Aufrufe
vor 2 Jahren

antriebstechnik 11/2016

antriebstechnik 11/2016

SUMMER of DAS HIGHLIGHT

SUMMER of DAS HIGHLIGHT DES JAHRES 2016 ENGINEERING SUMMER OF ENGINEERING ZU GAST BEI IGUS INNOVATION-SCOUTS AUF DER SPUR VON INDUSTRIE 4.0 Im Sommer 2016 ging unsere Redaktion auf Deutschland-Tour, um mehr über Industrie 4.0 und die vernetzte Produktion zu erfahren. Eine Station dieser Roadshow führte uns zum Hersteller von Energiekettensystemen und Polymer-Gleitlagern igus in Köln. Tauchen Sie mit uns ein in die Welt der Smart Plastics. SUMMER of ENGINEE- RING ist aber noch viel mehr. In unserem Blog und in unseren Social-Media-Kanälen berichten wir über Ideen, Visionen und Umsetzungen in Sachen Industrie 4.0. Was sagen Experten? Welche Umsetzungen gibt es bereits? Was verstehen verschiedene Berufsgruppen unter diesem Thema? Wie wird sich die Arbeitswelt verändern? Welche konkreten Aufgaben sind zukünftig zu lösen? Lassen Sie sich von den Artikeln und Videos überraschen und inspirieren. Gerne dürfen Sie auch Ihren Kommentar hinterlassen oder uns einfach nur liken, posten und empfehlen. www.summer-of-engineering.de SMART PLASTICS FOR LONGER LIFE Was haben Kunststoffe mit Industrie 4.0 zu tun? SUMMER OF ENGINEERING Dirk Schaar Das Unternehmen igus befasst sich seit über 50 Jahren mit Kunststoffen für die Bewegung in der Industrie. Was aber haben Kunststoffe mit Industrie 4.0 zu tun? Das wollte ich bei meinem Besuch in Köln herausfinden. Eine spannende Reise durch die Welt der Kunststoffe hat mich erwartet. Isch mööch zo Fooß noh Kölle gon – so formulierte es einst der Liedermacher Willi Ostermann in seinem populären Mundartlied in kölschem Dialekt, das immer noch als inoffizielle Kölner Stadthymne gilt. Ich habe mich aber nicht zu Fuß nach Köln aufgemacht, sondern bin mit meinem Tretroller angetreten, um die großen Distanzen durch die igus-Produktion heute schneller zu überbrücken. Denn hier auf meinem Weg möchte ich nicht nur mehr über die neuesten Kunststoffprodukte erfahren, sondern vor allem mehr über die Philosophie von igus, die man in Sachen Industrie 4.0 verfolgt. Wie kann man also Hochleistungs-Kunststoffe durch integrierte Sensoren fit machen für die Fabrik der Zukunft? INTELLIGENZ IN DIE WIEGE LEGEN Motion Plastics sind Hochleistungskunststoffe für die Bewegung. Sie sind seit vielen Jahren in den weltweit unterschiedlichsten Applikationen im Einsatz, z.B. bei Regen, Salz, extremen Temperatu- ren. Sie sind resistent gegen Öl oder Chemikalien, sind leichter, dynamischer, energieeffizienter als vergleichbare Lösungen und dazu noch günstig. Reichten diese Fähigkeiten bisher in den meisten Anwendungsfällen aus, kommen im Zeitalter von Industrie 4.0 und vernetzter Produktion ganz neue Herausforderungen auf den Spezialisten igus zu. Daher ist das Kölner Unternehmen nun den nächsten Schritt gegangen: intelligente Smart Plastics. Das Ziel ist klar: Die vorausschauende Wartung der Produkte soll noch einfacher werden und die Kosten in der Produktion der Zukunft sollen weiter gesenkt werden. Die Anforderungen des Kunden kennt auch igus-Geschäftsführer Frank Blase: „Wir wollten dem Wunsch vieler Kunden nach verbesserter Aussage fähigkeit zu Wartungsintervallen oder Ausfallwahrscheinlichkeiten unserer Produkte nachkommen. Das haben wir mit unseren neuen Smart Plastics erreicht.“ Basis für die neuen Entwicklungen sind dabei die umfangreichen Tests im 2 750 m² großen Testlabor hier in Köln. So sind die Entwickler bereits seit vielen Jahren in der Lage, genaue Aussagen über die Lebensdauer der Motion Plastics zu treffen. „Die notwendige Intelligenz ist ihnen insofern in die Wiege gelegt, als dass unser Labor die Geburtstätte unserer Produkte ist und sie die Intelligenz in Form von Testdaten erhalten. Diese Daten und alle, die im Leben des Produkts weiter dazu kommen, können den Produkten jetzt digital mitgegeben werden." DEN AUSFALL VORHERSAGEN Noch ein Tritt und ein paar Meter und ich bin am nächsten Ziel angekommen. Hier im Testlabor treffe ich Harald Nehring, Prokurist E-Kettensysteme bei igus, der mir sicherlich genau sagen kann, was nun die Kunststoffe mit Industrie 4.0 zu tun haben: „Jede Menge sogar. Auf der einen Seite kommen mittlerweile in der Produktion der Kunststoffe sowie auch bei deren Vertrieb intelligente und vernetz- 120 antriebstechnik 11/2016

01 Chefredakteur Dirk Schaar im Gespräch mit igus-Geschäftsführer Frank Blase (rechts) te Automatisierungssysteme zum Einsatz. Auf der anderen Seite ist es unser Ansatz, die Intelligenz, die Industrie 4.0 mit sich bringt, direkt in unsere Produkte zu integrieren.“ Wie das geht? Ganz einfach: Die isense Produktfamilie umfasst unterschiedliche Sensoren und Überwachungsmodule. Sie erfassen im laufenden Betrieb den Verschleiß und geben Alarm, sobald eine Reparatur oder ein Austausch erforderlich ist. Werden Messwerte überschritten, weisen die intelligenten Produkte frühzeitig auf den notwendigen Austausch hin. Durch die Vernetzung mittels des igus Communication Moduls icom erfolgt danach die direkte Integration z. B. in die jeweilige unternehmensweite Infrastruktur. „Ab da entscheidet der Kunde dann selbst, wie mit den Daten umgegangen werden soll“, weiß Harald Nehring. Eine optionale Anbindung an das igus Datacenter eröffnet zukünftig weitere Möglichkeiten: individuelle Lebensdauerberechnung und Optimierung der Geschäftsprozesse. Hierzu gehören z. B. Wartungsbeauftragung oder Ersatzteilbestellung. Durch permanente Zustandsmessungen und das Gegenrechnen mit den Parametern der Anlage sowie den tausenden Versuchsdaten aus dem Testlabor lässt sich so auch im Realbetrieb das reibungslose Funktionieren zuverlässig vorhersagen. Die Vorteile liegen für Harald Nehring jedenfalls auf der Hand: „Dank unserer Smart Plastics steigt die Anlagenverfügbarkeit und die Wartungskosten sinken. Verlängerte Lebensdauer, reduzierter Energieverbrauch und erhöhte Sicherheit sind die weiteren Vorteile.“ VON KETTE BIS LEITUNG Im Rahmen von isense hat igus bereits drei intelligente Produkte vorgestellt: Energieketten, Linearlager und Leitungen. Bei der intelligenten Energiekette wird der Abnutzungszustand laufend durch einen eingearbeiteten Sensor-Chip überwacht. Ist der Abrieb so weit fortgeschritten, dass sich die Lebensdauer der e-kette dem Ende zuneigt, meldet der Chip dieses. Eine rechtzeitige Reparatur bzw. ein Austausch lassen sich planen und Ausfallzeiten werden minimiert. Hierzu stehen in der isense-Familie Module zur Überwachung der Zug-/Schubkräfte von Energieketten und zur Bruchermittlung eines Kettenglieds durch Fremdkörper oder Vandalismus zur Verfügung. Ein im Kunststoff des Linearlagers integrierter, nachrüstbarer Sensor meldet mittels Funk-Technologie, wenn der Verschleiß den Ausfall einer Linearführung wahrscheinlich werden 02 Harald Nehring (rechts) erklärt mir die Funktionsweise von isense 03 Rainer Rössel: „Leitungen werden die zentrale Rolle bei Industrie 4.0 spielen“ VIDEO Mehr zu Smart Plastics und unsere Tour durch die igus-Fabrik erfahren Sie auch in unserem Video: http://bit.ly/SOE2016_igus antriebstechnik 11/2016 121

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe