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antriebstechnik 12/2017

antriebstechnik 12/2017

FORSCHUNGSVEREINIGUNG

FORSCHUNGSVEREINIGUNG ANTRIEBSTECHNIK I INTERVIEW 01 Hartmut Rauen: „Die FVA hat einen wesentlichen Beitrag zur Innovationsfähigkeit der deutschen Antriebstechnik in Industrie und Wissenschaft geleistet.“ „Antriebstechnik steht im Zentrum des Fortschritts“ Ein Gespräch mit Hartmut Rauen zum 50-jährigen Jubiläum der Forschungsvereinigung Antriebstechnik In diesem Jahr feiert die Forschungsvereinigung Antriebstechnik e. V. ihr 50-jähriges Bestehen. Chefredakteur Dirk Schaar nahm das zum Anlass, sich mit FVA-Geschäftsführer Hartmut Rauen, über das Besondere des Vereins, die Vergangenheit, aber vor allem die Zukunft der Gemeinschaftsforschung zu unterhalten. 10 antriebstechnik 12/2017

INTERVIEW I FORSCHUNGSVEREINIGUNG ANTRIEBSTECHNIK 50 Jahre FVA – ein großes Jubiläum für die antriebstechnische Gemeinschaftsforschung in Deutschland. Was macht Sie besonders stolz, diesen runden Geburtstag feiern zu dürfen? Die FVA hat über die vergangenen 50 Jahre einen wesentlichen Beitrag zur Innovationsfähigkeit der deutschen Antriebstechnik in Industrie und Wissenschaft geleistet. Tausende von Nachwuchswissenschaftlern wurden mithilfe von FVA-Projekten anwendungsnah und zukunftsorientiert ausgebildet. Das gemeinsame Forschen zwischen Industrie und Wissenschaft macht Deutschland zum führenden Innovationsstandort der Antriebstechnik. Dies bildet die Basis der Technologieführerschaft der vielleicht wichtigsten Zulieferbranche der deutschen Industrie. Vor genau zehn Jahren sagte der damalige Vorsitzende der FVA zu unserer Zeitschrift, dass es wohl kein anderes Forschungsinstrument des Bundes gibt, das mit so wenigen Mitteln einen so hohen Nutzen generiert. Beweisen konnte er es nicht. Wie sieht das heute aus, ist das immer noch so oder auch gefühlt immer noch so? Die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF), die aus Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums und der Industrie realisiert wird, stellt in der Tat ein höchst effizientes Forschungsinstrument des Bundes dar. Einerseits wird durch ein Ausschreibungsverfahren unter besten Forschungsstätten das bestgeeignete Angebot ausgesucht. Andererseits ist der Hebel des Wissenstransfers enorm groß, weil nicht nur wenige Mitglieder eines Projektverbundes am Know-how partizipieren, sondern schon während der Laufzeit die gesamte FVA-Community – also hunderte von Unternehmen und Wissenschaftler eingebunden werden. Zudem wird der Transfer des Wissens über Kongresse, Weiterbildung und die Einbettung in eine Rahmensoftware, die FVA-Workbench, deutlich erhöht. Mit den Mitteln der Industriellen Gemeinschaftsforschung ist es möglich, nachhaltige Innovationsnetzwerke aufzubauen, mit wenigen Millionen Invest pro Jahr. Am Gesamthaushalt der AiF in Höhe von 139,3 Mio. Euro partizipierten 2016 100 Forschungsvereinigungen und damit einhergehend ca. 50 000 Unternehmen. Die FVA partizipiert hieran sehr gut mit zuletzt 6,9 Mio. Euro AiF-Mitteln. Unsere Industrie ist engagiert in der FVA aktiv, die 210 Mitglieder investierten 2017 in den Gremien ca. 6 000 Manntage. Dieses enge interne Miteinander von Industrie und Wissenschaft mit so wenigen öffentlichen Mitteln nachhaltig zu organisieren, schafft kein anderes Förderinstrument des Bundes. 50 Jahre sind eine lange Zeit, in der viele Technologien und Ideen entstanden sind. Welche Schritte waren für Sie die wichtigsten in der FVA in der Vergangenheit? Lassen Sie mich drei ganz unterschiedliche Beispiele nennen. Die FVA kann Fertigungsverfahren, die mit viel Risiko einhergehen, zum Durchbruch verhelfen. So hat die FVA-Community es in ihrer Frühphase geschafft, das Verfahren des Einsatzhärtens zu etablieren, was die Leistungsdichte der Antriebstechnikprodukte wesentlich erhöhte. Grundlagen der Machbarkeit wurden verifiziert. Ähnlich wurde mit langem Atem die Technologie des Carbonitrierens nach vorne gebracht. FVA-Berichte standen und stehen auch immer für den Beweis, dass es geht. Dieses Vertrauen öffnet Märkte. In einem ganz anderen Bereich, mit dem Einstieg vor ca. zehn Jahren in das Thema Elektromobilität hat sich die FVA frühzeitig zu diesem neuen Technologiefeld positioniert. Wir ziehen somit viele Unternehmen und Wissenschaftler mit, ermöglichen den Wandel im Antrieb. Weniger ein technologischer, aber dennoch ein immens wichtiger Schritt für den nachhaltigen Wissenstransfer in die Industrie war der Einstieg in die FVA-Workbench und die Gründung der FVA GmbH zur Erstellung professioneller Anwendungssoftware für die Antriebstechnik. Wir wollen aber gar nicht so lange in die Vergangenheit schauen: die Welt steht am Anfang eines neuen technischen Zeitalters. Digitalisierung und Industrie 4.0 sind die Themen, mit denen wir uns in Zukunft immer stärker befassen müssen. Wie muss sich die FVA in diesem Zeitalter weiterentwickeln? Die FVA-Ausrichtung fußt im Wesentlichen auf einem Bottom-up-orientierten Ansatz. Die meisten Themenvorschläge werden durch die Industrie und die Wissenschaft in den Arbeitskreisen generiert. Wir haben uns ein Bewertungsschema gegeben, welches die Projektauswahl nach strategischen Parametern erleichtert und objektiviert. Die großen Trends liegen auf der Hand: Elektrifizierung des Antriebsstrangs in mobilen Fahrzeugen, Digitalisierung unserer Produktwelten, Industrie 4.0, die intelligente Antriebstechnik – sprich alle unsere Projekte im Bereich Sensorik, Leistungselektronik, Mechatronik, elektrische Antriebstechnik sind zunehmend wichtig. Bereits vor zwei Jahren haben Sie sich intern mit der Strategieinitiative 50+ befasst. Was ist bis heute daraus geworden? Der 50+-Prozess wurde rechtzeitig zum Jubiläum abgeschlossen. Wir haben sehr viel Aufwand in die Maxime „Nutzengenerierung für die Mitglieder“ gesteckt. Es galt, einfache Fragen schlüssig zu beantworten. Wie schaffen wir es, die richtigen Projekte in eine effiziente Umsetzung zu bringen – sprich, die wissenschaftliche Problemstellung zu lösen und die Ergebnisse am Arbeitsplatz beim Ingenieur in antriebstechnik 12/2017 11

Aktuelle Ausgabe

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