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antriebstechnik 10/2018

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MAGAZIN I INTERVIEW

MAGAZIN I INTERVIEW „Jeder möchte ein Stück vom Kuchen abbekommen“ Servotecnica fasst Fuß auf dem deutschen Markt: Ein Interview mit Christian Becker Das Familienunternehmen Servotecnica aus der Lombardei hat sich in den vergangenen 30 Jahren als Partner des Maschinenbaus einen Namen erarbeitet. Die für die Automation optimierten Schleifringe und mechatronischen Antriebsprodukte kommen in der Robotik ebenso, wie in Verpackungsmaschinen, der Medizin- oder der Verteidigungstechnik zum Einsatz. Seit Anfang des Jahres 2017 ist das Unternehmen mit einer eigenen Niederlassung auch in Deutschland aktiv. Im Interview sprechen wir mit General Manager Christian Becker über die Besonderheiten des deutschen Markts, Produkte und die Zukunft. Herr Becker, als Familienunternehmen aus der Lombardei hat sich Servotecnica in den vergangenen 30 Jahren als Partner des Maschinenbaus, anfangs insbesondere in Italien, einen Namen gemacht: Wie sieht das denn in Deutschland aus? Die Servotecnica GmbH ist seit Anfang 2017 in Deutschland aktiv. In Italien ist das Unternehmen mit fast 30 Millionen Euro Jahresumsatz und mehr als 50 Mitarbeitern sehr erfolgreich. Insofern war es nur konsequent, nun auch nach Deutschland, als den größten Maschinenbaumarkt in Europa, zu expandieren. Was macht den deutschen Markt für Servotecnica so besonders? Deutschland bietet innerhalb Europas das größte Potenzial. Wir waren von vornherein davon überzeugt, dass unsere Produkte auch bei deutschen Maschinenbauern gefragt sein werden – gerade weil wir in Italien damit so erfolgreich sind. Gleichzeitig ist der Wettbewerb in Deutschland allerdings härter als in anderen EU-Staaten. Jeder möchte ein Stück vom Kuchen abbekommen. Die Produkte von Servotecnica sind in erster Linie mechatronische Antriebsprodukte, die unter anderem in der Robotik zum Einsatz kommen. Was ist das Geheimnis hinter diesen Entwicklungen und welche Einsatzbereiche decken Sie mit den Antriebsprodukten ab? Wir vertreiben in Deutschland neben den typischen Antriebskomponenten wie Motoren und Getrieben auch Schleifringe und Drehübertrager aus dem Hause Servotecnica. Das Schöne an diesen Produkten ist, dass sie nicht nur im typischen Maschinenbau eingesetzt werden. Verwendung finden sie auch in Applikationen wie Drehtüren, beweglichen Tischen und Sitzen oder in der Eventbeleuchtung. Im Maschinenbau selbst ist der Anwendungsbereich ebenfalls breit gefächert. Unsere Produkte bewähren sich in der Verpackungsbranche genauso wie in der Medizintechnik oder im Verteidigungsbereich. Wodurch unterscheiden sich Ihre Produkte denn vom Wettbewerb? Der Markt in Deutschland ist sehr gesättigt. Deshalb müssen wir uns von den regionalen, aber auch internationalen Herstellern aus Asien oder den USA unterscheiden und abheben. Im Bereich der Schleifringe und der Drehübertrager legen wir Wert auf höchste Qualitätsstandards. Der Grundkörper der Schleifringe wird in Asien gefertigt, die Veredelung und das Qualitätsmanagement finden in Italien statt. Nur dadurch ist es uns möglich, qualitativ hochwertige Produkte zu attraktiven Preisen anzubieten, die auf dem Markt gut angenommen werden. Des Weiteren haben wir die Möglichkeit, unsere große Auswahl an Produkten zu veredeln, sprich mit kundenspezifischen 12 antriebstechnik 10/2018

INTERVIEW I MAGAZIN Nach seinem Elektrotechnik-Studium war Christian Becker von 2002 bis 2007 als Sales Engineer und Sales Manager bei Sanyo Denki verantwortlich für den Vertrieb in Europa bzw. der DACH-Region. Von 2006 bis 2016 baute er als Sales Manager bei der Exlar Europe GmbH u. a. das europäische Vertriebsnetzwerk für die elektromechanischen Stellzylinder auf 02 Servotecnica produziert ein umfassendes Sortiment an elektrischen Schleifringen, das für jeden Einsatzfall eine Lösung parat hat 01 Die kombinierten Drehübertrager ermöglichen den Transport von Flüssigkeiten und Gasen Kabeln und Steckern auszustatten und grundlegende mechanische Änderungen am Schleifring vorzunehmen. Zudem bieten wir dank strategischer Partnerschaften auch Drehübertrager für Fluide und optische Übertragungen an, was nur wenige Mitbewerber können. Bei den Motoren in unserem Portfolio gestaltet sich die Situation ähnlich. Die von uns selbst in Italien produzierten Motoren sind qualitativ hochwertig und technologisch auf dem neuesten Stand. Es ist nicht unsere Absicht, in diesem Bereich mit den großen Playern auf dem Markt zu konkurrieren. Für uns sind auch Stückzahlen von 5 bis 50 interessant, wenn das Projekt eine Herausforderung für uns ist. Wir bieten in unserem Katalog eine breite Auswahl unterschiedlicher Motoren, kommen aber traditionell aus dem kundenspezifischen Segment. Sprich, wir bauen dem Kunden einen individuellen Motor, der seinen Anforderungen entspricht. Daraus ist über die Jahre eine Auswahl an Motoren entstanden, die wir als „Standard“ produzieren und vertreiben. Kurz gesagt: Wir bieten dem Kunden Motoren, die elektrisch sowie mechanisch zu 100 Prozent anpassbar sind. Welche Mehrwerte bieten sich dem Anwender, wenn er Produkte aus Ihrem Hause nutzt? Neben den bereits genannten Punkten Qualität, Preis und Anpassbarkeit war es für das Mutterwerk in Italien wichtig, auf dem deutschen Markt auch geografisch präsent zu sein. Deshalb wurde 2016 die Servotecnica GmbH mit unserem Büro im Rhein-Main-Gebiet gegründet. Das ist im Übrigen auch ein Unterscheidungsmerkmal von Unter nehmen, die ihr Business vom Mutterwerk aus führen und somit keinen richtigen Pre- oder Aftersales-Support bieten. Wenn ein Kunde bei uns anruft, erreicht er einen deutschsprachigen Mitarbeiter. Unsere Webseite ist auf Deutsch verfügbar. Von der Dokumentation bis zum Angebot, Auftragsbestätigung und Rechnung fertigen wir alle Unterlagen in der Landessprache an. Parallel können wir aber auf 30 Jahre Erfahrung im Bereich Antriebstechnik zurückgreifen und haben den direkten Kontakt zu mehr als 20 Ingenieuren und Entwicklern in Italien. Wir bieten den Kunden sozusagen das Beste aus beiden Welten. Herr Becker, wie stark ist Servotecnica gegenüber dem Wettbewerb? Wie ordnen Sie das für sich ein? Im Moment sind wir auf dem deutschen Markt noch ein Newcomer. Wir investieren viel in unsere Präsenz in den einschlägigen Magazinen und im Internet, sprich Google-Ranking und Website. Dadurch verstärkt sich unsere Sichtbarkeit und die Qualität der Leads wird von Monat zu Monat besser … Trotzdem muss man sich vor Augen halten, dass Rom nicht an einem Tag erbaut wurde: Die Kollegen in Italien haben auch drei Jahrzehnte gebraucht, um ihren derzeitigen Status zu erreichen. Und der deutsche Markt wird es Servotecnica bestimmt nicht leichter machen. Trotzdem bin ich positiv gestimmt und sicher, dass wir auch hier erfolgreich sein werden. Blicken wir noch in die Zukunft: Welche Ziele verfolgen Sie langfristig mit dem Unternehmen Servotecnica, vor allem bezogen auf den deutschen Markt, und was darf der Anwender technologisch erwarten? Derzeit vertreiben wir erst zwei Produktlinien von Servotecnica, die Schleifringe/ Drehübertrager und die Motoren. Das mittelfristige Ziel ist es natürlich, das Produktportfolio auszubauen um damit eine größere Zielgruppe anzusprechen. Nichtsdestotrotz möchten wir uns hier in Deutschland vorwiegend auf eigene Produkte konzentrieren, sprich Komponenten, die von uns selbst hergestellt werden. Langfristig verfolgen wir natürlich das Ziel, genauso erfolgreich zu werden wie unsere Muttergesellschaft in Italien. Die Fragen stellte Marie Krueger aus der Redaktion antriebstechnik. Fotos: Servotecnica www.servotecnica.com/de antriebstechnik 10/2018 13

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