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antriebstechnik 11/2016

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700 Pizzen pro Minute

700 Pizzen pro Minute Tiefkühlproduktehersteller optimiert innerbetriebliche Verpackungsprozesse Dietmar Seidel Wie sich Produktionsstillstände zukünftig reduzieren lassen, hat die Nestlé GmbH jetzt heraus gefunden: Durch eine Anlagen-Effizienz- Optimierung konnte der Verpackungsvorgang der Pizzen bei der Tiefkühl-Produktion beschleunigt werden. Lesen Sie mehr. Dietmar Seidel ist Leiter Technische Fachpresse Deutschland bei der SKF GmbH in Schweinfurt J eder deutsche Haushalt lässt sich pro Jahr rd. 5,4 kg Tiefkühlpizza schmecken. Etwa ein Drittel davon stammt aus dem Werk der Nestlé Wagner GmbH im saarländischen Nonnweiler. Hier befindet sich das Erbe des Tiefkühl-Pioniers Ernst Wagner (1929 bis 1999), der 1973 die erste Tiefkühlpizza in Deutschland herstellte und damit den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Wagner-Steinofenpizza legte. Inzwischen sind neben den Mitarbeitern auch automatisierte Produktionsanlagen im Einsatz. Im Werk Nonnweiler stellt Wagner jedes Jahr rd. 350 Mio. Tiefkühlprodukte her. Rein rechnerisch bedeutet das bei sechs Arbeitstagen pro Woche, dass dort in der Minute rd. 700 Pizzen die Anlagen durchlaufen. Wo der Namensgeber anfangs noch mit eigenentwickelten Steinöfen arbeitete, befinden sich heute Produktionslinien von mehr als 100 m Länge. Diese reichen von der Teigverarbeitung über das Backen und Belegen bis hin zum Frosten und Verpacken der Pizzen. Um den Verpackungsvorgang der tiefgekühlten Pizzen zu beschleunigen, hatte Nestlé im Jahr 2012 eine neue Maschine installiert. Das System arbeitete schnell, doch unmittelbar nach seiner Inbetriebnahme noch nicht mit voller Leistung: Vereinzelte unvorhergesehene Stillstände an diesem Punkt der Fertigungskette verlangten nach einer Optimierung des Instandhaltungskonzepts. „Wir können unsere Produkte problemlos und in guter Qualität bis zu 20 Minuten zwischenspeichern“, erläutert Martin Kranich, bei Nestlé Deutschland zuständig für die Instandhaltung. „Steht die Teil-Anlage aber länger, steht die ganze Produktion. Diese Gefahr wollten wir beseitigen.“ Auf einer internationalen Nestlé- Konferenz erfuhr der Instandhaltungsexperte von den Dienstleistungen des Technologieunternehmens SKF, die sich unter anderem mit der Minimierung des Ausfallrisikos und der Effizienzsteigerung von bestehenden An lagen befassen. „Als die Frage aufkam, wer sich für ein entsprechendes Pilotprojekt zur Verfügung stellen möchte, habe ich sofort zugeschlagen“, erinnert sich Kranich. Kritikalitätsanayse durchgeführt Um die Maschine gleichsam präventiv im optimalen Betriebszustand halten zu können, führte SKF zunächst eine Kritikalitätsanalyse durch. „Im Prinzip handelt es sich dabei um eine detaillierte Risikobewertung pro Anlagen-Komponente“, erklärt der Instandhaltungsstrategie-Berater Benjamin Pfannes von SKF. „Anders ausgedrückt: Wir durchleuchten jede Art von Anlage so, dass ihre ganz spezifischen Risiko-Potenziale zu Tage treten. Die identifizierten Gefahrenstellen werden anschließend je nach Folgenschwere eines möglichen Fehlers bewertet. Daraus lassen sich dann konkrete Gegenmaßnahmen für jede einzelne potenzielle Störquelle ableiten.“ Ein solcher Optimierungsprozess beruhe zwar auf einer standardisierten Methodik, wird aber immer an die individuellen Bedürfnisse der Anwender angepasst. So wurden im Falle von Nestlé unter anderem applikationsspezifische Besonderheiten in Sachen Bau und Anlagenteile berücksichtigt und diese 82 antriebstechnik 11/2016

WÄLZ- UND GLEITLAGER 01 Nach einer standardisierten Methodik zur Optimierung der Anlagen-Effizienz wurden zahlreiche Faktoren für die Weiterentwicklung des Systems identifiziert 02 Durch die Umsetzung einer neuen Instandhaltungsstrategie legt die Anlage jetzt eine bessere Leistung an den Tag hinsichtlich ihrer eventuellen Ausfallwahrscheinlichkeit bewertet. „Die Kritikalitätsanalyse zeigte genau, wo ein Ausfallpotenzial besteht und welche Bereiche eher unkritisch sind“, so Kranich. Dazu hat das Team von SKF mehrere Möglichkeiten für Ausfälle in Betracht gezogen – angefangen von einer Mangelschmierung über optimierbare Materialien und Lagerdimen sionen oder auch Ausrichtungsfehler beziehungsweise Schiefstellungen bis hin zu elektrischen Verbindungen und eventuellen Kurzschlüssen. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse sowie der Risikobeurteilung wurden schließlich entsprechende Instandhaltungsmaßnahmen erarbeitet und definiert. „Für den Erfolg einer neuen Instandhaltungsstrategie ist es sogar von entscheidender Bedeutung, dass sich die Mitarbeiter aktiv einbringen“, betont Michael Nöth vom Beratungsteam bei SKF. „Schließlich verfügen die Kolle ginnen und Kollegen über eine Erfahrung, mit der sie die praktische Umsetzung ihrer überarbeiteten Instandhaltungs-Tätigkeiten noch maßgeblich optimieren können.“ 33 Projekttage investierten Nestlé Wagner und SKF, um die ideale Mischung aus unterschiedlichen Instandhaltungsmaßnahmen für die größtmögliche Zuverlässigkeit zusammenzustellen. Gemeinsam integrierten sie den neuen Instandhaltungsplan sogar in das SAP-System von Nestlé Wagner, um dort zu hinterlegen, was täglich, wöchentlich oder in entsprechend festgelegten Zeitintervallen zu tun ist. Letztlich landeten etwa 120 Tätigkeiten auf einer „To-do-Liste“, die die Nestlé Wagner-Mitarbeiter inzwischen in ihre tägliche Arbeit eingebaut haben. www.skf.de Kugellager und Rollenlager von 30 mm bis 1600 mm Außendurchmesser in verschiedenen Ausführungen Spindeleinheiten Bohr-, Fräs- und Drehspindeln Spindeln mit angeflanschtem bzw. integriertem Motor Spindeln für spezielle Einsatzgebiete NEU! Rekonditionierung von Wälzlagern Spindel- und Lagerungstechnik Fraureuth GmbH Fabrikgelände 5 D-08427 Fraureuth Tel.: +49 (0) 37 61 / 80 10 Fax: +49 (0) 37 61 / 80 11 50 E-Mail: slf@slf-fraureuth.de www.slf-fraureuth.de SLF.indd 1 29.09.2016 08:22:57 antriebstechnik 11/2016 83

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