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antriebstechnik 1-2/2019

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UNSER ANTRIEB

UNSER ANTRIEB 2019 I NACHGEFRAGT „Weiter im Zeichen von Industrie 4.0“ 2019 steht weiterhin im Zeichen von Industrie 4.0. Der Fokus wird in diesem Jahr jedoch darin liegen, vom Konzept in die Praxisanwendung – in der Fertigung und im Lager – überzugehen. Für die Anwender steht dabei die Schaffung eines echten Mehrwerts im Sinne einer Effizienzsteigerung im Mittelpunkt. Sensoren sind hierfür wichtige Weichensteller und die Sensor Intelligence liefert die Basis für zukunftsfähige Automatisierungslösungen. Gleichzeitig können wir so Engpässe bei Kompetenzen und Fachkräften ausgleichen. Mit neuen Technologien, wie Künstlicher Intelligenz, können Sensoren noch spezifischere Aufgaben erledigen, die zuvor nicht denkbar waren. So können hoch anspruchsvolle Automatisierungsanwendungen direkt in der Fertigung gelöst werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bedeutung der Datensicherheit. Diese verstärkt den Trend zu Anwendungen, die durch Edge Computing innerhalb oder in der Nähe des Sensors realisiert werden. 2019 ist das Jahr der pragmatischen, praxisnahen Indus trie- 4.0-basierten Lösungen, die durch Frameworks wie AppSpace von Sick implementiert werden. Sensor Intelligence ist nach wie vor der Schlüsselfaktor für Industrie 4.0. Dr. Mats Gökstorp, Vorstand für den Bereich Sales & Service, Sick AG „Bequem zurücklehnen“ Convenience schickt sich – nicht nur in der Profiküche, oder am eigenen Herd, sondern zunehmend auch im Bereich der Antriebslösungen. Statt sich zeitraubend mit der Auswahl der Grundkomponenten zu befassen, soll der Convenience-Partner die detailreiche Arbeit übernehmen. Damit können sich zum Beispiel Maschinenbauer auf ihre Kernkompetenzen fokussieren, anstatt sich mit der Abstimmung von Einzelkomponenten zu befassen. Dabei werden die angeforderten Kreationen immer individueller. An diesem Trend zu einem Höchstmaß an kundenindividuellem Engineering bei gleichzeitiger Steigerung der Kundenzufriedenheit durch Vereinfachung orientiert sich Sumitomo Drive Technologies. Diese Dynamik quittieren wir unter anderem mit der Akquise des Motoren- und Reglerherstellers Lafert. Der Markt hat Geschmack gefunden an kompletten und individuell abgestimmten Antriebsachsen – ohne sich dabei das konzeptionelle Zepter aus der Hand nehmen zu lassen. Dem Convenience-Gedanken folgend, müssen Partner für Antriebslösungen die eigene Komfortzone noch weiter vergrößern und zukunftsweisende Ideen und Geschäftsmodelle im Maschinenbau kreieren. Die Digitalisierung wird ihrerseits die vernetzte Arbeit verändern und zum Beispiel die Tür für Zustandsüberwachungen und Produktionsoptimierungen weit öffnen. Nils Zieglgänsberger, Bereichsleiter Business Development GM & MCD, Sumitomo Drive Technologies „Wir sind uns der Risiken bewusst“ Für 2019 erwarten wir für den Maschinenbau global eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik. Eine zentrale Rolle spielen dabei die großen derzeitigen Risikofaktoren, zum Beispiel der Brexit, die Entwicklungen in den USA und die zunehmenden weltweiten Handelskonflikte. Der heimische Markt birgt dabei insgesamt weniger Risiken, dennoch werden diese einen großen Einfluss ausüben. Insgesamt erwarten wir noch immer ein leichtes Plus in der Maschinenbauindustrie, sind uns aber der signifikanten Risiken bewusst, die der Markt in 2019 hat. Bei R+W werden wir unsere Modernisierungsstrategie 2019 fortsetzen und unter anderem ein komplett neues Büro- und Produktionsgebäude errichten. Viele Projekte im Hinblick auf Produktentwicklung, Lean Management, Modernisierung des Lagersystems und Leadmanagement wurden bereits gestartet und laufen in das Jahr 2019 hinein. Als Technologieführer und Marktführer im Bereich der Metallbalgkupplungen in Deutschland ist es für uns wichtig, hier die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen, um langfristig unsere Wettbewerbsposition behaupten und ausbauen zu können. Steffen Herter, Geschäftsführer, R+W Antriebselemente GmbH 14 antriebstechnik 1-2/2019

NACHGEFRAGT I UNSER ANTRIEB 2019 „Digitalisierung und Energieeffizienz“ Ich sehe für 2019 vor allem drei große Trends in der Antriebstechnik. Da wäre zunächst die Digitalisierung: Hier wird Condition Monitoring für Predictive Maintenance das zentrale Thema sein, was die Erfassung der Motordaten und deren Auswertung zum Zweck der Minimierung von Stillstandzeiten und Betriebskosten durch vorbeugende Wartungsmaßnahmen umfasst. Unsere Motor Scan-Lösung bietet hierfür alle Möglichkeiten und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Dann die Energieeffizienz: Energieverbrauch und CO 2 -Ausstoß sind weiter ein Thema. Hier gibt es vor allem zwei Lösungswege: Energiesparende Antriebssysteme aus Frequenzumrichter und Standard-Asynchronmotoren in Energieeffizienzklasse IE3 oder IE4 mit Aluminiumrotor sowie die deutlich kostenintensiveren Synchronmotoren für besonders dynamische Prozesse, wo es um Anforderungen mit sehr großen Regelbereichen und -genauigkeiten geht. Gerade in energieintensiven Anwendungen werden sich die Standard-IE4-Motoren aufgrund ihrer Selbstanlauffähigkeit weiterhin durchsetzen. Zuletzt überträgt sich der Effizienzgedanke zunehmend auch auf Sonderanwendungen: Wir stellen fest, dass der Markt hier schneller reagiert als die Vorschriften. So fordern mehr und mehr Anwender von Motoren, die bislang nicht unter die EU-Energiesparvorschriften fallen, Antriebssysteme mit höchsten Wirkungsgraden. Bereits heute bieten wir, obwohl nicht gefordert, Motoren für den Schiffbau, ATEX-Motoren sowie Rauchgasmotoren bis Wirkungsgradklasse IE4 in konventioneller Asynchronbauweise an. Hier sehe ich großes Potenzial für die Zukunft. Detlef Wortmann, Manager Low Voltage Motors, WEG Germany GmbH „Die Stunde der Automatisierung“ Wenn wir die Großwetterlage betrachten, müssen wir uns für 2019 auf schwierigere Verhältnisse einstellen. Die wirtschaftliche Dynamik lässt deutlich nach und die Politik verstärkt diesen Trend negativ. Meines Erachtens hat die deutsche Industrie in den letzten Jahren an Produktivität eingebüßt. Die Hochkonjunktur führte zu hohen Kostensteigerungen und das Verhalten war geprägt von der Einstellung „wir produzieren um jeden Preis“. Damit blieb der Fokus auf Produktivität leicht auf der Strecke. Eine Abkühlung des Marktes wird jetzt dazu führen, dass wieder mehr Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt werden muss. Damit schlägt – wieder einmal – die Stunde der Automatisierung. Viele der Konzepte, die wir im Kontext Industrie 4.0 und Digitalisierung vorangetrieben haben, und die bisher nur vereinzelt tatsächlich durchgängig implementiert wurden, werden jetzt ihren Weg in die Produktion finden. Dort müssen sie beweisen, dass mit ihnen signifikante Produktivitätszuwächse erreicht werden können. Aber auch langjährige Trends wie zum Beispiel energieeffiziente Antriebslösungen oder der Fachkräftemangel werden uns in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. Frank Maier, Innovationsvorstand, Lenze SE „Von Netzrückwirkungen bis Industrie 4.0“ Dezentrale und erneuerbare Energiequellen spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der Energieerzeugung. Dieser stetig wachsende Markt stellt neue Ansprüche an den Netzbetrieb und verlangt nach neuen Konzepten. Ein wesentlicher Aspekt sind dabei die Netzrückwirkungen infolge der taktenden Arbeitsweise der Umrichter. Hier ist im Zuge der Überarbeitung entsprechender Normen mit erweiterten Anforderungen zu rechnen, wie etwa der Einführung von Verträglichkeitspegeln im für Umrichter relevanten Frequenzbereich. Darüber hinaus setzen innovative Konzepte nicht nur auf eine Reduzierung der Netzrückwirkungen, etwa durch aktive Filterkonzepte oder Multileveltopologien, sondern auch auf eine Erweiterung der Funktionalität. Der Umrichter ist damit nicht mehr nur eine einspeisende Quelle, die definierte Gridcodeanforderungen einhält, sondern er trägt aktiv zur Netzstabilisierung oder Blindleistungskompensation bei. Natürlich gewinnt auch die Digitalisierung in der Antriebstechnik immer mehr an Bedeutung. Antriebskomponenten werden über IoT an Cloud-Computing-Plattformen angebunden, um hier zusätzlichen Kundennutzen in Form von Verfügbarkeit, Effizienz und Performance zu schaffen. Edge-Controller stellen eine lokale Lösung für die Analyse von Antriebsdaten dar. Die Ergebnisse dieser Analyse können entweder an eine übergeordnete Instanz übertragen oder direkt zum Eingriff im lokalen System genutzt werden. Der digitale Zwilling, ein digitales Abbild des Antriebs, stellt auf einfachem Weg zusätzliche Informationen über den Antrieb zur Verfügung. Henning Höhnert, Leiter Produktmanagement Low Voltage Drives and Motors, Siemens AG antriebstechnik 1-2/2019 15

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