Aufrufe
vor 2 Jahren

antriebstechnik 11/2015

antriebstechnik 11/2015

ANTRIEBE 4.0 I SPECIAL

ANTRIEBE 4.0 I SPECIAL „Antriebe kommunizieren intelligenter“ Wie ein Unternehmen die Anforderungen von Industrie 4.0 umsetzt Im Jahr 2013 wurde der „Antrieb 4.0“ geprägt und seitdem ist viel passiert. Im Interview erläutert Frank Maier, Vorstand Innovation bei Lenze SE in Aerzen, welche Fortschritte die Antriebstechnik gemacht hat, welchen Ansatz das Unternehmens heute für seine Produkte wählt und wie der Antrieb der Zukunft aussehen muss. Frank Maier, 2013 haben Sie im Interview mit uns gesagt, dass es für Sie zwei Ansätze für Industrie 4.0 gibt: „Der eine geht davon aus, dass ich die Welt messe. Der zweite geht davon aus, dass ich die Welt kenne und daher über Know-how in der Steuerung reagiere und nicht im einzelnen Netzknoten.“ Hat sich daran etwas geändert? Nein, daran hat sich nichts geändert. Die damals umrissenen Schwierigkeiten, die entstehen, wenn man die Welt vermessen wollte, sind immer noch dieselben. Würden wir jeden einzelnen Messpunkt mit Sensoren ausstatten und dann die 01 i500 kommuniziert nicht nur mittels Keypad, auch drahtlose Kommuni kation ist über das WLAN-Modul möglich Veränderungen in der Messung interpretieren wollen, hätte das zwei Effekte: Zum einen bräuchten wir viele, viele Kabel, um die ganzen Knoten miteinander zu verbinden – im einfachsten Falle ist das zu teuer. Gut, es gibt auch drahtlose Alternativen, doch die sind auch nicht günstig. Zum anderen würden wir auch zu viele Daten erheben, die wir gar nicht brauchen – nicht handlungsrelevante Daten oder Datenhybris wären die Folge. Ein Beispiel: Viele unserer Kunden, u. a. aus der Verpackungsindu strie, müssen z. B. Papier, Folie oder Pappe schneiden. Wenn ich die Welt der Maschine nicht kenne, dann packe ich einen Sensor an das Messer, der mir irgendwann mitteilt, dass das Messer aufgrund von akuter Abstumpfung aus gewechselt werden möchte. Allerdings kennen wir die Maschine und wir wissen, dass wenn sich im Inverter für die Schneideapplikation etwas verändert, wird das etwas mit dem Messer zu tun haben – je stumpfer das Messer, je höher der Energieverbrauch. Also scheint die Welt doch relativ einfach zu sein – warum dann ein solcher Hype? Das fragen wir uns auch. Im Ernst, es geht ja nicht darum, irgendwie eine intelligente Produktion auf die Beine zu stellen, sondern das geschieht ja unter Neben - bedingungen. Diese sind zum einen die Ressourceneffizienz, insbesondere die Energie- und Rohstoffeffizienz, und zum anderen die Assistenz für den Menschen. Und hier liegt die große Herausforderung. Wir verneinen nicht die Komplexität, aber es gilt, sie so zu „verstecken“, dass sie handhabbar bleibt und dem Anwender Nutzen bringen kann. Welchen Ansatz wählt denn Lenze heute für sich als Unternehmen? Und warum? Wir kennen die Welt. Schon vor einigen Jahren haben wir uns in unserem Tätigkeitsfeld auf den Mittelständischen Produktionsmaschinenbau und darin besonders die Branchen der Produzenten für Consumer Goods Maschinen, der Intra logistik und der Automobilproduktion fokussiert. Die Herausforderungen innerhalb einer Branche sind relativ ähnlich und so können wir dadurch, dass wir schon viel gesehen und erfahren haben und somit schon viel kennen, unseren Kunden einen echten Mehrwert bieten. Damit sind wir auch schon mittendrin im „Antrieb 4.0“. Seitdem das Thema 2013 zur Hannover Messe erstmals geprägt wurde, hat sich einiges getan. Wo sehen Sie die meisten Fortschritte in der Antriebstechnik? Die Antriebe werden nicht intelligenter, aber sie kommunizieren intelligenter. Auf 126 antriebstechnik 11/2015

der kommenden SPS/IPC/Drives in Nürnberg stellen wir unsere neue Generation von Frequenzumrichtern vor. Die machen einige Dinge ganz schön intelligent. Dazu gehört z. B. das Thema der Kommunikation mit dem Nutzer der Maschine. Wir konzentrieren uns hier auf schon Vorhandenes aus anderen Bereichen des Lebens wie Smartphones oder Tablets und die damit einhergehenden Tech nologien. Darüber hinaus werden die Antriebe natürlich besser im Sinne von präziser auf einen bestimmten Motor einstellbar. Selbstverständlich werden sie auch effizienter – sonst wären wir ja nicht bei Industrie 4.0. Sind diese schon beim Kunden angekommen und wie ist die Akzeptanz und Nachfrage? Seit 2013 vermarkten wir den Lenze Smart Motor, wenn Sie so wollen, der erste wirkliche Industrie 4.0-Motor. Der ist schon zehntausendfach beim Kunden – Tendenz steigend. Es folgt jetzt der neue Inverter, i500. Die Kunden, die ihn schon testen, sind sehr angetan. Immer wieder hört man Aussagen wie: „Jedes Unternehmen muss seinen Weg zu Industrie 4.0 selbst definieren und eine geeignete Lösung finden.“ Was bedeutet denn das für einen Hersteller von Antrieben wie Lenze? Wie müssen Sie also auf den Kunden in Zukunft reagieren? Da verändert sich nun wirklich nichts. Wir haben immer für uns in Anspruch genommen, ein innovatives, aber marktorientiertes Unternehmen zu sein. Verändert sich der Markt oder verändern wir den Markt, dann verändern wir uns natürlich mit. Dafür braucht man Industrie 4.0 allerdings wirklich nicht. Wie muss denn für Sie letztlich der Antrieb 4.0 in Zukunft aussehen? Der Antrieb 4.0 wird flexibler sein, jedoch ohne Produktivitätsverluste. Er wird einfacher zu bedienen sein. Er wird effizienter sein. Das alles erreicht er dadurch, dass er intelligenter wird, allerdings in vielen Dimensionen: intelligentere Art und Weise der Kommunikation mit dem Nutzer, der Kommunikation mit anderen Teilen der Maschine oder anderen Antrieben, intel ligentere Art der Installation oder der Optimierungsmöglichkeiten und der Servicefreundlichkeit. Den ersten Schritt dahin können Sie, wie gesagt, Ende November bei Lenze auf der Messe sehen. www.lenze.com DRIVEN TO PERFECTION Komplette Antriebssysteme Mehrachs-Motion Controller High Performance Servoantriebe Dynamische Servomotoren 02 Die Kombination aus Lenze Smart Motor und Getriebereihe führt zu einer Verschmelzung der Intelligenz einer elektronischen Ansteuerung mit der Einfachheit eines Netzmotors Integrierte, geregelte Schrittmotoren Besuchen Sie uns Halle 1 - 420 info@servotronix.com +49 2153 1398586 www.servotronix.com

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe