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antriebstechnik 11/2017

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SPS IPC DRIVES

SPS IPC DRIVES 2017 I INTERVIEW 01 Michael Burgert und Daniel Griesser im Gespräch mit der Redaktion „Wir haben uns einen großen Vorsprung verschafft“ Warum eine neue Motor-Control-Plattform den Weg in die Zukunft weist Dass Software eine große Rolle in der Zukunft der Antriebstechnik spielt, ist hinlänglich bekannt. Wie die Firma Dunkermotoren das Thema aber heute schon zukunftsweisend in ihrer neuen Motor-Control-Plattform realisiert hat, wollten wir wissen. Chefredakteur Dirk Schaar sprach mit Produktmanager Michael Burgert und Segment Sales Manager Daniel Griesser über die Vorteile, die sich für Anwender ergeben. Herr Burgert, wie viel Energie hat Dunkermotoren in das Entwicklungsprojekt Motor-Control-Platform investiert? Das waren bisher 30 Mannjahre. Um grundsolide für die Zukunft vorbereitet zu sein, bedarf es Investitionen in Zukunftstechnologien und dazu zählt die Motor- Control-Software, die uns für immer anspruchsvollere Aufgaben vorbereitet und uns hilft, der Forderung nach flexiblen Produkten gerecht zu werden. 30 Mannjahre klingt sehr viel, ist aber zum einen im Hinblick auf die Wichtigkeit für unsere zukünftige Entwicklung mehr als angemessen. Zum anderen wäre der Aufwand noch um ein Vielfaches höher gewesen, wenn wir ohne die jahrelange Erfahrung im Bereich „Motoren mit integrierten Elektroniken“ gestartet wären. Wie differenziert sich die neue MCP zur bisherigen intelligenten Lösung? Der Hauptunterschied liegt in der Software-Architektur. Diese wurde so gestaltet, dass sie zum einen die existierenden und bewährten Funktionen möglichst effizient abbilden kann, zum anderen wurde sie im höchsten Maße flexibel und für zukünftige Features ausgelegt. Bisher wurden für die unterschiedlichen intelligenten Motoren jeweils eigene Firmware-Lösungen programmiert und um einen Kern herum immer weiterentwickelt. Für einfache Erweiterungen ist dieses System gut und ausreichend. Sobald aber grundsätzliche Erweiterungen durchgeführt werden müssen, ist das System limitiert und die Aufwände bei Anpassungen werden schnell sehr hoch. Außerdem müssen diese Erwei- 54 antriebstechnik 11/2017

INTERVIEW I SPS IPC DRIVES 2017 02 Daniel Griesser: „Unsere intelligenten Antriebe sind durch die MCP auf die Veränderungen durch die digitale Vernetzung vorbereitet.“ terungen für jede Motor-Baureihe neu programmiert werden. Die neue MCP hat daher ein modulares Softwarekonzept, d. h. sie besteht aus einzelnen Softwaremodulen, die über definierte Schnittstellen miteinander verknüpft sind. Herr Griesser, welche zukünftigen Features sind damit noch denkbar? Grundsätzlich können die Motoren mehr Information verarbeiten und besser kommunizieren. So werden heute die Daten des Gesamtantriebsystems, also auch die Daten des Getriebes, der Bremsen und der Geber verarbeitet. Im ersten Schritt wird ein Betriebsstundenzähler umgesetzt. Denkbar ist ein komplettes Condition Monitoring, bei dem die Motorelektronik Lastschwankungen präzise erkennt und zuordnet, ob sich diese in gewissen Grenzen bewegen oder ob ein Zeichen für Verschleiß von angebauten Komponenten erkennbar ist. Als weiterer Schritt ist denkbar, den Lastverlauf im Motor aufzuzeichnen, um festzustellen, wie stark und mit welchem Lastprofil die Antriebe in der Applikation tatsächlich betrieben werden. Durch die effektivere und schnellere Datenverarbeitung werden Features wie Kurvenscheibenfunktion und Synchronlauf von Achsen möglich sein. Außerdem ist denkbar, Teile der Motorelektronik zu deaktivieren, falls sie nicht benötigt werden. Somit können wir auch zukünftigen normativen Forderungen nach energieeffizienten Motoren gelassen entgegensehen. Herr Burgert, was passiert mit den Produkten, die nicht auf der MCP basieren? Da wir großen Wert auf Funktionskompatibilität legen, wird die Umstellung auf die neue MCP sehr wahrscheinlich nicht zu großen Problemen führen. Bis zur vollständigen Umstellung werden diese Produkte noch zur Verfügung stehen. Selbstverständlich nehmen wir Rücksicht auf Kunden, die für ihre Applikationen aufwendige und lange Qualifizierungsmaßnahmen durchführen müssen. Herr Griesser, sind die Produkte fit für Industrie 4.0? Unsere intelligenten Antriebe sind durch die MCP grundsätzlich auf die Veränderungen durch die digitale Vernetzung vorbereitet. Der große Vorteil, der entsteht, ist die Flexibilität durch den modularen Aufbau der Soft- und Hardware. Diese Struktur ermöglicht eine einfache Implementierung neuer Technologiefelder innerhalb kurzer Entwicklungszeiten. Sind Sie fit für die Vernetzung? Absolut, denn die Fähigkeit, in einem Netzwerk aktiv teilzunehmen, ist Teil der MCP. Mit Profinet und EtherCAT werden bereits die am weitesten verbreiteten Industrial-Ethernet-Schnittstellen unterstützt. Die Basis für die Implementierung weiterer Schnittstellen ist gegeben. An die intelligenten Antriebe können alle gängigen Sensoren angebunden werden. Aber auch im Motor sind zahlreiche Sensoren integriert. Herr Burgert, wie hebt sich Dunkermotoren mit der MCP von seinen Wett bewerbern ab? Wir sind eindeutig Vorreiter in Sachen Integration von Elektronik in den Motor. Mit der MCP führen wir diese Strategie nun fort und machen neben Motor mit Elektronik den Gesamtantrieb zu einer Einheit. Der Anwender soll sich nicht damit beschäftigen müssen, welche Ströme den Motor überlasten, welche Encoder- Auflösung er einzustellen hat oder welche Parameter zur optimalen Ausnutzung des Getriebes erforderlich sind. Das alles ist nur möglich, weil wir sämtliche Schlüsselkomponenten selbst entwickeln. Dies sind Motoren, Elektronik, Getriebe und die Software. Die Ingenieure dieser vier Disziplinen arbeiten eng verzahnt miteinander und können sich aufgrund der räumlichen Nähe jederzeit austauschen. Dazu kommt, dass wir durch mehr als 20 Jahre Erfahrung mit integrierten Elektroniken nicht nur genau wissen, welche Komponenten wir ideal kombinieren können, sondern auch einen reichhaltigen Erfahrungsschatz mit den unterschiedlichsten Kundenlösungen haben. Wir haben mit der MCP einen disziplinenübergreifenden Modulbaukasten geschaffen, der uns einen großen Vorsprung verschafft. Was prägt die Automatisierungstechnik in den nächsten zehn Jahren? Hier sehe ich die Flexibilität an erster Stelle. Unsere Kunden müssen ihre Geräte und Maschinen so flexibel halten wie möglich, um schnelllebigen Trends auf der Seite des Marktes gerecht werden zu können. Das erfordert zum einen flexible Entwicklungskomponenten, wie wir sie mit der MCP umgesetzt haben, aber auch die Produkte selbst müssen flexibler werden. Die Nachfrage nach immer universelleren Antrieben, denen bestimmte Funktionen erst nach dem Einbau in die Maschine zugewiesen werden, steigt zunehmend. Der Industrie-4.0-Begriff „Mass Customization“ wird die Automatisierungstechnik prägen. Dem Trend nach universellen Antrieben 03 Michael Burgert: „Der Hauptunterschied der MCP liegt in der Software-Architektur.“ geschuldet, werden die Antriebe auch mehr und mehr Intelligenz benötigen. Man wird den Antrieben immer komplexere Aufgaben zuweisen, die sie autonom ausführen. Gleichzeitig nimmt der Grad der Vernetzung immer weiter zu. Aber: Einige Trends, die in zehn Jahren die Automatisierungstechnik prägen werden, sind heute noch nicht einmal geboren. www.dunkermotoren.de antriebstechnik 11/2017 55

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