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antriebstechnik 5/2016

antriebstechnik 5/2016

Gigantischer Einsatz

Gigantischer Einsatz Riesige Kugeldrehverbindung als Ersatzteil für ein Tagebaugerät Julia Schneiders Rheinische Braunkohle liefert rund 12 % des kompletten deutschen Strombedarfs. Riesige Tagebau geräte sorgen für einen schnellen und effizienten Abbau der Kohle. Die Maschinen sind zwar robust und langlebig konstruiert – wenn aber doch einmal ein Ersatzteil benötigt wird, stellt das für alle Beteiligten oftmals eine große Herausforderung dar. In einem speziellen Fall konnte der Antriebstechnikspezialist Rodriguez helfen. Lesen Sie mehr. Julia Schneiders ist Mitarbeiterin im Bereich Marketing & Sales Precision Bearings bei Rodriguez R WE Power ist eines der führenden Unternehmen der Energiegewinnung und -erzeugung in Deutschland. Als integraler Teil des RWE-Konzerns setzt das Unternehmen auf einen breiten Energiemix. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Braunkohle, aus der rund ein Viertel des Stroms in Deutschland gewonnen wird. Circa die Hälfte der Braunkohle, die in Deutschland verstromt wird, stammt aus dem rheinischen Revier im Städtedreieck Köln – Aachen – Mönchengladbach. Hier befindet sich das größte geschlossene Braunkohlevorkommen in Europa: Insgesamt lagern in dem Gebiet rund 35 Mrd. t wirtschaftlich gewinnbarer Vorräte. Schon im 18. Jahrhundert begann im Rheinischen Revier die gewerbliche Gewinnung von Braunkohle; heute fördert RWE Power pro Jahr knapp 100 Mio. t des wertvollen Rohstoffs und beschäftigt auf der rund 9 000 ha großen Betriebsfläche gut 10 000 Mitarbeiter. Förderleistung von 110 000 m³ pro Tag Der Tagebau Garzweiler liegt westlich von Grevenbroich und entwickelt sich in Richtung Erkelenz. Die Braunkohle ist hier in drei Flözen abgelagert, die zusammen durchschnittlich 40 m stark sind. Die Kohle liegt zwischen 40 und max. 210 m tief unter der Erdoberfläche. Um die Braunkohle freizulegen, bewegt der Tagebau Garzweiler jährlich ca. 140 Mio. Kubikmeter Abraum, also Löß, Kies und Sand. Deshalb gliedert sich der Tagebau in zwei Bereiche: die Gewinnungsseite, wo Schaufelradbagger Braunkohle und Abraum 01 Nach über 50 Jahren im Dauerbetrieb bestand beim Absetzer 743 in Garzweiler Überholungsbedarf – unter anderem musste eine gigantische Kugeldrehverbindung ersetzt werden 02 Die Kugeldrehverbindung übernimmt die Verlagerung von der Bandbrücke zum Stützwagen und gleicht die unterschiedlichen Fahrbewegungen des Hauptgerätes aus

TITEL I WÄLZ- UND GLEITLAGER gewinnen, und die Verkippungsseite, wo Absetzer den Abraum verteilen und somit bereits ausgekohlte Bereiche des Tagebaus wieder verfüllen. „Absetzer sind Verkippungsgeräte, die den abgebauten Abraum an einer vordefinierten Stelle verteilen“, erklärt Herr Stephan Collet vom Technikzentrum Tagebau der RWE Power AG. „Sie sind die Gegenstücke zu den Schaufelradbaggern. Was die Bagger auf der Gewinnungsseite des Tagebaus an Abraum abgetragen haben, verteilen die Absetzer in bereits ausgekohlten Tagebaubereichen.“ Im Tagebau Garzweiler ist u. a. der „Absetzer 743“ im Einsatz. Er wurde 1959 gebaut und hat ein Dienstgewicht von 2 540 t bei einer Förderleistung von 110 000 m³ pro Tag. Der Absetzer besteht aus einem Hauptgerät und einem Stützwagen, die über eine Bandbrücke miteinander verbunden sind. Über mehrere Förderbänder gelangen Kies, Sand und Ton auf den bis zu 100 m langen, höhenverstellbaren und schwenkbaren Abwurfausleger. Von dort aus stürzt der Abraum auf die Kippe. Schon allein aufgrund der rauen Einsatzbedingungen sind Absetzer so robust konstruiert, dass sie viele Jahrzehnte lang problemlos ihren Dienst tun können. Nach über 50 Jahren im Dauerbetrieb bestand beim Absetzer 743 in Garzweiler jedoch Überholungsbedarf: Unter anderem musste eine riesige Kugeldrehverbindung ersetzt werden. „Diese Komponente übernimmt die Verlagerung von der Bandbrücke zum Stützwagen und gleicht hier die unterschiedlichen Fahrbewegungen des Hauptgerätes aus“, so Collet. „Eine Beschaffung über den Original-Hersteller war ausgeschlossen, sodass wir uns auf die Suche nach einem neuen Lieferanten machten.“ Kugeldrehverbindung nach Maß Die Spezifikationen waren dabei durchaus ungewöhnlich: Benötigt wurde eine Doppel-Axial-Kugeldrehverbindung mit den Maßen Ø 3 990 mm x 3 600 mm x 215 mm in einer Ausführung mit optimierter Abdichtung und zusätzlicher Schmierung. Weil die Be festigungsbohrungen der Kugeldrehverbindung erst bei Montage vor Ort gebohrt werden konnten, war zudem eine vorläufige Teilmontage und eine abschließende Fertigmontage erforderlich. Im Rahmen einer Ausschreibung evaluierte RWE Power verschiedene Anbieter und entschied sich für Rodriguez. Der Antriebsspezialist aus Eschweiler verfügt über langjährige Erfahrung mit Sonderanfertigungen. „Individuell gefertigte Lager werden bei uns häufig nachgefragt“, bestätigt Martin Stremmel, Product Manager bei Rodriguez. „An solchen maßgeschneiderten Lösungen führt unter anderem dann kein Weg vorbei, wenn – wie beim vorliegenden Anwendungsfall – die ursprünglich in einer Maschine verbauten Lösungen nicht mehr als Standardprodukt auf dem Markt verfügbar sind.“ Die Endmontage in Garzweiler fand im März 2016 statt: Die Techniker von Rodriguez lieferten die ca. 2 900 kg schwere Kugeldrehverbindung und bauten sie ein. Fotos: RWE Power, Rodriguez www.rodriguez.de 03 Aufgrund neuer Konzepte und optimierter Herstellungsverfahren können Konstrukteure mit Kugeldrehverbindungen neue Ideen und Lösungsansätze entwickeln 04 Benötigt wurde eine Doppel-Axial- Kugeldrehverbindung mit optimierter Abdichtung und zusätzlicher Schmierung

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