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antriebstechnik 1-2/2017

antriebstechnik 1-2/2017

UNSER ANTRIEB

UNSER ANTRIEB 2017 „Im Sinne intelligenterer Produktion“ Unsere Branche muss die Bedürfnisse und Anforderungen der Endverbraucher antizipieren und erfüllen. Diese fordern eine flexiblere Produktion sowie umweltfreundlichere und sichere Arbeitsbedingungen. Das bedeutet, dass die Mechatronik mit Hilfe künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen smarter und leistungsfähiger werden muss. Die Antriebstechnik sollte sich der Antwort auf die Bedürfnisse der Endverbraucher und dadurch der Maschinenkonstrukteure widmen. Des Weiteren sollte sie zuverlässiger werden, um die Maschinenverfügbarkeit zu verbessern sowie die Leistungsfähigkeit steigern, um den Anforderungen an schnellere, robustere und anwendungsspezifischere Maschinen gerecht zu werden. Ein weiteres Gilbert Khawam ist Thema im Jahr 2017 ist Internet of Things. Das IoT wird eine treibende Kraft sein, die Fähigkeit zu Geschäftsführer der Bonfiglioli Vectron MDS entwickeln, jedes einzelne Gerät, wie z. B. die Steuerung und Überwachung per SPS und Kamera mit GmbH in Krefeld intelligenten Antrieben verbinden zu können. Und daraus resultiert auch die Verknüpfung von Maschinen untereinander. Wir bei Bonfiglioli arbeiten an all diesen Themen, um das bisherige Produktportfolio zu verbessern. Ein sehr großer Trend im Jahr 2017 und darüber hinaus wird also das Internet of Things sein sowie die Konstruktion und Entwicklung neuer Industrie 4.0-fähiger Produkte im Sinne einer intelligenteren Produktion. Karl-Peter Simon ist Geschäftsführer der Bauer Gear Motor GmbH in Esslingen „Energieeffizienz real beurteilen“ Die EU Kommission fordert bis 2030 eine Energieeffizienz-Richtlinie mit einem obligatorischen Effizienzziel von 40 %. Damit würde Europa der Erreichung der in Paris vereinbarten Klimaziele ein großes Stück näherkommen. Was bedeutet dies für die Antriebstechnik, in der Elektromotoren fast 70 % der elektrischen Energie in der Produktion verbrauchen? Die Antriebstechnik wurde 2009 erstmals mit der verpflichteten Einführung von Energieeffizienzklassen für Elektromotoren konfrontiert. Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, wurden in der Folgezeit Motoren mit der Energieeffizienzklasse IE2 und IE3 eingeführt. Die letzte Einführungsstufe der Motorverordnung erfordert mindestens die Wirkungsgradklasse IE3 für Motoren mit einer Leistung kleiner 7,5 kW und ist seit Januar 2017 wirksam. Da die bisherigen Wirkungsgradklassen nur bei Nennlast und Nenndrehzahl definiert wurden, stehen wir vor der Herausforderung, diese für den tatsächlichen Lastfall zu optimieren. Erfahrungen mit ähnlichen Standards aus anderen Industrien zeigen, dass wir gut beraten sind, Normen und Gesetze zu etablieren, die eine Aussage für den realen Betrieb zulassen. Neue Energieeffizienznormen wie die EN 50598 unterstützen die Optimierung im System. Diese legt die Ökodesignanforderungen für elektrische Antriebssysteme im Niederspannungsbereich fest. Damit verlassen wir auch in der Normung die enge, strikt produktbezogene Sicht und öffnen uns dem System, wodurch sich der Fokus von der einzelnen Komponente hin zu der Effizienz des gesamten Systems verschiebt. Vor allem die Bestimmung der Systemverluste bei Teillast, also wenn der Antrieb nicht mit maximaler Auslastung läuft, wird durch diese Norm jetzt möglich. Bauer Gear Motor veröffentlicht heute schon im Internet die Verlustleistungen von Getriebemotoren für die spezifizierten Lastpunkte. Mit diesen Daten können sehr einfach Systemverlustleistungen für den realen Betrieb ermittelt werden. Um die globale Verbreitung zu ermöglichen, wurde die EN 50598 als Basis für die neue internationale IEC 61800-9 übernommen. Die Einführung wird voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres erfolgen. Bisher gab es noch keine Energieeffizienz-Standards für Elektromotoren, die nicht direkt am Netz betrieben werden können, wie z. B. Permanentmagnet Synchron Motoren. Dies wird sich dieses Jahr ändern durch die Norm IEC 60034-30-2. So wurde der jetzt vorliegende Vorschlag für diese Norm mit großer Mehrheit akzeptiert. Sie gilt für Motoren im Leistungsbereich von 0,12 kW – 1 000 kW. Ausgeschlossen sind lediglich Servomotoren für dynamische Motion Control Anwendungen. Definiert ist die Wirkungsgradklasse von IE1-IE5. Um die Systemverluste auch im Teillastbereich bestimmen zu können, sind die Hersteller bei Anwendung dieser Norm verpflichtet, mit der Wirkungsgradklassenangabe auch die Verlustleistungen in sieben Lastpunkten entsprechend der IEC 61800-9-2 (bisher EN 50598) anzugeben. Damit hat der Anwender die Möglichkeit, für sein Gesamtsystem die Verlustleistung im realen Lastbestrieb zu ermitteln. Diese Normenentwicklung ermöglicht erstmals die Energieeffizienz für den realen Lastbetrieb zu beurteilen, was die Vorrausetzung ist, um zukünftigen Ökodesign-Kriterien zu entsprechen. Die Verfügbarkeit von anwendungsoptimierten Elektromotoren ist hierfür die Voraussetzung. Deshalb haben wir die Motorenproduktion flexibilisiert, um wie bei einem Getriebe den passenden Motor mit unterschiedlichsten Wicklungsauslegungen vom Asynchron- bis hin zum Permanentmagnet Synchron Motor konfigurieren zu können. 18 antriebstechnik 1-2/2017

UNSER ANTRIEB 2017 „Technisch und politisch spannend“ Für Lenze ist 2017 ein ganz besonderes Jahr, denn wir feiern unseren 70sten Geburtstag. Seit sieben Jahrzehnten sind wir erfolgreich im Markt unterwegs und haben es immer vermocht, Trends und Innovationen in technische Lösungen zu übersetzen, die unsere Kunden nach vorne bringen und ihnen einen wesentlichen Mehrwert bieten. Den Weg als Lösungspartner unserer Kunden werden wir weiter beschreiten. Unser Augenmerk legen wir dabei darauf, unseren Kunden das Engineering wesentlich zu vereinfachen. Der weltweite Maschinenbau wird 2017 weitere technologische Impulse aus dem Themenkomplex der Industrie 4.0 erhalten. Hier treiben wir die Entwicklung aktiv voran und werden auch in diesem Jahr eine Reihe von Innovationen einführen, welche die Maschinen flexibler, intelligenter und einfacher machen werden. Der richtige Einsatz und der richtige Umgang mit der entsprechenden Software sind hier erfolgskritisch. Wir werden in 2017 unsere Software-Plattform deutlich ausbauen. Dr. Tim Bendig ist Leiter Strategisches Marketing und Corporate Communications bei Lenze SE in Aerzen Für den Maschinenbau ist dies untrennbar mit dem Trend zu einer neuen Art der Arbeitsteilung und einer Konzentration auf die eigenen Stärken verbunden. Die Kompetenz zur Kooperation wird sich zur eigentlichen Kernkompetenz mausern. So lässt sich eine Industrie-4.0-taugliche Maschine mit all ihren Facetten entwickeln, ohne den eigenen innovativen Kern zu vernachlässigen – das machen wir seit 1947. Politisch wird es spannend. Vor dem Hintergrund zunehmenden nationalen Protektionismus wird Internationalisierung neu definiert – das Beispiel Mexiko und Trump zeigen das deutlich. Es gilt weniger das Primat der niedrigsten Kosten, als vielmehr das Primat der Nachfrage. Dort, wo die Nachfrage ist, werden zunehmend große Teile der Wertschöpfung stattfinden. Lenze ist hier mit Produktions- und Logistikkapazitäten in der EU, den USA und China hervorragend aufgestellt. Philip Nelles ist Leiter der ContiTech Power Transmission Group in Hannover „Wir treiben viele Branchen an“ Die Digitalisierung eröffnet uns in der Antriebstechnik vielfältige Möglichkeiten. Wir sehen darin nicht für 2017, sondern auch darüber hinaus, Wachstumsperspektiven. Dies wird uns sowohl in unseren eigenen Produktionsabläufen als auch in den Lösungen für unsere Kunden beschäftigen. Damit wollen wir zum einen die jeweiligen Prozesse vereinfachen und miteinander vernetzen und zum anderen einen Mehrwert für unsere Kunden schaffen – und das branchenübergreifend. Wir spüren deutlich, dass die Nachfrage nach innovativen Antriebselementen auch außerhalb der Automobilindustrie zunimmt. Deshalb konzentrieren wir uns 2017 unter anderem auf technologische Lösungen für landwirtschaftliche Fahrzeuge und Maschinen, denn der weltweite Bedarf für Komponenten in Agraranwendungen wächst. Außerdem steigt das Interesse nach wirtschaftlichen Antriebslösungen in der Intralogistik- und Aufzugsbranche. Gesteigerte Nutzlasten in Kombination mit langer Lebensdauer liegen dabei im Fokus. Hier sehen wir weiteres Potenzial. Auch dem Wunsch nach individueller Mobilität werden wir 2017 folgen. Riemensysteme für E-Bikes und Pedelecs werden auch künftig weiter nachgefragt – für noch mehr Sicherheit und Komfort auf zwei Rädern. Ein weiterer Trend der sich abzeichnet: Individueller Service gewinnt zunehmend an Bedeutung. Deshalb wollen wir uns vom reinen Produkt- und Systemlieferanten zum Serviceanbieter weiterentwickeln und unseren Kunden zusätzliche Dienstleistungen anbieten. Sicher ist: ContiTech treibt auch 2017 die unterschiedlichen Branchen an. antriebstechnik 1-2/2017 19

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