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antriebstechnik 4/2019

antriebstechnik 4/2019

EINE FRAGE NOCH... IST

EINE FRAGE NOCH... IST GLEICHSTROM DIE ZUKUNFT IN DER INDUSTRIE, HERR SIMON? Alles ist auf Wechselstrom ausgerichtet. Warum plötzlich DC? Bei jedem am Umrichter betriebenen Elektromotor muss heute die Wechselspannung (AC) erst in Gleichspannung (DC) und anschließend zurück in AC umgewandelt werden. Das könnten wir einsparen, wenn der Frequenzumrichter mit Gleichspannung direkt versorgt werden würde. Zur Stromerzeugung werden immer mehr PV-Anlagen in lokale Netze integriert. Diese produzieren Gleichspannung und könnten direkt in ein Gleichspannungsnetz einspeisen. Ebenso benötigen LED-Leuchten Gleichspannung und auch alle elektronischen Steuergeräte und Computer. Somit gibt es viele gute Argumente, zukünftig die Fabriknetze mit einer zentralen Gleichspannungsversorgung auszustatten. Netzrückwirkungen könnten erheblich reduziert werden. Welche Chancen ergeben sich dabei für Maschinenbauer? Voraussetzung für die globale Einführung und Akzeptanz ist die Verfügbarkeit von Standard-Komponenten und eine globale Standardisierung. Das Forschungsprojekt DC Industrie ist hierfür der Wegbereiter. Maschinenbauer, die heute schon komplette Produktionslinien liefern, können in diesen auch schon ein Gleichspannungsnetz aufbauen. Besonders wenn sehr viele Antriebe mit elektronischer Drehzahlsteuerung ausgestattet werden müssen, bietet dies erhebliche Kostenreduktionsmöglichkeiten. Welche Auswirkungen hat das auf die Antriebstechnik? Der Frequenzumrichter wird kompakter und kostengünstiger. Damit sind die Voraussetzungen einer einfacheren und ökonomischeren Integration eines Umrichters in den Elektromotor geschaffen. Ich erwarte, dass es dadurch mehr Elektronikmotoren mit integrierter elektronischer Drehzahlverstellung geben wird und dass die Akzeptanz der drehzahlveränderbaren Antriebe zunehmen wird. Er ist Geschäftsführer beim Esslinger Getriebemotoren-Hersteller Bauer Gear Motor. Ein Gespräch mit Karl-Peter Simon über die Vorteile von Gleichspannung gegenüber Wechselspannung im industriellen Umfeld. Sehen Sie DC also als zukünftige Schlüsseltechnologie? Ja, denn durch die Einführung eines zentralen DC-Netzes soll die Voraussetzung geschaffen werden, Energieeffizienz – unter Berücksichtigung optimierter Systemkosten – signifikant weiter zu erhöhen. Wann könnte ein Umdenken stattfinden? Wenn die ersten Unternehmen beginnen, diese Technologie in neuen Produktionsanlagen einzuführen. Es ist anzunehmen, dass die Autoindustrie eine Führungsrolle in der Einführung von DC- Netzen übernehmen wird. 154 antriebstechnik 2019/04 www.antriebstechnik.de

KEIN FORTSCHRITT OHNE ANTRIEB. DIE antriebstechnik ÜBERZEUGT ALS PLATTFORM UND IMPULSGEBER FÜR DIE GEMEINSAME ARBEIT AN EFFIZIENTEREN UND RESSOURCENSCHONENDEREN ANTRIEBEN FÜR DIE PRODUKTION UND MOBILITÄT FÜR MORGEN. Dr. Arbogast Grunau, Principal Expert Bearings bei Schaeffler WISSEN SCHAFFT IDEEN