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antriebstechnik 1-2/2018

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DRIVES GOING GLOBAL I

DRIVES GOING GLOBAL I SPECIAL Die Stärken der Gruppe nutzen Rüdiger Knevels ist General Manager bei Rollon International in Düsseldorf Rollon ist laut eigener Aussage einer der weltweit führenden Komplettanbieter für Linearbewegungskomponenten. Was macht das Unternehmen so stark, um sich auf den globalen Märkten zu behaupten? Verschiedene Besonderheiten der Rollon- Gruppe ergeben in der Summe diese herausragende Marktposition. Fangen wir an mit der hohen Flexibilität kundenspezifische Produkte zu fertigen: 35 % unseres Umsatzes tätigen wir mit Produkten, die wir speziell für die Kundenapplikationen konstruieren. Die kurzen Lieferzeiten und die besonders breite Produktpalette der linearen Komponenten spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Zudem haben wir einen sehr großen Schritt in Richtung Systemlösungen vollzogen. Immer häufiger erwarten unsere Kunden nicht nur Linearführungen, sondern komplette Linearachsen oder sogar komplexe Systemlösungen. Zu diesem stark erweiterten Produktprogramm haben Eigenentwicklungen und strategische Akquisitionen beigetragen. Der starke Fokus auf einige Industriezweige mit dazu gehörenden detaillierten Fachwissen und die weltweite Präsenz mit eigenen Niederlassungen und Produktionseinheiten in den wichtigsten Industrieländern macht uns zudem besonders attraktiv für viele unserer Kunden. Lineartechnik bekommt man an jeder Ecke rund um den Globus. Warum sollten Anwender auf Rollon-Produkte setzen? Das stimmt nur sehr eingeschränkt. Kundenspezifische Lösungen, angepasst an die tatsächliche Bedarfssituation, finden Sie eher selten. Wir wollen unseren Kunden helfen, besondere Produkte zu fertigen und erfolgreich damit zu sein. Dazu benötigen sie auch effiziente, smarte Linearprodukte. Zum Beispiel sind hochpräzise Linearführungen, eingesetzt in einer Applikation in der diese nicht benötigt werden, eher kontraproduktiv. Diese Linearführungen erfordern auch hohe Präzision im direkten Umfeld, also z. B. in der Vorbereitung der Montagefläche. Dabei betrachten wir immer die totalen Kosten in der Anwendung. Die richtige Auswahl der Linearführung oder der Linearachse kann an diesen Stellen erheblich zur Kostenreduzierung „ beitragen. Aus einer sehr breiten Produktpalette und einem strukturierten Baukastensystem sind wir in der Lage, sehr schnell das richtige Produkt zusammenzustellen. Das macht Rollon besonders. Was ist die größte Herausforderung für Sie als Unternehmen, die Kunden weltweit perfekt zu bedienen? Die größte Herausforderung ist, immer die Anforderung unserer Kunden exakt zu verstehen. Denn das ist grundsätzlich der Schlüssel zum Erfolg. Dazu benötigen wir sehr gut ausgebildete Vertriebs- und Anwendungsingenieure weltweit, die vor Ort beim Kunden das jeweilige Anforderungsprofil diskutieren und im Anschluss das ideale Produkt auswählen oder kundenspezifisch konstruieren. Ein erhebliches Branchenwissen auf unserer Seite ist nicht nur hilfreich, sondern absolut notwendig. Wie nutzen Sie die Synergien, die durch die Rollon-Gruppe entstanden sind und wie profitiert der Anwender davon? Kundenspezifische Lösungen, angepasst an die tatsächliche Bedarfssituation, finden Sie nicht an jeder Ecke. Wir wollen unseren Kunden helfen, besondere Produkte zu fertigen und erfolgreich damit zu sein. Rüdiger Knevels Seit einigen Jahren arbeiten wir an dem systematischen Ausbau unseres Unternehmens, insbesondere um unseren Kunden eine optimale Auswahlmöglichkeit verschiedenster Produkte zu geben. Bei unseren Akquisitionen achten wir immer darauf, dass das zugekaufte Unternehmen überwiegend komplementäre Produkte und ein gutes technisches Team in unsere Gruppe einbringt. Das Zusammenführen der Stärken jeder einzelnen Unternehmung hat bisher immer zu Optimierungseffekten bei Rollon geführt. Das heißt der Anwender profitiert durch immer hochwertigere Produkte, eine sehr strukturierte breite Produktpalette, die konsequente Ausweitung auf Systemlösungen und durch optimierte Produktionsprozesse. z 40 antriebstechnik 1-2/2018

Potenzial für Servotechnik Helmut Pirthauer ist Geschäftsführer der Heidrive GmbH in Kelheim Seit 2016 gehört Heidrive zum US-amerikanischen Antriebstechnik- Hersteller Allied Motion Technologies. Was hat sich dadurch in Ihrer globalen Ausrichtung verändert? Bevor wir zu Allied Motion gehörten, hatten wir uns vorwiegend auf den asiatischen und europäischen Markt spezialisiert. Hier lag unser Fokus auf den Baureihen HMC (Asien) und HMP (Europa), die wir für die jeweiligen Anforderungen der Märkte entwickelt und produziert hatten. Nach dem Kauf durch Allied Motion stellte sich vor allem unsere neue Baureihe, die HMD- Servomotoren als sehr wichtig heraus, denn diese soll nun – vor allem durch unseren Mutterkonzern selbst – auf dem amerikanischen Markt angeboten und verkauft werden. Unser Know-how können wir jetzt natürlich ideal nutzen, um mit Allied Motion vor Ort in Amerika flächendeckend aufzutreten und somit nun fast weltweit unsere Motoren anzubieten. Der Mutterkonzern sieht ein großes Potenzial in der Servotechnik, gerade auch auf dem US-Markt. Aufgrund der bereits bestehenden Vertriebskanäle und Kontakte vor Ort kann für uns somit auch eine gute Marktdurchdringung und ein schneller Markteinstieg gewährleistet werden. Welche Herausforderungen kommen denn nun auf Sie als deutsches Unternehmen zu? Nach dem Kauf haben sich rein verwaltungstechnisch einige Änderungen ergeben. Da für amerikanische Unternehmen und auch deren ausländische Tochterfirmen seit 2002 der sogenannte Sarbanes- Oxley Act (kurz SOX) gilt, mit dem man illegale Machenschaften von Firmen verhindern will, muss sich die Heidrive GmbH als Tochter der Allied Motion Technologies Inc. diesem Gesetz annehmen und die geltenden Bestimmungen einhalten. Das bedeutet zum einen, dass nachgewiesen werden muss, dass die Heidrive GmbH über ein umfassendes und funktionsfähiges internes Kontrollsystem verfügt, welches die Ordnungsmäßigkeit und Verlässlichkeit der Finanzberichterstattung sicherstellt. Strategisch hat sich aber an unserer Ausrichtung oder auch an den Produkten durch den Kauf nichts verändert. Wir können – und da kann man von Glück sagen – weiterhin vollkommen eigenständig agieren. Heidrive hat fast 80 Jahre Erfahrung mit Motoren. Welche Strategie verfolgen Sie mit Ihren Produkten auf den internationalen Märkten? Mit unserem ausgefeilten und marktspezifischen Baukastensystem bieten wir ja bereits im Standard schon sehr viele Motorvarianten für die Märkte Europa, Asien und die USA. Diese müssen jeweils unterschiedlichen Anforderungen an zum Beispiel Stecksysteme, Feedbacksysteme und Zertifizierungen/Zulassungen gerecht „ Mit unserem ausgefeilten und marktspezifischen Baukastensystem bieten wir bereits im Standard schon sehr viele Motorvarianten für die Märkte Europa, Asien und die USA. Helmut Pirthauer werden. Damit haben wir eine Basis geschaffen, jedem Kunden auch international individuelle Lösungen je nach Applikation zu entwickeln. Dabei spielt es für uns keine Rolle, in welcher Branche oder auf welchem Markt die Produkte zum Einsatz kommen. Überall da, wo Kunden einen hochdynamischen und leistungsstarken Servomotor benötigen, können wir weiterhelfen, gerne auch in kundenspezifischer Ausführung. Welche Branche gehen Sie bereits an, welche sollen in Zukunft hinzukommen? Unsere Anwendungsfälle und somit Märkte oder Branchen sind sehr vielfältig. Um vielleicht ein paar wenige zu nennen: Wir sind bereits in der Automatisierung und Robotik, in der Materialhandhabung, aber auch in CNC- und Werkzeugmaschinen oder Mehrachs-Positioniersystemen und vielen mehr vertreten. Da aber Themen wie Industrie 4.0 und Mensch-Maschine- Interaktionen immer wichtigere Bestandteile werden, setzen wir stark auf sehr kompakte, dezentrale Servoantriebe mit integrierter Elektronik für die Robotik und Automatisierung. Hier sind wir schon sehr gut vertreten und sehen das Potenzial auch für die Zukunft immer weiter wachsend. z antriebstechnik 1-2/2018 41

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