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antriebstechnik 12/2019

antriebstechnik 12/2019

SOFTSTARTER

SOFTSTARTER JAHRESTREFFEN TECHNISCHER HANDEL WILL ALS WERTSCHÖPFUNGSPARTNER WIND IN DIE KONJUNKTURFLAUTE BRINGEN Lars Langhans ist Wirtschaftsjournalist in Bonn Für Rückenwind trotz Konjunkturflaute wollen die auf Antriebstechnik spezialisierten Industriedienstleister im VTH Verband Technischer Handel e. V. sorgen. Auf der Grundlage von aktuellen Branchendaten und Marktprognosen des Deutsche Bank-Analysten Dr. Josef Auer diskutierten die Großhandlungen auf ihrem Jahrestreffen zahlreiche Dienstleistungen, die dem Fahrzeug- und Maschinenbau helfen können, der Rezession zu begegnen. WHITEPAPER Welche Dienstleistungsangebote der Technische Handel macht, schildert die Whitepaper-Reihe „VTH-Ausblicke“. Sie steht zum kostenlosen Download zur Verfügung: www.vth-verband.de/whitepaper „Die Fachhändler im D-A-CH-Gebiet sind motiviert, als Effizienzund Wertschöpfungspartner der Industrie dazu beizutragen, die Anlageneffektivität und die Prozesseffizienz in Einkauf und Logistik sowie bei der Erstausrüstung und Instandhaltung zu optimieren“, fasst der Fachgruppenvorsitzende Dr. Michael Lutz, Geschäftsführer der Firma Roth aus Nürnberg, die Beratungen in Schweinfurt zusammen. „WELTUNTERGANG“ BLEIBT 2020 AUS Trotz eines eingetrübten globalen Umfelds, das unter dem Zollstreit zwischen den USA und China leidet, und einer für Deutschland als „nahezu sicher“ geltenden Rezession, hatte Auer einige Stimmungsaufheller im Gepäck. Dazu zählte er die Beobachtung, dass die Finanzmärkte für 2020 offensichtlich keinen „Weltuntergang“ befürchten, sonst wären die Rohstoffpreise und die Aktienkurse nicht so hoch, wie sie sind (Stand: Oktober 2019). Speziell der Autoindustrie traut Auer nach zwei Jahren sinkender Fertigung 2020 einen signifikanten Produktionszuwachs (7 % über 2019) zu. „Hier gibt es einen Konsumstau, den die deutschen Anbieter mit neuen Modellen auflösen können“, urteilte Auer. Ein Innovationsbeispiel lieferte die Volkswagen AG im September auf der IAA 2019: die Serienversion des Elektroautos ID.3. Das Fahrzeug ist das erste massentaugliche E-Auto, das auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) basiert, den Volkswagen seit 2015 entwickelt. 6 antriebstechnik 2019/12 www.antriebstechnik.de

SOFTSTARTER Die E-Mobilität ist eine Mega-Herausforderung für Autoindustrie und Zulieferer, denn sie verändert die traditionelle Wertschöpfungskette. Noch allerdings haben Verbrenner (insbesondere Benziner) ihren Zenit nicht überschritten und klassische Antriebselemente sind weiterhin für Maschinen und Wasserfahrzeuge nötig. Nicht zuletzt deshalb erwartet Auer für die Produktion in Antriebstechnik und Maschinenbau bereits 2020 wieder ein leichtes Plus von 1,0 bzw. 0,5 %. Ein zusätzlicher Treiber sei der Klimaschutz, der die Off- und Onshore-Windbranche begünstige, für die moderne Antriebstechnik wie Großwälzlager benötigt werde. RISIKO NO-DEAL-BREXIT BLEIBT Weltweit betrachtet vertraut Dr. Auer auf die Ankündigungen Chinas, im Krisenfall den Autoabsatz gezielt anzuheizen. Eine Eskalation des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits erwartet der Deutsche Bank-Researcher nicht: „Die Abschwächung der Konjunkturdaten und fallende Assetpreise werden die US-Regierung davon abhalten.“ Trump werde die Konjunktur aus wahltaktischen Gründen nicht abwürgen wollen. Konkret sind die persönlichen Erwartungen von Auer: Neue drastische US-Zollerhöhungen für chinesische Waren kommen in absehbarer Zeit nicht, die Wiederaufnahme „konstruktiverer“ Verhandlungen mit China ist wahrscheinlich und Zölle auf globale Autoimporte wird es nicht geben. Sein Fazit: Bei anhaltend stabilem Inlandskonsum, einer weiterhin funktionierenden Bauwirtschaft und einem wieder Tritt fassenden Maschinenbau wird die Zukunft in Mitteleuropa weniger schlecht aussehen, als gemeinhin befürchtet. Ein Risiko für Euroland bleibe allerdings das „No deal“-Szenario für den Brexit. KONJUNKTURTALFAHRT SETZTE IM JUNI EIN Trotz der „Stimmungsaufheller“ stellt sich die VTH-Fachgruppe „Antriebstechnik“ auf eine Rezession ein, deren Auswirkungen nur sehr schwer einzuschätzen sind. Schon im Juni 2019 vermeldete der VTH einen der größten Umsatzeinbrüche in der jüngeren Geschichte der Branche. Die damalige Auswertung des monatlichen VTH-Umsatzvergleichs, an dem sich 110 Technische Händler im D-A-CH-Raum beteiligt hatten, ergab, dass der Umsatz der Technischen Händler gegenüber dem Vorjahresmonat im Schnitt um satte 14,7 % zurückgegangen war. Der Index der Geschäftserwartungen sank auf den schlechtesten Wert seit Januar 2015. Dass die Konjunkturtalfahrt gerade auch die Antriebstechnik trifft, untermauern Daten des VDMA-Fachverbandes. Danach gingen die Auftragseingänge von Januar bis August 2019 (versus 2018) um 11 % zurück. Nach einigen „sensationell guten Jahren“ schätzen viele Antriebstechnik-Fachhändler, dass am Jahresende 2019 ein Minus von mindestens 10 % zu Buche schlagen wird. „Damit ist die insgesamt schwächelnde Industriekonjunktur nun deutlich spürbar geworden, wenn auch mit regionalen Unterschieden“, sagt Thomas Vierhaus, Hauptgeschäftsführer des Verband Technischer Handel e. V., der rund 250 Unternehmen mit etwa 400 Verkaufsstützpunkten im deutschsprachigen Europa vertritt. MEHRWERTE OHNE MEHRKOSTEN DURCH SERVICEMODELLE Einen Grund, den Kopf hängen zu lassen und die Hände in den Schoß zu legen, erkennen Diplom-Volkswirt Vierhaus und Dr. Michael Lutz gleichwohl nicht. Vierhaus: „Genau jetzt ist die Zeit, in der sich der Technische Handel als Effizienzbringer und Wertschöpfungspartner bei seinen Kunden beweisen kann.“ Denn im aktuellen Abschwung zeigt sich die Industrie spürbar offen für innovative Dienstleistungsangebote des Technischen Handels. Im zunehmend digitalisierten Servicebereich sehen die Antriebsspezialisten des Großhandels ihre Rolle, wie Vierhaus ausführt: „Unsere Mitglieder sind Kompetenzträger, die traditionell Produkte wie beispielsweise Antriebsriemen, Kupplungen, Rollenlager und Zahnkränze liefern. Ihr Alleinstellungsmerkmal sind jedoch wissensintensive Dienstleistungspakete, die nachhaltig die Produktivität sichern und steigern – sei es durch Condition Monitoring, Predictive Maintenance, logistische oder IT-Dienstleistungen.“ Ein Geschäftsfeld, auf dem der Technische Handel Mehrwerte ohne Mehrkosten in Aussicht stellt, ist die smarte Warenbewirtschaftung durch strukturierte Versorgungssysteme. Denn in der Verschlankung der Bereitstellungsprozesse liegt ein enormes Einsparpotenzial. Vom Händler befüllte Ausgabeautomaten für C-Teile können bspw. erheblich zur Senkung von Prozesskosten im Einkauf sowie bei der Lager- und Transportlogistik beitragen. Attraktive flexible Businessmodelle entwickelt der Technische Handel oftmals gemeinsam mit namhaften Markenherstellern aus dem Kreis der Lieferindustrie. Beispielsweise bringt der Komponentenhersteller SKF mit dem Kernprodukt Wälzlager exklusives Know-how und eigenentwickelte Software-Lösungen für die Instandhaltung (Certified-Maintenance-Partnership CMP) oder für ein innovatives Bestandsmanagement (Vendor-Managed-Inventory- System VMI) ein. Ähnliches leisten die sogenannten VTH-Qualitätspartner – Hersteller, die seit 20 Jahren gemeinsam mit dem Fachhandel eine Marketinggemeinschaft bilden. Foto: VTH Verband Technischer Handel e. V., Kollaxo Markt und Medien GmbH www.vth-at.de www.antriebstechnik.de antriebstechnik 2019/12 7

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