Idee trifft den Nerv der Zeit: Einem Ingenieurbüro ist es gelungen, eine Maschine für die Verpackung von Obst und Gemüse ohne Folie zu entwickeln – mit freier Sicht aufs Produkt. Die erste Anlage dieser Art kommt bei einem Gemüseerzeuger auf der Bodenseeinsel Reichenau zum Einsatz. Mit dabei: Gleitlager und Linearsysteme aus dem Igus-Konstruktionsbaukasten. Lars Braun ist Leiter Branchenmanagement Verpackungstechnik bei der Igus GmbH in Köln 36 antriebstechnik 2020/05 www.antriebstechnik.de

01 02 01 Die vielfältigen Möglichkeiten der Formatverstellung schaffen eine wichtige Voraussetzung für den flexiblen Einsatz der Anlage 02 Für die Formatverstellung an diversen Achsen sorgen schmiermittelfreie Lineareinheiten Beim Verbrauch von Kunststoff-Verpackungsmüll steht Deutschland leider mit an der Spitze in Europa: 3,1 Mio. Tonnen sind es pro Jahr – eindeutig zu viel. Aber es gibt engagierte Initiativen und Projekte, die zum Ziel haben, diese Menge zu verringern. Bei Frischeprodukten wie Obst und Gemüse scheint das besonders sinnvoll, aber auch besonders schwierig. Wie soll man z. B. Äpfel oder Tomaten so verpacken, dass erstens keine Folie zum Einsatz kommt, zweitens die Produkte gut geschützt werden und drittens der Verbraucher auch gute Sicht auf die Frischeprodukte hat, die er kaufen möchte? Die Erzeugerorganisation Reichenau-Gemüse hat eine ebenso innovative wie praxisgerechte Antwort auf diese Frage gefunden. Sie wird künftig ihre Tomaten und Äpfel in Pappschalen ohne Folie und damit ohne jeglichen Kunststoff verpacken. Ein S-förmiger Sichtschlitz erlaubt den freien Blick aufs Produkt. GEMÜSE VERPACKEN OHNE FOLIE Möglich wird diese Innovation durch die beharrliche Entwicklungsarbeit von Dipl.-Ing. Michael Baur. Er entspricht genau dem Bild des erfolgreichen schwäbischen Tüftlers. Sein Unternehmen in Gammertingen am Südrand der Schwäbischen Alb ist als Entwicklungsdienstleister für den Sondermaschinenbau aktiv und bringt hier mehr als 30 Jahre branchenübergreifende Erfahrung mit – von der Medizintechnik über den Werkzeugbau und die Automobil- bis hin zur Verpackungsindustrie. Dabei kommen häufig Robotik und automatische Identifizierungstechnik zur Anwendung, um die Maschinen kompakt und funktionell, schlank und effizient zu gestalten. Dieses Ziel wurde auch bei einem aktuellen und höchst innovativen Projekt erreicht: bei der erwähnten Verpackungsmaschine. Startpunkt der Entwicklung war der Wunsch eines Herstellers von Wellpappe, auf das übliche Flowpacken und damit auf den Einsatz von Kunststofffolie zu verzichten. Das Unternehmen startete eine Ausschreibung für einen Ideenwettbewerb, die Michael Baur für sich entscheiden konnte. KLEBEN OHNE GEGENHALTEN UND OHNE DRUCK AUFS PRODUKT Im nächsten Schritt bauten Michael Baur und sein Team einen Prototypen der frisch konstruierten Maschine: „Das geht bei uns sehr schnell.“ Zu den besonderen Herausforderungen gehörte es dabei, die bedruckte Verpackung nach dem manuellen Befüllen mit Strauchtomaten auf der Oberseite zu verkleben: „Die Verklebung muss haltbar sein. Beim Klebevorgang kann man aber nicht gegenhalten und darf natürlich auch keinen Druck auf die empfindlichen Tomaten ausüben.“ Durch eine intelligente Detailkonstruktion konnte diese Aufgabe gelöst werden. Die Klebepunkte werden mit einer Heißleimstation aufgebracht, es sind aber ebenso andere Verfahren wie z. B. Versiegelung denkbar. Auch eine Station zum Drucken und Aufbringen der Etiketten ist in die Anlage integriert. SCHMIERMITTELFREIE FORMAT-VERSTELLUNGEN Bei der Entwicklung des Prototypens hat Michael Baur größten Wert auf Flexibilität und einfache Bedienung gelegt. Das ist schon auf den ersten Blick an den zahlreichen halb automatischen Format-Verstellungen erkennbar. Hier verwendet Baur die schmiermittelfreien Drylin-SLW-Linearmodule aus dem Igus- Konstruktionsbaukasten. Bei ihnen ist ein verwindungssteifes Aluminium-Doppelwellenprofil mit einem Trapezgewinde kombiniert. Der Schlitten verfährt auf Drylin-Gleitfolien mit inkorporierter Schmierung – eine in der Lebensmittelverarbeitung und -verpackung weitverbreitete Lösung, weil keine externe Schmierung erforderlich ist und somit die Produktkontamination vermieden wird. Baur verwendet Lineareinheiten vom Typ Drylin SLW 1040 in verschiedenen Längen mit Handrad, Positionsanzeige und Spindelklemmung. Sie ermöglichen es dem Bedienpersonal, die Verpackungsanlage schnell auf andere Packungsgrößen und -formate umzustellen. www.antriebstechnik.de antriebstechnik 2020/05 37

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