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antriebstechnik 5/2019

antriebstechnik 5/2019

KUPPLUNGEN UND BREMSEN

KUPPLUNGEN UND BREMSEN SICHERHEITSSTEUERUNGEN UND -BREMSEN AIRPORT-KUNSTINSTALLATION: SCHWEBENDE BLÜTENBLÄTTER OHNE NETZ Im Oktober 2017 eröffnete der Changi Airport in Singapur sein Terminal 4. Kinetische Skulpturen bilden das künstlerische Highlight des Gebäudeinnendachs: Aluminium-Elemente in Blütenblätterform bewegen sich zu eigens komponierter Musik. Sicherheitsbremsen von Mayr Antriebstechnik sichern die Elemente vor dem Absturz und schützen so die Fluggäste. Sanfte Musik ertönt. Langsam setzen sich hoch über den Betrachtern 96 Aluminiumelemente in Bewegung – die Ringe sind der Form von Orchideenblättern nachempfunden. Im Rhythmus der Musik bewegen sie sich weich und präzise aufeinander abgestimmt, sie bilden immer neue Formen. Klingt nach Kunst? Ist es auch. Allerdings ist die Installation namens Petalclouds nicht in einem Museum zu bestaunen, sondern im Terminal 4 des Changi Airports in Singapur. Der Flughafen eröffnete sein neues Gebäude im Oktober 2017, seit 2018 ist auch das choreographische Kunstwerk als Herzstück des künstlerischen Konzepts in Betrieb. Ein stilisiertes Orchideenblütenblatt zieht sich gleichsam als roter Faden durch die Gestaltung des gesamten Terminals: Jeweils 16 in Reihe gehängte Aluminium-Elemente bilden eine der sechs Skulpturen. Form der Elemente und Name des Kunstwerks heißt übersetzt in etwa „Wolken aus Blütenblättern“. KÜNSTLERISCHES SCHWERGEWICHT Was in der Central Galleria des neuen Terminals leicht und luftig aussieht, ist technisch gesehen ein Schwergewicht: Bei einer Länge von 200 m und einem Gewicht von immerhin 40 kg pro Element bewegen sich insgesamt rund vier Tonnen Stahl und Aluminium über den Fluggästen. Jedes Element hängt an vier dünnen Stahlseilen. Pro Blütenblatt sorgen zwei Servomotoren mit Seilwinden für fließende Bewegungen nach einer vorgegebenen Choreografie. Die Steuerung übernehmen im regulären Betrieb Motoren – ausgerüstet ist jeder einzelne mit einer Not-Stopp- Bremse. Hierbei kommt die Roba-Stop-M Baureihe vom Allgäuer Spezialisten Mayr Antriebstechnik zum Einsatz und zwar zwei Bremsen pro Seilwinde. Zur zuverlässigen Ansteuerung wird jede Seilwinde von einem Roba-SBCplus Steuermodul versorgt. SBCplus Module eignen sich dazu bestens, da sie für Sicherheitsanwendungen ausgelegt sind. Sie werden mit speziellen Sicherheits-SPS kombiniert. Dank der elektronischen Funktionsweise benötigt die SBCplus keine mechanischen Kontakte zum Ansteuern und Überwachen und sorgt so für hohe Zuverlässigkeit. Jede der kompakt ausgelegten Module SBCplus steuert bei Petalclouds zwei Sicherheitsbremsen an, denn jedes Modul besitzt zwei Kanäle. Dies senkt den Platzbedarf im Schaltschrank. Zudem werten die Module die Johannes Liebl, Öffentlichkeitsarbeit, bei Mayr Antriebstechnik in Mauerstetten 20 antriebstechnik 2019/05 www.antriebstechnik.de

KUPPLUNGEN UND BREMSEN Lüftüberwachung der Bremsen aus und liefern so Informationen darüber, ob die Bremsen geöffnet oder geschlossen sind. Die Motoren laufen nur, wenn die Bremsen geöffnet sind – dies vermeidet teure Schäden am Antrieb. Hinzu kommen weitere Sicherheitsfunktionen, sie sind in SBCplus programmiert und müssen nur noch parametriert werden. Die Entwurfsinstallation stammt von den Berliner ART+COM Studios. Das Unternehmen MKT aus Olching bei München hat die Vision von ART+COM in eine Tüv-geprüfte Anlage umgesetzt und die gesamte Fertigung, Montage und Inbetriebnahme realisiert. Die nötigen Stahlbauten, um die kinetische Skulptur ins Gebäude zu integrieren, übernahm Takenaka aus Japan. Werner Riebesel, ingenieursseitig bei MKT verantwortlich für das Projekt, schildert eine der größten Herausforderungen: „Wir haben in den Petalclouds hunderte von Sicherheitselementen verbaut. Die Schwierigkeit bestand darin, die Anlage stabil laufen zu lassen, ohne dass die Safety-Komponenten mit Fehlalarmen alles stilllegen. Das war besonders wichtig, weil wir das Projekt ja in Singapur installiert haben – da können wir nicht wegen jedem kleinen Problem einfliegen.“ KEINE KOMPROMISSE BEI DER SICHERHEIT Die Sicherheitselemente müssen folglich besonders zuverlässig sein. Höchste Sicherheit ist auch bei der Kunstinstallation oberstes Gebot, da sie keinen abgeschirmten Bereich überdeckt. Sie schwebt über den Passagieren unter der 25 m hohen Decke der Central Galleria. Sollte eines der Blütenblätter unkontrolliert abstürzen, wäre die Verletzungsgefahr in dem hoch frequentierten Terminal enorm. Daher setzte MKT bei seinem Sicherheitskonzept auf Bremsen von Mayr Antriebstechnik – ohne Kompromisse. Die elektromagnetischen Roba-Stop-M Federdruckbremsen arbeiten nach dem Fail-safe-Prinzip, d. h. sie funktionieren ausfall- 01 Roba-Stop-M Sicherheitsbremsen sorgen für höchste Sicherheit www.antriebstechnik.de antriebstechnik 2019/05 21

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