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antriebstechnik 4/2017

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Moderne Kunst mal anders

Moderne Kunst mal anders Automatisierungskonzept ermöglicht schnellere Szenenwechsel im polnischen Theaterhaus Was wäre der Mensch ohne das Theater? Ohne Kunst, ohne Schauspieler, ohne Vorführungen? Kunst ist Balsam für die Seele. Mit Kunst können wir die Grenzen der Zeit überschreiten – ob in Opern, Operetten, im Schauspiel oder Ballett. Doch was wäre modernes Theater ohne Automatisierung? Und welche Rolle spielt Mitsubishi Electric dabei? Kamil Dudek ist Senior Marketing Specialist bei Mitsubishi Electric in Polen 52 antriebstechnik 4/2017

STEUERN UND AUTOMATISIEREN Das Teatr Wielki (dt. Großes Theater) in Łódź ist der künstlerische Nachfolger der berühmten Oper Łódź. Dank der Leidenschaft und des Engagements des „Vereins der Freunde der Oper“ kam es zur Gründung des Theaters. Zu den Hauptvertretern zählten Władysław Raczkowski und Tomasz Kiesewetter (beides polnische Dirigenten und Pianisten) sowie Mieczysław Drobner (polnischer Komponist, Musikwissenschaftler und Pädagoge). Seit 1967 hat das Teatr Wielki 288 Premieren inszeniert, darunter Klassiker aus Oper, Ballett, Musicals und Operetten wie etwa Werke moderner polnischer Künstler. Mit der Zeit gewann das Teatr Wielki zunehmend an Ansehen, wurde aber auch immer älter: Der Zahn der Zeit machte an vielen Teilen der Bühne Modernisierungsarbeiten erforderlich. Ihr manuelles Steuerungssystem fiel immer häufiger aus. Dank der Förderung eines europäischen Fonds konnte das Gebäude 2012 schließlich grundlegend modernisiert werden – zum ersten Mal seit über 40 Jahren. „The show must go on“ Mit dem von der EU geförderten Infrastrukturprojekt am Teatr Wielki sollte insbesondere die regionale kulturelle Identität in der Provinz Łódź mithilfe von Opernkunst geformt und entwickelt werden. In diesem Zusammenhang erhielt Mitsubishi Electric das Angebot, sich an der Ausgestaltung eines Konzepts zu beteiligen und mit entsprechenden Komponenten zu unterstützen. Dazu schlugen die Automatisierungsexperten den Einsatz moderner regenerativer Frequenzumrichter vor. Schon damals verfügte Mitsubishi Electric über einige Erfahrungen speziell im Theaterbereich, denn mehrere seiner Steuerungssysteme waren bereits in Spielstätten wie Tarnów und Koszalin installiert worden. Aus diesem Grund trat das polnische Unternehmen AB Industry, das den Zuschlag für das Gesamtprojekt erhalten hatte, mit einem Kooperationsvorschlag an Mitsubishi Electric heran. Die Modernisierungsmaßnahmen sollten letztlich einen schnelleren Szenenwechsel ermöglichen, damit selbst anspruchsvolle Vorstellungen perfekt auf die Bühne gebracht werden können. Mit einem schnelleren Bühnenbildwechsel, ermöglicht u. a. durch Frequenzumrichter, sollte auch der Übergang von manueller zu automatisierter Bedienung der Technik eingeleitet werden. Denn bis dahin war die Bühnentechnik durch mehrere Bediener gesteuert worden. Die Modernisierungsarbeiten starteten 2013 unter der Federführung von Grzegorz Kruchły, Leiter für Infrastruktur des Teatr Wielki, und Grzegorz Kozioł, Product Manager Inverters & LVS, Mitsubishi Electric Europe B.V. in Polen. „Ein regenerativer Umrichter reduziert die Kosten, die für die Energieversorgung und die Realisierung der Elektroinstallation anfallen. Dadurch senken sich auch die Gesamtbetriebskosten“, erklärt Grzegorz Kozioł. Allerdings unterschied sich dieses Projekt in einigen Aspekten deutlich von früheren Aufträgen. Aus der Kombination von unterschiedlichen Steuermodi (von vollautomatisiert bis manuell) und der Synchronisation mehrerer Antriebe per Glasfaserkommunikation ergaben sich besondere Anforderungen. Um diese zu erfüllen, war letztlich die Entwicklung spezieller Umrichter-Software nötig. Dabei unterstützten nicht zuletzt die Applikationsexperten von Mitsubishi Electric am Unternehmenssitz in Japan, die eng mit den polnischen Kollegen zusammenarbeiteten. Für den Automatisierungsanbieter war das Projekt die erste Anwendung dieser Art in Europa. Das Automatisierungskonzept im Teatr Wielki umfasste nicht nur die Installation von 62 Frequenzumrichtern, sondern auch die Integration einer Mitsubishi Electric Melsec iQ Platform mit Motion- Modulen zur Bewegungssteuerung, HMI-Bediengeräte der Got-Serie und ein Scada-System. Neue Schauspieler, regenerative Umrichter Die Reduzierung des Energieverbrauchs sowie zusätzlich 60 % Einsparungen beim Installationsaufwand und 40 % Einsparungen beim Platzbedarf für den Schaltschrank bedeuteten eine Reduzierung der gesamten Inbetriebnahme- und Betriebskosten. „In vergangenen Jahren hatten wir bereits mehrere Projekte in Theatern realisiert, aber die Herausforderung, die uns in Łódź erwartete, war etwas Besonderes. Der wichtigste Aspekt war für uns, mit unserer Arbeit Kunst zu fördern und auch für die Zukunft großartige Inszenierungen zu ermöglichen. Dazu kam in diesem Fall die Herausforderung der unterschiedlichen Steuerungsmodi. Deshalb haben wir eng mit den Ingenieuren aus Japan zusammengearbeitet. Dank der Unterstützung von AB Industry konnten wir das Projekt in nur 18 Monaten abschließen”, berichtet Grzegorz Kozioł. Regenerative Umrichter verfügen über eine integrierte Bremsfunktion zur Rückgewinnung der Bremsenergie. Dadurch lassen sich auch in Anwendungen mit einem hohen Drehmoment Energie einsparen und Kosten reduzieren, wie etwa bei Seilwinden, Aufzügen, Wickelmaschinen, Förderbändern, Testmaschinen und zentripetalen Schneidern. Außerdem erlaubt die Regenerationsfunktion kleinere und günstigere Automatisierungssysteme. Auch einfachere, kompaktere Verteilersysteme sind möglich, was sich positiv auf den Platzbedarf in Schaltschränken und auf die damit zusammenhängenden Kosten auswirkt. Mit regenerativen Umrichtern lassen sich drei wesentliche Probleme effektiv lösen, die insbesondere bei Antriebssystemen in Anwendungen mit hohem Drehmoment und hoher Leistung auftreten können. Zum einen sind solche Anwendungen ein maßgeblicher Faktor im Gesamtenergieverbrauch. Zum anderen benötigen sie in der Regel viel Platz. Und letztlich bringen sie große Probleme in Bezug auf die Wärmeausbreitung mit sich. Über das in den Umrichtern integrierte System zur Energierückgewinnung kann der Antrieb regenerative Bremsenergie ohne nennenswerten Verlust in das Stromnetz zurückspeisen. Diese Energie kann dann für andere Zwecke genutzt werden, was wiederum dazu beiträgt, den Gesamtenergieverbrauch und die Betriebskosten zu reduzieren. Außerdem erzeugt regenerative Energie weniger Wärme als gewöhnliche

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