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antriebstechnik 10/2016

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ELEKTROMOTOREN Optimale

ELEKTROMOTOREN Optimale Akustik Maßgefertigte Motorenbauteile für die neue Generation von Martin-Hörnern Thomas Georg Wurm Tatütata! Jedes Kind weiß, dass sich Polizei, Feuerwehr und Notarzt mit dieser Tonfolge ihren Weg bahnen. Verantwortlich für die durchdringenden Warnsignale sind die sogenannten Martin-Hörner, welche vor gut 80 Jahren entwickelt wurden und bis heute gefertigt werden. Dabei kommen schon seit vielen Jahrzehnten Motorenbauteile eines Viersener Unternehmens zum Einsatz. Thomas Georg Wurm ist Vertriebs- und Marketingleiter der Groschopp AG sowie Geschäftsführer der Groschopp Vertriebsgesellschaft mbH in Viersen Der Grundstein für die Deutsche Signal- Instrumentenfabrik Max B. Martin wurde 1880 gelegt. Gefertigt wurden damals Rufund Jagdhörner sowie Kavallerie- und Fanfaren-Trompeten für zwei- oder viertönige Signale. 1932 entwickelte die Deutsche Signal-Instrumentenfabrik zusammen mit Feuerwehr- und Polizeidienststellen ein Horn, das als Sondersignal für bevorrechtigte Wegebenutzer gesetzlich vorgeschrieben wurde. Seit dieser Zeit besteht die geschützte Wortmarke „Martin-Horn“. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden diese Signalhörner für Einsatzfahrzeuge ausschließlich von der Deutschen Signal-Instrumentenfabrik hergestellt. Heute produziert Max B. Martin am Standort Philippsburg nach wie vor Martin- Hörner für Feuerwehr, Rettungs- und Sondereinsatzfahrzeuge. Das Sortiment umfasst aber auch Nebelhörner für den Schiffsbau 01 Die neueste Generation von Martin-Hörnern ist besonders klein sowie leicht und liefert dennoch die notwendige Leistung 46 antriebstechnik 10/2016

ELEKTROMOTOREN sowie Signalanlagen und Pausenwarnsignale, die in Industrieanlagen aller Art eingesetzt werden. Nicht zuletzt fertigt das Unternehmen Signalgeber für CO 2 -Lösch- und Sprinkleranlagen. Immer den richtigen Ton treffen Bei den Martin-Hörnern hat sich erst vor Kurzem ein Entwicklungsschritt vollzogen: Das Modell 2297 GM wurde Anfang 2014 durch den Typ 2298 GM ersetzt. Das neu entwickelte Martin-Horn ist 1 kg leichter, hat ein um 40 % reduziertes Einbauvolumen und verursacht weniger Motorengeräusche. Die Leistung hingegen ist gleich geblieben – genauso wie der charakteristische Ton. „Für ein Martin-Horn typisch sind die vier Membran-Schallbecher mit tremolierender Abstimmung für einen zusätzlichen Warneffekt. Die Töne und deren Folge passen wir länderspezifisch an“, erläutert Martin Brender, Geschäftsführer von Max B. Martin. „Wir liefern unsere Martin-Hörner u. a. nach Österreich, Holland, Schweden und Belgien sowie in die Schweiz.“ Damit die Warnsignale auch wirklich den richtigen Ton treffen, werden sie vor Auslieferung im hauseigenen Akustiklabor gestimmt – denn die Erzeugung der Töne ist ein komplexerer Prozess als man denken mag, so Martin Brender: „Alles muss passen – von der Luftzufuhr bis zur Drehzahl des Motors.“ Technisch gesehen besteht ein Martin- Horn aus den Schallbechern und einem Elektrogebläse. Die Entwicklung und Fertigung der Komponenten erfolgt grundsätzlich im Unternehmen selbst – bis auf wenige Ausnahmen: Schon seit vielen Jahrzehnten bezieht Max B. Martin Motorenbauteile von Groschopp. „Qualität hat bei uns oberste Priorität, deshalb fertigen wir so viel wie möglich selbst“, betont Martin Brender. „Die Kooperation mit Groschopp ist diesbezüglich eine Ausnahme, die sich aber schon seit sehr langer Zeit bewährt.“ Kundenspezifisch ausgelegte Motorenbauteile Konkret liefert der Viersener Motoren-Spezialist das Polringgehäuse inkl. Stator, ein Lagerschild-BS, Kommutatorläufer, Spulen sowie die Druckplatte zu. Diese Komponenten kommen nicht von der Stange, sondern sind kundenspezifische Sonderlösungen. „Das ergibt sich schon daraus, dass wir es hier mit Niederspannungen von 12 bzw. 24 V zu tun haben“, erklärt Joachim Michen, Produktmanager bei Groschopp. „Andererseits müssen diese Bauteile aufgrund ihres speziellen Einsatzbereiches auch eine Reihe von Normen und Zulassungen erfüllen.“ Die Groschopp-Komponenten kombiniert Max B. Martin mit eigenen Bauteilen und baut so den Motor der Martin-Hörner. Konkret wird auf das Schleudergebläse noch eine Kammer aufgesetzt, in der sich ein Kreisel mit drei Kreiselmessern befindet. Wenn der Motor angeschaltet wird, setzt sich das System in Bewegung und baut einen Druck auf. „Dieser Druck wird dann über Schläuche an die jeweiligen Membranschalter weitergegeben“, erläutert Martin Brender. „So funktionieren alle Martin-Hörner. Wir sprechen hier von einer reinen Tonfolgeanlage, bei der verschiedene Töne zu unterschiedlichen Zeiten abgegeben werden.“ Gesteuert wird diese Tonfolge über eine eigens entwickelte Steuereinheit, die im Gebläsedeckel untergebracht ist. Kleiner und leichter – bei gleicher Leistung Das Gesamtsystem wurde in enger Abstimmung mit Groschopp konzipiert und unterliegt einer kontinuierlichen Weiterentwicklung. Zuletzt arbeitete man zwei Jahre lang zusammen am Elektrogebläse für das neue Martin-Horn 2298 GM. „Weil das Modell deutlich leichter und kompakter ist, mussten wir auch bezüglich der von uns gelieferten Komponenten umdenken“, beschreibt Joachim Michen die Entwicklung. Es galt, trotz der deutlich reduzierten Baugröße die gleiche Leistung zu bewahren – eine Herausforderung, die die Spezialisten gerne annahmen: „Wir optimierten sowohl den Blechschnitt als auch die Wicklungsauslegung. Letzteres unter Berücksichtigung der EMV, sodass Max B. Martin auf möglichst wenige Bauteile zurückgreifen muss. Zudem entstand in enger Zusammenarbeit ein neues Gehäuse inklusive einer verbesserten Lüftung.“ Mit diesen Maßnahmen ließen sich die Anforderungen von Max B. Martin erfüllen. „Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich mit unserer jahrzehntelangen Anwendungserfahrung und großen Fertigungstiefe auch bei sehr besonderen Anwendungen das gewünschte Ziel erreichen lässt“, so Joachim Michen. Groschopp hat sich auf maßgefertigte Systeme spezialisiert und bietet seinen Kunden Motoren, Getriebe und Regler, die im Normalfall auf den Standardprodukten des Unternehmens basieren und gemäß der individuellen Spezifikationen angepasst werden. Dabei sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt – so realisieren die Viersener auch ausgefallene Bauformen und verwenden besondere Materialien. Auch komplett neue Konstruktionen sind möglich: Die Entwicklungsabteilung ist direkt im Haus angesiedelt und verfügt über moderne Tools, einen speziell eingerichteten Musterbau und ein eigenes Labor. Groschopp liefert alles aus einer Hand, sodass eine flexible und effiziente Abwicklung der Projekte stets gewährleistet ist. Fotos: Aufmacher Fotolia, 01 + 02 Max B. Martin GmbH & Co. KG www.groschopp.de 02 Die Martin-Hörner werden u. a. in die Schweiz geliefert, so auch die Sonderlösung für die Schweizer Alpenpost 03 Die Motorenbauteile lassen sich mit Niederspannungen von 12 bzw. 24 Volt betreiben antriebstechnik 10/2016 47

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