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antriebstechnik 5/2018

antriebstechnik 5/2018

„Wichtiger als die

„Wichtiger als die Kosten“ Warum für Maschinenbauer einfache Parametrierung und Visualisierung in den Vordergrund rücken Noch vor Jahren mussten Maschinen und deren Komponenten aufwendig programmiert werden – große Erfahrungen und hohe Schulungsaufwände waren nötig. Warum das heute Vergangenheit ist, erklärt Holger Goergen im Interview mit Chefredakteur Dirk Schaar. Holger Goergen ist Business Development Manager Antriebstechnik der Pilz GmbH & Co. KG in Ostfildern Holger Goergen ist Business Development Manager Antriebstechnik bei der Pilz GmbH & Co. KG und muss es wissen: An Maschinen werden immer höhere Leistungsanforderungen gestellt, die Zahl der Achsen und damit Antriebe nimmt zu und die Steuerungsaufgaben werden immer vielfältiger und anspruchsvoller. Für den Maschinenhersteller und -bediener würde es eine starke Erhöhung der Komplexität bedeuten, würden Maschinenbauer und selbstverständlich auch Komponentenlieferanten hierauf nicht mit Vereinfachungen reagieren. Die Aufgabe ist klar: Nur deutliche Veränderungen in der Bedienerstruktur, bessere Visualisierungen und eine einfachere Umsetzbarkeit technisch komplexer Vorgänge bringen heute und in Zukunft deutliche Mehrwerte – für alle Beteiligten. Aber ist man auch bereit dafür Mehrkosten in Kauf zu nehmen? Herr Goergen, höhere Performance und Produktivität und damit auch bessere Prozessqualität sind Faktoren, die für den Maschinenbau schon lange eine wichtige Rolle spielen. Steht heute nicht auch mehr und mehr die Benutzerfreundlichkeit von Maschinen, Anlagen, Komponenten und Software im Vordergrund? Ein starkes „Ja“: Die Ansprüche an die Benutzerfreundlichkeit sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Für den Maschinenbauer wird es immer mehr zum Kaufkriterium, wie schnell und problemlos eine Anwendung parametriert und in Funktion genommen werden kann. Inzwischen wird dieses Argument oft als wichtiger als die reinen Kosten für die Hardware erachtet. Was ist der Auslöser für diese steigenden Ansprüche? 12 antriebstechnik 5/2018

TITEL I STEUERN UND AUTOMATISIEREN Es ist eine Mischung aus vielen Faktoren. Grundsächlich spielt natürlich der Faktor Kosten eine Rolle. Wer eine Maschine schnell mit wenig Manpower an den Start bekommt, kann sie preiswerter anbieten. Heute gibt es dazu noch Faktoren, die die schnelle Inbetriebnahme eher erschweren als vereinfachen. Customization etwa. Den Standardmaschinenbauer, der hunderte von gleichen Maschinen baut, gibt es immer weniger. Wie im Automobilbereich, wo jedes Auto eine spezielle Ausstattung hat, wird auch im Maschinenbau jede Maschine immer mehr auf die Wünsche des Endkunden hin angepasst. Dies bedeutet, dass bei Maschinen Sonderfunktionen integriert werden. Wenn nun diese Sonderanpassungen für jede Maschine zeitaufwendige Prozeduren bedeuten, so ist dies für den Maschinenbauer nicht mehr tragbar. Wollen wir als Ingenieure oder Techniker dann keine komplexen Strukturen mehr? Ich würde es so ausdrücken: Auch eine komplexe Struktur kann dennoch benutzerfreundlich sein. Durch die Teilung in verständliche Teilanschnitte und einer verständlichen, graphischen Unterstützung ist sehr viel machbar. Auch wenn der Spruch nicht neu ist: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Eine Skizze der Regelschleife oder Symbole der Komponenten werden viel schneller und auch sicherer erkannt als Text. Wenn nun noch „kleine Helferlein“ wie zum Beispiel Abfragen, die nur bei Bedarf eingeblendet werden oder Tools zur einfachen Berechnung des Gesamtgetriebefaktors dazukommen, können auch sehr komplexe Aufgaben einfach gelöst werden. Selbstredend aber nur bis zu einem gewissen Maß, die eigentliche Programmierung der Maschine ist natürlich komplex und braucht seine Zeit. Aber auch hier ist es möglich, die Einarbeitung durch standardisierte Oberflächen so zu integrieren, dass nur einmal ein Erlernen erforderlich ist. Was genau hat sich denn verändert oder was verändert sich gerade im Bereich Bedienerfreundlichkeit? Die verständliche grafische Unterstützung habe ich bereits angesprochen. Themen wie „Plug & Play“ – angeschlossene Teilnehmer werden selbstständig erkannt und parametriert – und „Autotuning“ – das automatische Ermitteln der optimalen Parameter – können bis über 90 Prozent Zeit einsparen. Auch ist es jetzt möglich, Antriebe „Primo“ steuern und visualisieren Die neuen Steuerungssysteme PMI 6 primo von Pilz verfügen über SPS-, Motion- und CNC-Funktionalität, was einen flexiblen Einsatz gewährleistet. PMI 6 primo ist ausgerüstet mit Soft-SPS nach IEC 61131, Version 3.5. Dadurch stehen alle Vorteile einer objektorientierten Programmierung zur Verfügung, die eine kurze Inbetriebnahme ermöglicht. Sie können sowohl die gesamte Maschine steuern oder auch nur einen komplexen Teilbereich, der angebunden unter einer übergeordneten SPS geregelt wird. Dabei lassen sich bis zu 40 Achsen nach Art einer elektronischen Königswelle flexibel verknüpfen. Auch CNC-Aufgaben können gelöst werden. PMI 6 primo bietet über die Funktionen „Fliegende Säge“, „Querschneider“ oder „Kurvenscheibenfunktionen“ viele weitere an, die einfach mit dem Steuerungssystem umsetzbar sind. Darüber hinaus stehen auch Maschinenfunktionen wie „Schlauchbeutelverpackung“ zur Verfügung. Die PMI 6 primo Touchscreens sind in 7, 12 oder 15 Zoll erhältlich. Durch die leistungsstarke Ausstattung von Prozessor und Speicher ergibt sich eine leistungsfähige Plattform für Automatisierungsaufgaben. Die Bedienterminals sind bereits mit einer benutzerfreundlichen Visualisierung ausgestattet, dabei aber mit jeder gängigen HMI-Software kompatibel. So ist die Projektierung für den Anwender effizient. Auch die Installation von Software-Paketen ist einfach: Anwendern steht der PMI Assistant zur Verfügung. PMI 6 primo zeichnet so ein hoher Integrationsgrad und eine schnelle Inbetriebnahme bei minimalem Platzbedarf aus. Anwender profitieren von einer gesteigerten Fertigungsqualität und hohen Taktzahlen aufgrund hoher Performance. Ein großer Speicherplatz ermöglicht die Realisierung komplexer Applikationen. die bei einer Inbetriebnahme quasi unumgänglichen Fehlermeldungen mit einer klaren Aussage zur Ursache und mehreren möglichen vorgeschlagenen Fehlerbehebungen in einem Bruchteil der Zeit zu finden und zu beheben. Haben Sie ein Beispiel aus dem eigenen Hause? Unsere Software für die Motion-Steuerung PMCprimo, die hier inte griert ist. Wir sind hier sogar noch einen Schritt weitergegangen: Die geführte Inbetriebnahme wurde in jedem einzelnen Schritt vorbereitet. Mit einigen wenigen Eingaben kann eine Holger Goergen, Business Development Manager Antriebstechnik der Pilz GmbH & Co. KG motorische Achse parametriert, getunt, bewegt und analysiert werden. Danach kann der Bediener durch die einfache Eingabe in SI-Einheiten –

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