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antriebstechnik 10/2017

antriebstechnik 10/2017

STEUERN UND

STEUERN UND AUTOMATISIEREN Perfekt verstreckt Integrierte Antriebslösung macht Faserproduktion flexibler und produktiver Die Märkische Faser GmbH stellt seit über 50 Jahren unterschiedliche Produkte aus Polyesterfasern her. Um auch auf spezielle Anforderungen des Marktes weiterhin schnell reagieren zu können, modernisierte das Unternehmen vor kurzem gemeinsam mit Siemens die Antriebstechnik in zwei seiner Faserlinien mit einer modernen und integrierten Lösung. Lesen Sie mehr. Vor den Toren Berlins in Premnitz betreibt die Märkische Faser GmbH eine der bedeutendsten Produktionen für Chemiefasern Deutschlands. Die sieben Produktionslinien liefern pro Jahr rd. 55 000 t Faserprodukte, die z. B. in Autoverkleidungen, in Hygieneprodukten über Funktionsbekleidung bis hin zu Filtern für industrielle Anwendungen vorkommen. Eberhard Brack, geschäftsführender Gesellschafter der Märkische Faser GmbH: „Es ist unser Bestreben, auf dem globalen Textilmarkt eine aktive und verantwortungsvolle Position als Produzent von Spezial-Fasern einzunehmen und dadurch die regionalen Arbeitsplätze zu sichern.“ Bereits 1919 wurden am Standort Viskosefasern und Kunstseide produziert, 1942 wurden Fasern aus Polyamid entwickelt und 1953 die ersten Versuchsanlagen für die Polyesterfaserherstellung in Betrieb genommen. Seit 1961 werden in Premnitz unter dem Markennamen Grisuten Polyesterfasern im industriellen Maßstab hergestellt – ein Produkt, mit dem das Unternehmen heute zu einem der führenden Produzenten in Europa gehört. Umfangreiche Modernisierung Ute Forstner ist Marketing Manager für chemische Industrie der Siemens AG in Karlsruhe Damit das Unternehmen seine Position auf dem Textilmarkt weiter festigen und ausbauen kann, investiert das Unternehmen in das Know-how seiner Mitarbeiter, aber auch in moderne Technologien in der Produktion. So wurde vor kurzem die Antriebstechnik in zwei der sieben Faserstraßen komplett modernisiert und die bestehende Lösung mit einem Gleichstrommotor mit Königswelle auf Servo- Einzelantriebe mit Verbundsteuerung umgestellt. Mit der neuen Antriebslösung wollte das Projektteam die Flexibilität in der Linie erhöhen. Zum anderen war die vorhandene Technik schon etwas in die Jahre gekommen, sodass es Schwierigkeiten bei der Ersatzteilversorgung gab. Um konkurrenzfähig zu sein, müssen die Straßen hochproduktiv arbeiten, daher war das Risiko eines Ausfalls nicht tragbar. Und schlussendlich kann das Projektteam mit der neuen Technik auch die Produktionsgeschwindigkeit weiter erhöhen. Um einen problemlosen Projektablauf im Vorfeld sicherzustellen, suchten die Verantwortlichen nach einem Partner für die Antriebstechnik, der nicht nur das komplette Paket für die Modernisierung inklusive Antriebe, Getriebe, Kupplungen, Schalttechnik liefern konnte, sondern auch entsprechenden Support bei der Projektierung der Antriebsapplikation und Inbetriebsetzung bot. Am Ende konnte Siemens den Auftrag gewinnen. Beide Unternehmen arbeiten bereits seit Jahren im Bereich Energie- und Antriebstechnik zusammen. Zu- 50 antriebstechnik 10/2017

STEUERN UND AUTOMATISIEREN 01 Polyesterfasern unter dem Markennamen Grisuten kommen in vielen Industrieprodukten zum Einsatz 02 Im Schaltschrank sind die Komponenten übersichtlich untergebracht und gleichzeitig gegen die rauen Produktionsbedingungen geschützt sätzlich stand mit dem Systemintegrator IAT auch ein erfahrener Partner für die Anbindung der neuen Antriebstechnik an die vorhandene Automatisierungstechnik zur Verfügung, der ebenfalls schon mehrere Projekte für die Märkische Faser GmbH umgesetzt hatte. Lösung aus einem Guss Die Konzeption startete im September 2014. Gemeinsam mit dem Projektteam des Faserherstellers erarbeitete Siemens eine Komplettlösung auf Basis von Integrated Drive Systems, die eine bessere Performance der Faserlinie ermöglicht, die Anlagenverfügbarkeit und die Maschinengeschwindigkeit erhöht und auch auf lange Sicht reparatur- und servicefähig bleibt. Eine weitere Anforderung war, dass die neue Lösung mit möglichst kurzen Stillstandszeiten implementiert werden musste, um die Auswirkungen auf die Produktion so gering wie möglich zu halten. Für die Faserstraße 7, mit der die Modernisierung startete, konzipierte das Projektteam eine neue Antriebslösung aus fünf Simotics M Servomotoren mit je einem Sinamics S120 Umrichter, einem Smart Line Modul zur Energierückgewinnung, drei Wärmetauschern mit Rückkühlern sowie den auf die Anlage abgestimmten Flender Getrieben und Kupplungen. Nach der Abwicklung des ersten Projektes machte sich Siemens dann an das zweite Projekt: Den Umbau der Königswelle auf Einzelantriebe der Faserstraße 1, wo ebenfalls eine Antriebslösung auf Basis von Integrated Drive Systems implementiert wurde. In dieser Linie besteht die Lösung aus neun Simotics M Motoren des Typs 1PH8, ebenfalls mit Sinamics S120 Frequenzumrichtern und Flender Getrieben und Kupplungen. Die Siemens-Experten im Application Center in Chemnitz legten die Komponenten so aus, dass sie ausreichend Reserven für einen weiteren Ausbau der Produktivität bieten und den rauen Bedingungen in der Faserproduktion mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, hohen Temperaturen und einer großen Staubbelastung Stand halten können. Dabei nutzte das Team auch das spezielle Antriebs-Know-how und die Projektleitungsexpertise weiterer Siemens-Bereiche und koordinierte die Aufgaben von IAT, die im Auftrag von Siemens die neue Antriebslösung in die existierende Automatisierungslandschaft bei der Märkische Faser GmbH integrierte. Neben dem Hardwareengineering übernahm Siemens die Services für das Applikationsengineering und lieferte die schlüsselfertige Schaltanlage. Der mechanische Umbau wurde von den Mitarbeitern der Märkische Faser GmbH problemlos durchgeführt. Beide Projekte wurden innerhalb des geplanten Kosten- und Zeitrahmens von zwei Jahren abgeschlossen. Die neuen Lösungen für beide Faserstraßen fügen sich nun nahtlos in den Anlagenverbund in der Produktion ein. Vielfältige Vorteile im Betrieb Schon kurz nach der Inbetriebnahme zeigen sich die Vorteile der integrierten Antriebslösung. Die Faserlinien sind flexibler als bisher, da Parameter wie das Verstreckungsverhältnis während der Fahrt geändert werden können. Auch die Verfügbarkeit ist höher als früher und die Anlagen lassen sich aufgrund der harmonisierten Systemlandschaft einfacher warten und instand halten. Noch dazu sind die Antriebe in das System zur Energiedatenerfassung integriert, sodass der Hersteller auch in dieser Hinsicht weitere Optimierungsmöglichkeiten hat. www.siemens.de

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