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antriebstechnik 6/2015

antriebstechnik 6/2015

CHEMIE, PHARMA UND

CHEMIE, PHARMA UND PROZESS I SPECIAL Hygienisch und effizient Edelstahl-Trommelmotoren für die Lebensmittelindustrie Andreas Flies Die Rulmeca-Gruppe ist als Hersteller von Rollen und Trommelmotoren für die Schüttgutindustrie bekannt. In 2013 traf das Unternehmen die strategische Entscheidung, auch im Handling von Stückgut aktiv zu werden. Zum neuen Angebot zählen heute auch hygienische Edelstahl-Trommelmotoren für die Lebensmittelproduktion. Was die können, sagen wir Ihnen. D ie Kernkompetenz der Rulmeca-Gruppe – die heute weltweit über 1200 Mitarbeiter in 22 Vertriebs- und Produktionsbetrieben beschäftigt – lag schon immer im Bereich der Materialhandling-Komponenten und hier insbesondere bei Rollen und Trommelmotoren. Bis vor kurzem konzentrierte man sich jedoch hauptsächlich auf Komponenten für das Handling schwererer Schüttgüter. Das Angebot beinhaltete wegen eines Vertriebsabkommens keine Komponenten für das Stückgut-Handling. Dieses ist in 2013 jedoch ausgelaufen. Seitdem bietet Rulmeca auch die gesamte Bandbreite an Trommelmotoren und Rollen für das Stückgut-Handling an. Hervorzuheben ist, dass sich das Unternehmen auf Komponenten konzentriert. Man will keine Konkurrenzsituation zu den eigenen Kunden aufbauen, indem man auch fertige fördertechnische Lösungen anbietet, wie es manche Wettbewerber tun. Hierzu passt, Andreas Flies, Sales Manager Unit Handling, Rulmeca Germany GmbH, Aschersleben dass Rulmeca eine hohe Fertigungstiefe hat und nahezu alle Komponenten komplett selbst fertigt – ganz gleich ob aus Metall oder Kunststoff. Für OEM im Maschinen- und Anlagenbau gibt es zudem das Angebot, auch kundenspezifische Varianten des Standardproduktportfolios zu fertigen. Ein Angebot, das Anbieter, die rein auf die Massenfertigung von Rollen und Trommelmotoren ausgelegt sind, nicht bieten können. Rollen für die innerbetriebliche Logistik Ein Schwerpunkt im neuen Stückgutgeschäft sind insbesondere Rollen und Komponenten für den innerbetrieblichen Transport von Gütern aller Art. Sie werden in der Lebensmittelproduktion von der Warenannahme bis hin zur Verpackung, Lager und Versand eingesetzt. Rulmeca bietet sie sowohl für passiv über Schwerkraft oder aktiv mit Motoren angetriebene Förderer an. Weitere Varianten ergeben sich aus dem Gewicht der zu fördernden Güter, dem Sekundärantrieb über Ketten oder Riemen sowie spezielle Aufgabenstellungen wie beispielsweise konische Rollen für Kurven. Dementsprechend vielfältig sind auch die Ausprägungsformen der angebotenen Rollen. Sie reichen von geräuschlosen Leichtlauf-Rollen aus Kunststoffkomponenten (111er Serie) über die vielseitig einsetzbaren Rollen für leichte bis sogar mittelschwerere Lasten (117er Serie) bis hin zur 135/138er Serie mit Ketten- oder Poly-V- Riemenantrieb. In Edelstahlausführung ist die letztgenannte Serie auch für ein korrosives Umfeld und die besonders hygienische Lebensmittel-Produktion geeignet. Die KRO- Serie mit konischen Polypropylen-Rollen für passiv über Schwerkraft oder aktiv mit Ketten bzw. Poly-V-Riemen angetriebene Kurven rundet Rulmecas Rollen-Portfolio für das Stückguthandling ab. Trommelmotoren aus Edelstahl Eine Spezialität für die Lebensmittelproduktion stellen zudem Trommelmotoren aus Edelstahl dar, die Rulmeca mit hohen IP- Schutzgraden anbietet und die hohe Anforderungen an hygienische Designs erfüllen. Im Vergleich zu konventionellen Antriebs- 70 antriebstechnik 6/2015

SPECIAL I CHEMIE, PHARMA UND PROZESS 01 03 01 Die Komponenten für Schwerkraftförderer reichen von Kugelrollen und Rollenschienen für unterschiedliche Gewichte bis hin zu omnidirektionalen Rädern und Geschwindigkeitsreglern 02 02 Trommelmotoren für hygienische Fördertechnik stellt Rulmeca in unterschiedlichen Durchmessern und Leistungsklassen zur Verfügung 03 Den 113er Trommelmotor bietet Rulmeca in einer stattlichen Leistungsstärke mit bis zu 0,55 KW Dauerleistung an formen, wie beispielsweise seitlich angeflanschten Getriebemotoren, bestechen sie zudem durch einen geringeren Platzbedarf und eine höhere Effizienz. Trommelmotoren integrieren den Elektromotor und das Getriebe in die ohnehin benötigte Trommel. Bei anderen Konstruktionen sind Motor und Getriebe als zusätzliche Komponenten ausgeführt, die verschmutzen können und die regelmäßig gereinigt werden müssen. Generell sind konventionelle Antriebe zudem nicht so gebaut, dass sie hygienisch und leicht zu reinigen sind: Entweder haben sie Lüfter, Kühlrippen oder zumindest Kühlflächen. Gegebenenfalls muss der Motor mit einer Schutzhaube versehen werden. Diese weitere Komponente ist gefährlich, weil dadurch Toträume entstehen, die ideale Nistplätze für Keime sind. All diese Gefährdungspotenziale kann man durch den Einsatz von Trommelmotoren komplett vermeiden. Geringer Platzbedarf Das hygienische Design der Trommelmotoren spart zudem Platz. Einen Gurtantrieb mittels Trommelmotor erkennt man deshalb selten auf den ersten Blick, einen seitlich am Profil angeflanschten Getriebemotor sieht man aber sofort. Das stört nicht nur das Auge sondern ist auch hinderlich bei engen Platzverhältnissen. Da der Antrieb immer ziehen sollte, sitzt der Getriebemotor bei einem Steigförderer seitlich am höchsten Punkt. Gerade bei dieser Anwendung punkten Trommelmotoren mit geringerem Gewicht und ausgewogener Balance. Hinzu kommen eine einfachere Anlagen-Konstruktion und -Montage, hohe Laufruhe sowie verringerte Bauteilevielfalt. Hohe Energieeffizienz Da auf elektrisch angetriebene Systeme circa 70 Prozent des Stromverbrauchs von Industrie und produzierendem Gewerbe entfallen, ist zudem der Wirkungsgrad der Antriebe für die Fördertechnik entscheidend. Anwender in der Lebensmittelindustrie können enorme Kosten sparen, wenn sie die Wirkungsgrade ihrer Antriebe steigern – dies nicht nur bei der Primärenergie, die man für den Antrieb des Motors braucht, sondern auch bei der Sekundärenergie zur Senkung der Raumtemperatur. Trommelmotoren erzielen hierfür hervorragende Gesamtwirkungsgrade. Der 113er Rulmeca Trommelmotor mit 0,37 kW hat beispielsweise einen elektrischen Wirkungsgrad von über 77 %. Das entspräche der IE3, wenn diese Norm für diese Leistungsklasse gelten würde. Auch ist der mechanische Wirkungsgrad des Stirnradgetriebes mit 94-97 % (je nach Getriebestufe) sehr hoch. Im Vergleich dazu haben Schnecken-Getriebemotoren signifikant schlechtere Gesamtwirkungsgrade. Woran liegt das? Die Konstruktion des Trommelmotors verringert die Friktionsverluste, da das Stirnradgetriebe direkt mit dem Motor verbunden ist. Zudem wird der Motor konstant und effizient durch ein Ölbad gekühlt. Es sind also der hohe Spezialisierungsgrad und die Bauform, die Trommelmotoren per se zur prädestinierten Antriebslösung für Förderbänder machen. Aufgrund all dieser Vorteile sollten Lebensmittelhersteller für ihre fördertechnischen Anlagen Trommelmotoren vorschreiben. www.rulmeca.de antriebstechnik 6/2015 71

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