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antriebstechnik 11/2019

antriebstechnik 11/2019

KOMPONENTEN UND SOFTWARE

KOMPONENTEN UND SOFTWARE TITEL deswegen mussten wir das Handlingsystem möglichst kompakt bauen,“ erinnert sich Weiermair an den Beginn der Entwicklung im Herbst 2017. Siegfried Pötzelsberger, technischer Vertrieb e-Kettensysteme bei Igus ergänzt: „Ich habe von Sema einige technische Eckdaten bekommen, die von der Kette erfüllt werden mussten. Wir haben dann verschiedene Varianten durchgespielt. Es gab anfänglich Lösungsansätze mit einzelnen Ketten für jede Teleskopachse. Das war aber aufgrund der baulichen Einschränkungen nicht realisierbar. So haben wir uns schrittweise der aktuellen Lösung angenähert.“ Dabei wurden letztlich zwei Ketten vom Typ Igus E4.38L miteinander kombiniert und S-förmig ohne untere Führung sowie mit sehr engen Biegeradien eingesetzt – eine Art besonders scharfer S-Kurve. Durch die beidseitig verfahrbare Teleskopachse ergab sich eine zusätzliche Herausforderung der scharfen S-Kurve. Die Energiekettenführung muss nach jedem Beladezyklus selbstständig in die Grundposition zurückkehren, um bei den Folgebewegungen nicht zu kollidieren. Dazu wird das Linksystem der scharfen S-Kurve über eine eigene Präzisionsführung mit einem vorgespannten Seilsystem geführt. Was sich simpel anhört, birgt so einige Tücken. Dipl.-Ing. (FH) Markus Kogelmann, bei Igus Branchenmanager für Werkzeugmaschinenbau, erläutert die Problematik: „Eine Kette hat nur in einer Richtung Bewegungsfreiheit, in der anderen Richtung hat sie einen Anschlag. Das lässt sich zwar durch eine mechanische Bearbeitung der Kette ändern – sie verliert aber dabei ihre Eigenstabilität.“ Die Lösung: Die beiden Standardketten wurden um 180° gedreht aneinander montiert. So wurde Beweglichkeit in beide Richtungen erzielt – gleichzeitig bleibt die Stabilität gewährleistet. ALLES AUS EINER HAND Allerdings ergab sich durch die enge Einbausituation noch ein Folgeproblem: „Für die Kette selbst war der kleine Biegeradius kein Problem“, so Branchenmanager Markus Kogelmann. Für die Leitungen des Antriebstechnikherstellers, die bislang von Sema verwendet wurden, aber sehr wohl. Siegfried Pötzelsberger erläutert: „Aus dem Datenblatt der Leitungen des Motorenherstellers wurde schnell klar, dass sich mit dessen Leitungen nicht die gewünschte Lebensdauer würde erzielen lassen.“ Sema entschied sich daher, bei der MH Heidi erstmals auch die Leitungen von Igus zu beziehen und Kette und Leitungen als ein fertig konfektioniertes Igus readychain-Produkt einzusetzen. Für den Anwender ergibt sich daraus gleich mehrfach ein Vorteil: Zum einen bekommt er von Igus eine Systemgarantie für das Produkt. Zum anderen konnte dadurch bei der Entwicklung von MH Heidi wertvolle Zeit gespart werden. Johannes Weiermair: „Der Riesenvorteil für uns war: als die Igus readychain kam und eingebaut war, war das Thema für uns erledigt. Sonst hätten wir sicher noch ein bis zwei Tage Verkabelungsarbeit gehabt.“ Konsequenterweise lieferte Igus für MH Heidi auch ein nicht bewegtes Leitungspaket, das die beiden miteinander kombinierten Ketten verbindet. AUTOMATISIERUNGSLÖSUNG MIT BESONDEREN EIGENSCHAFTEN So entstand quasi in Rekordzeit eine Automatisierungslösung mit besonderen Eigenschaften: Durch die Kombination aus geringer Aufstellfläche und langem Auskragen kann MH Heidi bis zu einem Meter entfernt von den beiden zu bestückenden Maschine aufgestellt werden. Johannes Weiermair erläutert den Vorteil dieser Anordnung: „Nun kann man durch den Freiraum in der Tagschicht die Maschine manuell bedienen, etwa wenn komplizierte Einzelteile gefertigt werden. In der Nacht werden die Tore geschlossen und die Maschine fährt im Automatikmodus und produziert einfachere Teile. Und während das bei vielen Wettbewerbern nur in eine Richtung geht, kann MH Heidi das in beide Richtungen bewerkstelligen.“ Fotos: Aufmacher und 03: Igus GmbH; 01 und 02: Sema Maschinenbau GmbH www.igus.de VIRTUELLE INBETRIEBNAHME MH Heidi konnte etwa zwei Monate früher auf den Markt gebracht werden als vergleichbar aufwändige Projekte von Sema, weil die Softwareentwicklung über den Weg einer virtuellen Inbetriebnahme stattfand. Die komplette Maschine wurde dabei als Digitaler Zwilling virtuell im Computer abgebildet und auf dieser Grundlage die Software dafür entwickelt. Dipl.-Ing. Johannes Weiermair, Technischer Leiter bei Sema: „Als wir die Software auf die reale Maschine transferiert haben, ergab sich eine ‚Trefferquote‘ von 98 Prozent.“ Durch die virtuelle Inbetriebnahme konnten Software- und Ablauffehler schon bei der Entwicklung identifiziert werden, die sonst bei einer „klassischen“ Inbetriebnahme viel Zeit gekostet hätten. DIE IDEE „Um das beidseitige Ausfahren des Teleskoparms der MH Heidi bei gleichzeitig extrem kompakten Abmessungen des Handlingsystems zu realisieren, musste eine besondere Lösung bei den Energieketten gewählt werden. Letztlich wurden zwei Ketten vom Typ Igus E4.38L miteinander kombiniert und S-förmig ohne untere Führung sowie mit sehr engen Biegeradien eingesetzt – eine Art besonders scharfer S-Kurve.“ Markus Kogelmann, Branchenmanager Werkzeugmaschinen, Igus GmbH 18 antriebstechnik 2019/11 www.antriebstechnik.de

MARKTPLATZ AKTIV GEGEN KORROSION UND VERSCHLEISS Mit der neuen b.triton-Produktserie stellt Iwis eine Hochleistungsrollenkette vor, die sich für den Einsatz unter rauen Betriebs- und Umweltbedingungen eignet. Die erforderliche Korrosionsbeständigkeit wird durch die Zink-Flake-Technologie in Kombination mit einer speziellen Oberflächenbehandlung erreicht. Da die Rollenkette auch aus RoHS-konformen Materialien besteht und frei von sechswertigem Chrom (CrVI) ist, punktet sie zudem unter Nachhaltigkeitsaspekten. Beschichtete Hülsen und Bolzen reduzieren den Verschleiß im Kettengelenk. Die fließgepressten Hülsen und Rollen sorgen für reduzierte Einlauflängung und einen ruhigeren Lauf der Kette. Auch der Schmierstoff iwiDUR-G trägt zum Schutz vor Verschleiß und Korrosion bei. Damit sind JWIS-b-triton- Ketten bei Umgebungstemperaturen von – 10 bis + 130 °C einsetzbar. Über eine alternative Hochtemperaturschmierung lässt sich der Anwendungbereich auf bis zu 150 °C erweitern. www.iwis.com Anzeigen2019_146x202+3mm-DerKonstrukteur,antriebstechnik_190201_Layout 1 14.10.19 10:09 Seite 2 ETHERNETLEITUNGEN MIT REINRAUM-LABEL BREMSEN hydraulisch • pneumatisch • elektrisch 0,5 - 325000 Nm Kein Abrieb, keine Partikel – auch dauerhaft: Reinraumtaugliche Ethernet-Leitungen bietet Igus mit den Chainflex- Leitungen CFBUS.LB.045 und CFBUS.LB.049 an. Im Test absolvierten sie bei nur 55 mm Radius über 24 Mio. Hübe ohne Ausfälle. Dafür wurden sie mit dem Prüfsiegel des Fraunhofer- Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) zertifiziert. Sie können in Reinräumen, z. B. bei der Produktion von Sensoren, eingesetzt werden. Maschinenund Anlagenbauer, die sich für die Leitungen entscheiden, können in der IPA-Datenbank nach dem gewünschten zertifizierten Bauteil suchen. Dort finden sich z. B. auch Verweise auf die passende Energiekette und die Reinraumklasse. Das Zertifikat steht zum Download bereit. Die Inbetriebnahme beschleunigt sich: Behördliche Vorgaben, die Validierung oder die Qualifizierung im hochregulierten Umfeld der Pharmaindustrie oder der Halbleiterfertigung lassen sich durch die zertifizierten Leitungen zügig erfüllen. www.igus.de www.ringspann.de Ihr Nutzen ist unser Antrieb

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