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antriebstechnik 7/2017

antriebstechnik 7/2017

KOMPONENTEN UND SOFTWARE

KOMPONENTEN UND SOFTWARE Mit Expertenwissen zur Schleppkette Neuer Online-Katalog bietet Unterstützung bei der Auswahl von Energieführungsketten Bei der Auswahl und Bestückung von Schleppketten gibt es jede Menge Details zu berücksichtigen. Die Stuttgarter Lapp Gruppe hat jetzt einen 50-seitigen Technischen Leitfaden für Schleppketten sowie einen Katalog mit allen Informationen rund um das Thema Engineering und die Bestückung von Schleppketten vorgestellt. Auszüge daraus stellen wir Ihnen im folgenden Fachbeitrag vor. Wenn sich an einer Maschine oder Anlage etwas bewegt, ist meistens eine Schleppkette, auch Energie(führungs)kette genannt, im Spiel. Sie besteht aus miteinander verbundenen Kettengliedern, die auf beiden Seiten durch Anschlusselemente abgeschlossen werden. Eine Schleppkette ist ein mechanisches System für das Schützen, Tragen und Führen von Leitungen (Anschluss-, Steuer-, Daten- oder Glasfaserkabel) und Schläuchen (hydraulisch oder pneumatisch) in sich dynamisch bewegenden Anwendungen, um Energie und Signale zwischen zwei Punkten zu übertragen, die sich in Relativbewegung zueinander befinden (Verschiebung, Drehung oder kombinierte Bewegungen). So werden bei Lapp die Eigenschaften und Aufgaben einer Schleppkette definiert. Viele Fehlerquellen Diese komplizierte Definition deutet schon darauf hin, dass es eine Vielzahl an Varianten von Schleppketten mit einer unüberschaubaren Zahl von Bestückungsmöglichkeiten gibt. Das bedeutet leider auch, dass es viele potenzielle Fehlerquellen gibt. Das fängt beim Material an, das für die Umgebung, in der die Kette eingesetzt wird, nicht geeignet ist. Wo große Hitze entsteht – etwa an elektronischen Geräten, oder wenn Funken fliegen – sind Varianten ganz oder teil- Sascha Abendroth ist Vertriebsleiter Ölflex Connect & Systemlösungen Deutschland bei der U.I. Lapp GmbH in Stuttgart weise aus Stahl eine bessere Wahl als Schleppketten, die rein aus Nylon bestehen. Eine weitere Fehlerquelle sind Leitungen, die zwar biegsam und flexibel, aber nicht für millionenfache Bewegungen oder für enge Biegeradien ausgelegt sind. Manchmal meinen es die Monteure auch zu gut und bauen nach dem Motto „Viel hilft viel“ Leitungen ein, die eigentlich zu lang sind, was auch zu Problemen führt. Das Engineering einer Schleppkette erfordert also viel Erfahrung. Oder eine gute Informationsquelle zum Einstieg wie den Technischen Leitfaden für Schleppketten der Stuttgarter Lapp Gruppe, dem Weltmarktführer für integrierte Systemlösungen der Kabel- und Verbindungstechnologie. Er enthält auf über 50 Seiten alles Wissenswerte rund um das Engineering von Schleppketten und ihre Bestückung. Im ersten Kapitel erfährt der Anwender, welche Schleppkettentypen es gibt: Horizontal oder vertikal, freitragend oder gleitend, seitlich liegend in mehreren Schichten oder drehend – der Vielfalt der geometrischen Anordnungen sind kaum Grenzen gesetzt. Außerdem geht es um Aspekte wie Brandverhalten, chemische Beständigkeit, UV- Resistenz, Explosionsschutz, Reinraumeignung und vieles mehr. Schritt-für-Schritt-Anleitung Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Engineering-Prozess. In acht Schritten führt es den Ingenieur von der Anforderung zur Lösung: 1. Auswahl des passenden Schleppkettentyps. Der Anwender trägt die Anforderungen zusammen, darunter die Spezifikationen von Leitungen und Schläuchen wie Gewicht, Außendurchmesser, Mantelwerkstoff und Biegeradius sowie Verfahrweg, verfügbarer Platz und Montageposition der Anschlusselemente; 2. Bestimmen des erforderlichen Innenquerschnitts der Schleppkette nach bestimmten Grundregeln und Anpassen des Ergebnisses an die Platzverhältnisse. Wichtig ist hier z. B. eine symmetrisch balancierte Anordnung der Leitungen sowie der sinnvolle Einsatz von Trennstegen. Die sollen Reibung zwischen Leitungen und Schläuchen mit unterschied- 38 antriebstechnik 7/2017

KOMPONENTEN UND SOFTWARE lichen Mantelwerkstoffen verhindern. Für eine problemlose Funktion der Schleppkette und um Schäden an den Leitungen zu vermeiden, müssen die Kettengröße und das Kabel-Layout zusammenpassen. So muss bei Stromkabeln ein Abstand von mindestens zehn Prozent zwischen dem Kabel und dem äußeren Rahmensteg sichergestellt werden, bei pneumatischen Leitungen sollten es 15 % sein, bei hydraulischen Schläuchen sogar mindestens 20 %; 3. Wahl einer geeigneten Schleppkette anhand der Produktauswahltabelle, die diese Anforderungen erfüllt. Hier hat der Anwender die Auswahl zwischen den Materialien Nylon, Stahl, einer Kombination von beiden oder der Robot-Serie. Lapp bietet auch Ketten aus Stahl an, denn nicht alle Anwendungen lassen sich mit Schleppketten aus dem gängigen Material Nylon abdecken; 4. Bestimmen des geeigneten Biegeradius entsprechend aller Parameter der verwendeten Leitungen und Schläuche. Der Mindestbiegeradius einer Schleppkette bemisst sich nach der Leitung oder dem Schlauch in der Schleppkette mit dem größten Biegeradius; 5. Berechnen der benötigten Schleppkettenlänge abhängig von der erforderlichen Strecke. Hier gibt es fünf unterschiedliche Konfigurationen, für die sich die Werte aus Tabellen berechnen lassen; 6. Berechnen der freitragenden Länge in Bezug auf die Zusatzlast. Eine leere Schleppkette hat eine gewisse Vorspannung und ist daher nach außen gewölbt, um später die Last der Leitungen auszugleichen. Die Vorspannung bestimmt die 01 Immer wenn in der Industrie Kabel bewegt werden, kommen zu ihrem Schutz Schleppketten zum Einsatz – Zeit können die Anwender sparen, wenn sie diese fertig bestückt als komplette Systeme erwerben 02 Die Lapp Gruppe bietet komplette Lösungen und Engineering-Dienstleistungen zu Kabelsystemen an, und mit dem technischen Leitfaden für Schleppketten geballtes Wissen zu Engineering und Einsatz von Schleppketten freitragende Länge, die es der Schleppkette ermöglicht, ihr eigenes Gewicht sowie das Gewicht der darin platzierten Leitungen und Schläuche über die geforderte Länge zu tragen; 7. Erneutes Überprüfen des ausgewählten Schleppkettentyps, damit dieser den ermittelten Anforderungen entspricht; 8. Auswahl von weiteren Komponenten wie Anschlusselemente, Innenaufteilung, Fachböden und Führungskanäle, die dem ausgewählten Schleppkettentyp entsprechen. Die hier genannten Beispiele sind nur ein kleiner Auszug der Möglichkeiten. Weitere Details finden Interessierte im Leitfaden. Rundum-Sorglos-Fertigsysteme Eines darf man beim Schleppketten-Engineering nicht vergessen: Die Schleppkette ist für das Kabel da und nicht umgekehrt. Sie schützt, trägt und führt Kabel und Schläuche, die in Bewegung sind. Kabel- Know-how ist darum ebenso wichtig wie das Wissen über Schleppketten – und das ist bei Lapp natürlich vorhanden, nicht zuletzt, weil das Unternehmen, anders als viele andere Anbieter, die Kabel selbst herstellt. Das käme besonders dann zum Tragen, wenn bei komplexen Anwendungen Standardleitungen keine Option sind und Sonderleitungen benötigt werden. Die passenden Produkte dazu finden Anwender im neuen Lapp-Katalog Ölflex-Connect- Chain mit über 300 Seiten, die zweite interessante Informationsquelle für das Schleppketten-Engineering. Mit Ölflex- Connect bietet Lapp konfektionierte Leitungen sowie komplette Systemlösungen konfektionierter Servoleitungen (Ölflex- Connect-Servo) und eben Schleppketten (Ölflex-Connect-Chain) an. Dabei gilt bei Lapp das Motto: Je komplexer die Technologien und Anwendungen werden, umso einfacher sollten die Lösungen sein. Der ausführliche Katalog sowie der Technische Leitfaden sind bei Lapp auch online unter: www.lappkabel.de/kataloge verfügbar. www.lappkabel.de antriebstechnik 7/2017 39

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