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antriebstechnik 5/2018

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VERNETZTE

VERNETZTE ANTRIEBSTECHNIK I SPECIAL Wie die fleißigen Bienen Vernetzte Antriebstechnik – dezentral und zentral Die fleißigen Bienen machen es vor: Jede für sich führt autonom kleine Aufgaben aus, durch geschickte und schlanke Kommunikation gelingt es ihnen, sich zu organisieren. Ist diese dezentrale Intelligenz das Vorbild für die vernetzte Antriebstechnik oder eher das zentrale Nervensystem von uns Lebewesen, in dem alle Informationen an einem Punkt zusammenlaufen, verarbeitet werden und Aktionen auslösen? Wir versuchen, diese Frage aus der Sicht eines Antriebstechnik-Herstellers zu beleuchten. Michael Burgert ist Product Manager bei der Dunkermotoren GmbH in Bonndorf Für den Antrieb scheint es auf den ersten Blick eine klare Sache zu sein: Ein Servoantrieb führt nur Befehle aus. Er dreht mit vorgegebenen Drehzahlen, hält vorgegebene Drehmomente ein und positioniert nach Vorgabe. Die übergeordnete Steuerung als zentrales Nervensystem kümmert sich um alles. Störgrößen werden von der zentralen Steuerung erkannt und kompensiert. Viele aktuelle, vernetzte Systeme, z. B. Produktionsanlagen, funktionieren nach diesem Prinzip des zentralen Systems. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Programmierung erfolgt zentral und die Fehler suche findet ebenfalls an einer Stelle statt. Auch wenn eine übergeordnete Instanz, z. B. ein ERP- System, Daten aus der aktuellen Produktion benötigt oder Informationen übermitteln muss, gibt es eine zentrale Stelle, mit welcher Informationen ausgetauscht werden. Übertragen auf das zentrale Nervensystem eines Lebewesens, z. B. einer Maus, bedeutet das: Die Organe werden zentral gesteuert, Muskeln für die Bewegung aktiviert, die Umwelt über Sensoren wie Augen, Ohren und Haut überwacht. Das Gehirn kümmert sich um untergeordnete Dinge wie das Atmen und den Herzschlag, aber auch um komplexe Dinge wie die Flucht vor einem Feind. Ein Bienenstock würde nach diesem Prinzip nicht funktionieren. Hunderte einzelner Entscheidungen, z. B. „soll ich zur roten oder zur gelben Blumenwiese fliegen?“ oder „schaffen wir 20 Bienen es, diese Hornisse zu vertreiben“ müssten von einem abgelegenen zentralen Gehirn getroffen werden. Dafür wären aber die Informations wege zu lang und die Aufgabe zu komplex, um sie mit den einfachen Kommunikationsmitteln der Bienen zu übertragen. Ist damit schon das Kriterium gefunden, welches darüber entscheidet, ob ein dezentrales oder ein zentrales System das bessere ist. Somit würde gelten: Stationäre Systeme – zentral; bewegliche Systeme – dezentral? Hier lohnt es sich, tiefer einzutauchen. Hätten die einzelnen Bienen eine 5G-Mobilverbindung zu einem zentralen „Gehirn“, könnten sie Entscheidungen abgeben und benötigten weniger Intelligenz. Umgekehrt, hätten Herz, Magen, Lunge und Muskeln einer Maus eine eigene Intelligenz, könnte das zentrale Nervensystem von einfachen Aufgaben entlastet werden und sich gegebenenfalls besser auf komplexe Aufgaben wie die Nahrungssuche konzentrieren. In der Natur wie in der Antriebstechnik gilt: Durch eine effektive Kommunikation zwischen zentraler Intelligenz und den Komponenten benötigen diese Komponenten weniger Intelligenz. Sind die Komponenten aber intelligent, kann die Kommunikation umso einfacher ausfallen und die zentrale Intelligenz wird entlastet oder kann komplett entfallen. Zentrale Intelligenz Dezentrale Intelligenz 52 antriebstechnik 5/2018

SPECIAL I VERNETZTE ANTRIEBSTECHNIK Wenn man sich auf dem Antriebstechnik- Markt umsieht, wird man feststellen, dass man die Wahl hat. Es gibt leistungsstarke zentrale Systeme mit effektiver Kommunikation zu den Antriebskomponenten. Andererseits sind aber auch intelligente und leistungsfähige dezentrale Antriebssysteme verfügbar. Beide Lösungen können komfortabel eingerichtet und in Betrieb genommen werden. Bei der Entscheidung, zentral oder dezentral spielen u. a. die folgenden Kriterien eine Rolle. Komplexität der Aufgabe Niedrige Kosten für Prozessorleistung machen auch einfache dezentrale Antriebssysteme inzwischen so intelligent, dass sie eine Vielzahl wenig bis mittel komplexen Aufgaben ohne übergeordnete Steuerung ausführen können. Sie lesen analoge und digitale Daten von Sensoren ein und kommunizieren untereinander. Aufgaben werden unter den Antrieben aufgeteilt und Einstellungen über ein Mensch-Maschine- Interface (MMI) vorgenommen. Viele Verpackungsmaschinen, Prüfgeräte und Sondermaschinen arbeiten inzwischen komplett ohne übergeordnete Steuerung. Jede Komponente der Anlage überwacht sich selbst. Die Kommunikation kann somit auf ein Mindestmaß reduziert werden. Kostengünstige klassische Feldbusse genügen völlig für die Kommunikation untereinander. Bei komplexeren Aufgaben, z. B. wenn viele Maschinenteile miteinander vernetzt werden und hohe Anforderungen an Synchronität gegeben sind, lohnt sich meist die Investi tion in eine zentrale Maschinensteuerung. Aber auch in diesem Fall kann es Sinn machen, dezentrale Komponenten für autonom ablaufende Prozesse einzubinden. Beispielsweise kann in einer Solarthermie- Anlage das permanente Ausrichten der einzelnen Spiegel komplett dezentral erfolgen. Was wurde bisher eingesetzt? Oft sind es pragmatische Gründe, die entscheiden, warum eine Anlage zentral oder dezentral ausgelegt wird. Man kennt ein System, orientiert sich an dessen Design und legt das neue System ähnlich aus. Verständlicherweise möchte sich ein Ingenieur nicht für jedes neue Maschinenkonzept mit neuen Kommunikationsarten und System-Architekturen auseinandersetzen. Gerade in Zeiten voller Auftragsbücher wird der Fokus eher auf eine schnelle Umsetzung, als auf die optimale Lösung gelenkt. Das ist nachvollziehbar. Dennoch kann es sich lohnen, denn die Gesamtkosten des Systems sind nicht immer sofort offensichtlich. 01 Zentrale Intelligenz Die zentrale Architektur stellt hohe Anforderungen an die Kommunikation Anforderungen Kommunikation *Kann ggf. komplett entfallen Die Systemkosten Dezentrale Intelligenz Die Systemkosten sind deshalb so schwer zu ermitteln, weil einige Kosten versteckt sind oder kostengünstige Lösungen hohe Folgekosten mit sich bringen können. Hier zwei weniger offensichtliche, aber dennoch relevante Kostenfaktoren: Schaltschrank: Welcher Platz wird im Schaltschrank benötigt und wie groß muss dieser dimensioniert werden? Hier kann TOP TECHNOLOGY MADE IN GERMANY HIGH SPEED DRIVES Frequenzumrichter für Hochgeschwindigkeitsanwendungen bis 432 kVA bzw. Drehzahlen bis 480.000 1/min WWW.SIEB-MEYER.DE DU_sum_anz_highspeed_SD2S_185x90_antriestechnik3.indd Sieb+Meyer.indd 1 1 10.04.2018 26.01.18 13:12:37 12:37 antriebstechnik 5/2018 53

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