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antriebstechnik 5/2017

antriebstechnik 5/2017

IT2DRIVES I SPECIAL

IT2DRIVES I SPECIAL Effizienz per App Wie Apps Funktionalität und Flexibilität in der Antriebstechnik bieten Vernetzung in höchster Evolutionsstufe, das ist Industrie 4.0. Aber was bedeutet dieser Megatrend für Maschinenbau, Fertigung und Automation? Mit dem Multiservo hat AMK jetzt eine Motion-Control-Plattform entwickelt, die den Weg bereitet für eine noch einfachere Form der Bewegungssteuerung – vor allem durch die komfortable und intuitive Parametrierung mit Apps. Mit dem Multiservo hat AMK eine Plattform entwickelt, die für mehrachsige Motion-Control-Anwendungen konzipiert ist – und zwar hochintegriert auf engstem Raum. Die Reihe vereint als Basisgerät vier Wechselrichter samt Einspeisung in einem kompakten Gehäuse. Darüber hinaus bieten die Mehrachsgeräte neben der integrierten Versorgung auch eine ausgewachsene Bewegungssteuerung. Diese neuartige Kombination ist möglich, weil der Multiservo über reichlich Rechenpower verfügt, der zusätzlich zur reinen Motorregelung auch noch Motion-Control-Funktionen mit über- Jürgen Rapp ist Produktmanager bei AMK Arnold Müller GmbH & Co. KG in Kirchheim/Teck nehmen kann. Indem die Mehrachsgeräte die rechenintensive Interpolation erledigen, kann dieses echtzeitkritische Aufgabenpaket komplett in die Antriebsebene wandern. Die Bewegungsfunktionen hat AMK deshalb in Technologie Apps, als fest definierte Container gegossen. Hierbei deckt das Unternehmen aktuell auf Basis der standardisierten Sprachen der IEC 61131-3 (Codesys) Kurvenscheiben, Handlingsaufgaben, Pick- &-Place-Bewegungen, Querschneider sowie mehrachskoordinierte Achsverbünde (Interpolation) ab. Verschwindet die SPS? Durch variable Feldbusschnittstellen lässt sich der Multiservo auch flexibel mit überlagerten Steuerungen verbinden. Damit verfügt AMK über eine Motion-Control- Lösung, die unabhängig von der Marke der eingesetzten Steuerung arbeitet. Durch die Verwendung von Apps wird die Software eindeutig von der Hardware gelöst. Folglich lässt sie sich mit klar umrissenen Schnittstellen sowohl austauschen, als auch risikolos updaten. Somit verliert die SPS zunehmend ihre Bedeutung als Drehund Angelpunkt der Maschinenautomatisierung. Künftig wird es also möglich sein, gerade für die nicht zeitkritische Ablaufsteuerung, auf Industriehardware zu verzichten und stattdessen Standardgeräte aus dem Konsumbereich zu verwenden. Entscheidend dabei ist die OPC-UA- Schnittstelle: OPC UA stellt als Kommunikationsplattform sicher, dass der Datenaustausch auch zwischen Geräten funktioniert, die auf den ersten Blick so gar keine Gemeinsamkeiten haben. Die intelligenten Teilnehmer von cyberphysischen Systemen schicken ihre Daten direkt an überlagerte Tools. Das OPC-UA-Protokoll bringt dafür von Haus aus auch alle notwendigen Security-Mechanismen für die sichere Kommunikation mit. 54 antriebstechnik 5/2017

SPECIAL I IT2DRIVES 01 Auf dem Weg zu Industrie 4.0: Schritt für Schritt in ein neues Steuerungszeitalter 02 Im Multiservo integrierte Motion Apps werden einfach in die Steuerungsumgebung eingebunden Software immer aktuell Die Technologien werden komplex, die Bedienung intuitiv Dirk Schaar, Chefredakteur Es ist unser Ziel, im Maschinenbau immer komplexere Prozesse zu verwirklichen, um bisher scheinbar unlösbare Aufgaben doch lösen zu können. Dabei darf aber die Bedienung der Maschinen nicht komplizierter werden, denn Zeit für die Einrichtung der Prozesse kostet Geld. Mobile Devices werden in Zukunft daher unsere Industriewelt beherrschen. Dass das heute schon funktioniert, zeigt der Artikel. Software in Container zu bringen und diese über App Stores verfügbar zu machen wird in Zukunft also weiter an Bedeutung gewinnen. Dadurch lassen sich auch die unterschiedlichen Innovationszyklen bei Hardund Software voneinander trennen. Weil die Apps losgelöst sind von ihrer hochspezialisierten Elektronik, braucht bei neuen Entwicklungsstufen niemand mehr auf den anderen zu warten. Damit sind dann Weiterentwicklungen in der Programmierung sofort gewinnbringend für die eigene Maschine nutzbar. Das Risiko, dass etwa ein neues Firmware-Update nicht mehr auf einer älteren Geräteplattform lauffähig ist, gehört damit der Vergangenheit an. Zudem macht es die Anbindung der Steuerungstechnik an App Stores generell leichter, um mit Maschinen in puncto Software immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Dieser Ansatz belegt eindeutig den Trend, dass das Innovationstempo in der Automation und Antriebstechnik weniger von der Hardware, als vielmehr von Kommunikation und Software beschleunigt wird. Egal ob intelligente Antriebsregler mit SPS-Funktionen, streng hierarchische Architekturen mit zentralem Kopf oder auch eine Mischung des Ganzen, die Hardware tritt immer mehr in den Hintergrund. Diese Aussage findet Unterstützung durch immer größere Anwendungsfelder, die auf die Automatisierung einwirken und dabei standardisierte Daten austauschen. Bekannte Beispiele sind Qualitätsmanagement-Werkzeuge, die jeden Fertigungsschritt überwachen, aufzeichnen und auswerten sowie ERP- und MES-Systeme zur Produktionssteuerung. Auch im Bereich Predictive Maintenance eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten: Vom einfachen Monitoring bis hin zu Big-Data-Lösungen. Die Apps bieten eine einfache Anbindung an die IT-Welt – individuell und losgelöst von allen Hardwarezwängen. Mobile Devices bestimmen die Zukunft Die Programmierung der Antriebstechnik und Motion Control durch Apps macht den Anfang. Angesichts der Tatsache, dass Smartphones und Tablets vor allem durch ihre einfache Handhabung bestechen, wird diese Technik auch die Automatisierung in naher Zukunft bestimmen. Erste Demomaschinen liefern bereits vielversprechende Ergebnisse – bringen zeitgleich aber auch neue Herausforderungen mit sich. Automatisierungshersteller sowie der Maschinenund Anlagenbau müssen für diese neue Arbeitsweise neue Kompetenzen aufbauen. www.amk-antriebe.de antriebstechnik 5/2017 55

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