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antriebstechnik 4/2019

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SOFTSTARTER WARUM

SOFTSTARTER WARUM AUSGERECHNET DER MAIN TOWER? 240 m 187 m Die Redaktion hat den Main Tower für das Gipfeltreffen ausgewählt, da Frankfurt am Main der Hauptsitz des VDMA ist und weil der Turm das höchste öffentlich zugängliche Restaurant in der Umgebung beherbergt. Es befindet sich im 53. Obergeschoss in 187 m Höhe. Mit 200 m Höhe (mit Mast: 240 m) ist der Main Tower zusammen mit dem Tower 185 (auch in Frankfurt) übrigens das vierthöchste Hochhaus in Deutschland. schungsinstrument des Bundes – aber leider nur mangelhaft ausgestattet. Als VDMA ergreifen wir auch selbst Initiative, zum Beispiel durch unsere Eigenmittel-Förderung in der IGF, unsere Nachwuchsstiftung und das Maschinenhausprojekt. So konnten wir erreichen, dass die Abbruchquoten im Maschinenbaustudium deutlich reduziert wurden. In Zukunft werden wir uns stärker der Informatik widmen, weil wir zunehmend Ingenieure mit solchen Fähigkeiten brauchen. Aber gerade in der Informatik ist der Studien abbruch immer noch immens hoch. Forschung und Bildung ist ja eine der zentralen Aufgaben der Forschungsvereinigung Antriebstechnik. Können Sie denn aus Sicht der Industrie mit der aktuellen Hochschulpolitik zufrieden sein? Ich glaube schon, dass wir gerade im internationalen Vergleich zufrieden sein können. Wir bilden gute Ingenieure aus, wir haben eine gute Forschungslandschaft, wir haben ein gutes Miteinander zwischen Industrie und Wissenschaft. Aber wir können an der einen oder anderen Stelle eben auch mehr tun. So sollten wir zum Beispiel einen stärkeren Fokus auf die Qualität der Lehre legen und nicht nur auf die Exzellenz der Forschung. Wir sollten zudem auf unsere Stärken vertrauen, eine starke Verbindung von Industrie und Wissenschaft. Wie könnten Lösungen dafür aussehen? Die IGF ist auch hierzu ein gutes Instrument. Deren Volumen sollte bei jährlich mindestens 200 Millionen Euro – aktuell sind es rund 170 Millionen Euro – liegen und mittelfristig dem ingenieurwissenschaftlichen Etat der DFG entsprechen. Forschung und Bildung sind teuer. Wollen wir international am Ball bleiben, müssen wir investieren und auf unseren Nachwuchs setzen. Was benötigt es dazu? Grundvoraussetzung ist eine hinreichende Zahl an gut aufgestellten Forschungspartnern. Die haben wir aktuell mit den Hochschulen und den Forschungseinrichtungen. Nun muss es uns gelingen, die Kooperationsfähigkeit zwischen Industrie und Wissenschaft weiter hochzuhalten. Hier besteht die Gefahr, dass sich eher angelsächsische Konzepte durchsetzen, bei denen auf Veröffentlichungen und internationale Rankings geschaut wird und weniger auf die Zusammenarbeit mit der Industrie. Auch brauchen wir vor allem Professoren in den Ingenieurwissenschaften, die aus der Industrie heraus berufen werden und die notwendige Berufserfahrung und das gemeinsame Verständnis mitbringen. Wir haben das weltweit beste Ingenieur- Ökosystem, aber in dem Moment, wo junge Menschen ohne Industrieerfahrung diese Positionen übernehmen, ist das Erfolgsmodell gefährdet. Dafür benötigen wir Geld. Woher sollte das kommen? Der Schrei nach mehr Geld ist eindimensional. Wir brauchen auch Entbürokratisierung, mehr Effizienz und die richtige Orientierung. Der Staat muss darauf achten, dass seine Ausgaben einen investiven Ansatz haben. Das kann dann die Forschung betreffen, das können Bildungsausgaben sein oder auch in Richtung Kinder gärten fließen. Kurz: weniger Gieß kanne, mehr Zukunft! Müssen die Anforderungen an Studiengänge vielleicht auch angepasst werden? Unser Ziel muss sein, die Studiengänge nach und nach zu durchforsten. Wir müssen uns die Frage stellen, welche Inhalte nicht mehr gelehrt werden müssen oder zu einem späteren Zeitpunkt ins Studium einfließen können. Mehr Flexibilität und eine intelligentere Gestaltung kann dazu führen, zu Beginn des Studiums Freiräume zu schaffen, um etwa ein breiteres Grundverständnis bei angehenden Ingenieuren zu erreichen, zum Beispiel für Themen wie Künstliche Intelligenz oder Data Science. Themenwechsel: Eine zentrale Herausforderung für die Menschheit stellt der Klimawandel dar. Bedeutet das auch für den Maschinenbau einen Change-Prozess anzustoßen? Wir Maschinenbauer sind immer diejenigen, die Technologien für neues industrielles Handeln anbieten können, dürfen und müssen. Der Klimawandel bedeutet für uns daher ein erhebliches Potenzial für neue Geschäfte. Wie vor einigen Jahren bei den Renewables werden wir unter dem Strich wieder auf der Gewinnerseite stehen. Die Frage wird sein, wie wir es schaffen, vor dem Hintergrund der Ziele des Pariser Klimaabkommens, die Welt kostengünstig weitestgehend zu Decarbonisieren. 18 antriebstechnik 2019/04 www.antriebstechnik.de

SOFTSTARTER 03 Hartmut Rauen: „Wir können nur mit bestens ausgebildeten Menschen langfristig erfolgreich sein.“ 04 Hartmut Rauen: „Bei der intelligenten, vernetzten Produktion wollen wir Weltmarktführer sein.“ 03 04 05 Hartmut Rauen ist bereit für das Gipfeltreffen Das politische Debakel rund um NOx lässt Böses ahnen. Ohne das Know-how des Maschinenbaus wird die technologische Umsetzung nicht funktionieren. Ist die Antriebstechnik hier auch gefordert? Absolut. Beim Thema Energie ist die Antriebstechnik immer die Kernkomponente, die Kraft und Drehmoment übertragen muss. Schließlich geht es um die Performance, um Leistungsdichte und die Energieeffizienz. Sie spielt daher eine sehr große Rolle. Fassen wir zusammen: Der Maschinenbau und die Antriebstechnik in Deutschland nehmen eine Spitzenposition ein und Lösungen „Made in Germany“ kommen weltweit immer noch sehr gut an. Aber bleibt das so? Alles was sich dreht und bewegt auf dieser Welt, kommt ohne Antriebstechnik nicht aus. Daher wird sich unsere Branche sicherlich immer ähnlich entwickeln wie das normale Wirtschaftswachstum. Vielleicht sogar besser, weil wir zentraler Lösungsanbieter sind, wenn es darum geht, effizientere Techno logien zu realisieren. Ich bin überzeugt, dass der Standort Deutschland für eine führende Rolle im Bereich der Antriebs technik weiter erhalten kann, weil wir einerseits gute Basistechnologien haben und andererseits hervorragende Abnehmerbranchen. Wir haben zudem ideale Bedingungen für Forschung und Entwicklung. Es spricht also vieles dafür, dass wir die führende Position halten und ausbauen können. gischen Wettbewerb. Da wird es darum gehen, unsere heutigen Schwächen zu beseitigen und vor allem unsere manchmal zu kritische Abwehrhaltung gegenüber neuen Technologien zu überwinden. Dazu müssen wir unser Mindset ändern. Hier wünsche ich mir mehr Offenheit und Begeisterung für die Chancen und Möglichkeiten. Was macht Sie denn so sicher, dass der deutsche Maschinenbau und konkret die Antriebstechnik ihre aktuellen Wettbewerbsvorteile auch nutzen kann und wird? Die gute Basisarbeit von FVA und VDMA. Herr Rauen, vielen Dank, dass Sie mit uns auf den Gipfel gestiegen sind und den Blick in die Zukunft des Maschinenbaus gewagt haben. Fotos: Kastenbild: Thomas Wolf, www.foto-tw.de, „CCBY-SA 3.0 DE“; sonst.: Redaktion antriebstechnik 05 Der internationale Druck ist groß. Die Herausforderung, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln ebenfalls. Wie kann die „Innovationsmaschine“ Deutschland hier gegen die chinesische Macht und die Power der amerikanischen Softwareindustrie mithalten? Wir können nur mit bestens ausgebildeten Menschen in einem vernünftigen Ordnungsrahmen langfristig erfolgreich sein. Der Staat muss hierfür die Rahmenbedingungen schaffen, die es Unternehmen erlauben, vor allem am Standort Deutschland erfolgreich zu sein. Wenn das passt, haben wir eine gute Ausgangsbasis. Ich bin aber durchaus der Meinung, dass wir bei den IT-Technologien im Bereich des Maschinenbaus und der Antriebstechnik eine führende Position haben – vor allem im Zusammenhang mit Industrie 4.0. Nicht umsonst möchten andere Länder in unseren Arbeitskreisen mitarbeiten, wie zum Beispiel beim Thema OPC UA. Bei KI haben wir dagegen einen harten technolo- www.antriebstechnik.de antriebstechnik 2019/04 19

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