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antriebstechnik 12/2019

antriebstechnik 12/2019

DER IDEENGEBER DER

DER IDEENGEBER DER WICHTIGSTE STROM FÜR IDEEN SIND DIE KUNDEN 1985 erschien das Berechnungsprogramm für Getriebe namens Kisssoft. Heute managt der Mathematiker Dr. Stefan Beermann die Weiterentwicklung und den Vertrieb der Software. Wir sprachen mit dem Ideengeber über die Ursprünge des Programms, den aktuellen Stand und warum es niemals eine „perfekte“ Version von Kisssoft geben kann. 36 antriebstechnik 2019/12 www.antriebstechnik.de

KOMPONENTEN UND SOFTWARE Der Getriebehersteller Kissling entwickelte zu Beginn der 1980er-Jahre eine Berechnungs- und Konstruktionssoftware für Getriebe. Das Programm mit dem Namen Kisssoft war zunächst lediglich für interne Lösungen konzipiert worden. Schnell stellte das Familienunternehmen fest, wie der Mehrwert der Software den eigenen Bedarf übertraf und machte die Anwendung auch anderen Firmen zugänglich. Aus dem Projekt wurde ein Geschäftsfeld. Dr. Stefan Beermann, der Kissling bereits 1997 beitrat, bekam ein Jahr später die Verantwortung für das Programm innerhalb der neu gegründeten Kisssoft AG übertragen. Derweil ist die Relevanz präziser Simulations- und Berechnungsmöglichkeiten kaum minder geworden. Im Gegenteil: Der Automatisierungsschub im Anlagen und Maschinenbau verlangt Getrieben zunehmende Beschleunigungskräfte ab. Gleichzeitig sind Raum, Material und Kosten begrenzt. Um entsprechende Getriebe-Lösungen zu entwickeln, sind Ingenieure auf das Leistungsvermögen virtueller Instrumente wie Kisssoft angewiesen. ENTWICKLUNGSARBEIT ERLEICHTERN Das Programm unterstützt die Konzeption und Entwicklung von Getrieben durch zahlreiche Automatisierungsfunktionen und numerische Analysen. Das Sortiment umfasst die festigkeitsmäßige Bewertung aller gängigen Maschinenelemente sowie die automatische Auslegung kompletter Getriebe. Schnelle und verlässliche Festigkeits berechnungen ermitteln Sicherheitsfaktoren und Lebensdauerwerte. Die umfang reiche Dokumentation von Zahnrädern, Wellen und Lagern, Schrauben, Federn, Verbindungselementen und Riemen ist mit zahlreichen Anwendungen zum Nachrechnen, Auslegen und Optimieren verknüpft. Eine wichtige Neuerung in der jüngsten Version von 2019 ist Kissdesign, womit sehr schnell Entwürfe für Getriebe erarbeitet werden können. Visuelle Skizzen darstellungen und in Echtzeit berechnete 3D-Abbildungen erleichtern Konstruk teuren die Getriebeplanung und Modellierung. Ziel der Entwickler war es, durch die intuitive Konzeption von Getrieben Entwicklungsarbeit einzusparen. In überschaubarer Zeit lassen sich verschiedene Modelle erstellen und auf ihre Kinematik (Drehzahl und Moment) hin vergleichen. Per Knopfdruck überträgt Kisssoft das 3D-Zahnrad samt Herstelldaten in alle gängigen CAD-Programme. ZUR PERSON Dr. Stefan Beermann, 52, ist studierter Mathematiker und stieg 1997 beim Getriebehersteller Kissling ein. Seit mittlerweile 22 Jahren ist Beermann bei der Kisssoft AG, mittlerweile als Geschäftsleiter. Das Unternehmen entwickelt Berechnungssoftware für Ingenieure und Konstrukteure in den verschiedensten Bereichen. Mit jeder neuen Auflage ist Kisssoft in Sachen Funktions- und Inhaltsumfang erweitert worden. Zum Release 2019 integrierte die Entwicklung eine Kontaktanalyse für asymmetrische Zahnräder. Außerdem steht jetzt die Wirkungsgradberechnung und -optimierung von Schraubrädern mit Zahnstange zur Verfügung. Diese Getriebeform kommt bei Lenksystemen im Automobilbereich regelmäßig zur Anwendung. Welche Entwicklungen für Kisssoft in Zukunft noch wichtig sein werden, verriet uns Dr. Stefan Beermann im Interview. Aber zunächst: Wie fing eigentlich alles an? Wie entstand die ursprüngliche Idee zu Kisssoft? In den 80er-Jahren sah sich Dr. Kissling regelmäßig mit der Aufgabe konfrontiert, Wellen für Skiliftgetriebe nachzuweisen. Hierfür setzte er ein kommerzielles Berechnungsprogramm ein. Allerdings musste er jede Wellengeometrie drei Mal eingeben, erst für die Biegelinie, dann für den Festigkeitsnachweis, und schließlich für die Eigenfrequenzen. Diese Vorgehensweise erschien ihm nicht optimal und so setzte er sich eines Tages hin und schrieb sein eigenes Wellenberechnungsprogramm. Danach hatte er das Problem, dass er den Zahnfuß von Innenzahnkränzen nicht vor der Fertigung bestimmen konnte. Dies ist eines der kritischen Probleme beim Zahnradstoßen. Also schrieb er ein Programm zum Berechnen der Zahnform von mit Stoßrädern gefertigten Zahnkränzen. Nun, und so ging das dann weiter, bis letztlich ein stattliches Berechnungsprogramm für all die Elemente eines Getriebes entstanden war. PRECISION GEARS Seit 50 Jahren führend in hochpräzisen Verzahnungen Zahnräder und verzahnte Wellen 100 – 2.000 mm Alle Fertigungsschritte im Haus 28.000 m² Produktionsfläche Eigene Härterei ZWP Zahnradwerk Pritzwalk GmbH Freyensteiner Chaussee 15 D-16928 Pritzwalk www.zahnradwerk.com

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